Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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zu Grunde, so hat das vom Verein den Mitgliedern ge- bau beschäftigt zu werden, das dürfte wenigstens bei uns 
währte Krankengeld pro Tag in Deutschland Etwas ganz Neues sein. 
von 1830-57 — 4 Sgr. 10 Pf. bis 5 Sgr. 7 Pf. Zur Beruhigung für manchen Schlepper und Kohlen⸗ 
„1857-60 — 5 2 — 7 — hauer, der bei dieser Nachricht wohl schon mit Schrecken 
1860-727 — 5 — —73 —3 daran denkt, wie er wohl dann zu seinem Lohne kommen 
betragen. soll, wenn ihm fortan statt des flinken edlen Rosses der 
Wenn somit die Krankengeldssätze eine sonst wohl den bedächtige Ochse die leeren Wagen zubringen und die ge— 
Bedürfnissen nach gebotene Aufbesserung bis in die neueste ladenen fortschaffen wird, — mag doch gleich bemerkt sein, 
Zeit hinein (erst das Statut vom 26. Juli 1872, welches daß es bei dieser Neuerung in unserm „schnellen“ Jahrhundert 
wir nicht in den Kreis unserer Betrachtung ziehen, gewährt sich allerdings nicht darum handelt, den Ochsen direct vor 
eine nicht unerhebliche Erhöhung) kaum erfahren haben, die Kohlenwagen zu spannen. Das würde in der That 
so findet das Zurückbleiben gerade nur dieser Leistung in wohl, selbst wenn ein paar Hundert Ochsen gleichzeitig für 
den eigenthümlichen localen Verhältnissen des Vereins seine jede Grube in Thätigkeit kämen, nicht im Sltande sein, die 
Erklärung. Förderung zu erhöhen und zu beschleunigen! 
Keine Verwendung des Vereins nämlich bedarf so sehr Dagegen gibt es beim Bergbau andere Verwendungs— 
einer strengen Controlle, als die Ausgabe an Krankengeldern, arten für den Ochsen, wobei es weniger auf Geschwindig— 
Kur- und Arzneikosten, weil keine andere Leistung so leicht keit, als auf stetige Kraftäußerung ankommt. Hierzu gehört 
für die Mitglieder zu erreichen und in so hohem Grade dem vor Allem der Göpel. So lange man noch keine Dampf— 
Mißbrauch ausgeseßztt ist, als diese. maschinen und Wasserräder zur Förderung in Schächten 
Mit der zunehmenden Erweiterung des Vereinsbezirkes, kannte, besorgte man diese fast ausschließlich durch Pferde— 
mit der Ausdehnung desselben bis tief in die Pfalz hinein, göpel. Noch heute sind in vielen Erzrevieren solche Pferde— 
bis über den Hochwald und an die Mosel u. s. w. ist die göpel in Thätigkeit. Aber um solche Göpel zur Förderung 
Durchführung dieser so nothwendigen Controlle schwieriger handelt es sich im vorliegenden Falle auch nicht, sondern 
und schwieriger geworden und Mangels derselben die Aus- nur um einen ähnlichen Göpel, vermittelst dessen beim Bohren 
gabe an Krankengeld stetig gestiegen. Einen Beleg hierfür von Bohrlöchern oder Bohrschächten das Bohrzeug bewegt 
finden wir sofort aus einer Vergleichung der in den beiden wird. Und bei diesem hat nunmehr der Ochse dem Pferde 
letzten Jahrzehnten verausgabten Krankengeldssummen. Concurrenz gemacht. Auf dem Schachte „Deutscher Kaiser“ 
In der Periode 183160 hat sich bei einer durchschnit- bei Hamborn in Westphalen geben seit einiger Zeit in der, 
lichen jährlichen Mitgliederzahl von 9406 die jährliche Aus- einem Kunstreiter-Circus ähnlichen Bohrhütte 12 feiste Ochsen 
gabe an Krankengeld auf 12,126 Thlr. und in dem letzten als Bohrbeweger ihre Vorstellungen. Beharrlich und un— 
Dezennium bei einer jährlichen Mitgliederzahl von 15,718 verdrossen gehen je 4 Stück derselben gleichzeitig Tag und 
auf 33,965 Thlr. belaufen. Nacht im Goͤpel ihren Rundgang; nach jedesmaliger Astündiger 
Trotzdem nun in dem gesammten Zeitraume eine merk- Schicht werden sie von einem neuen Viergespann abgelöst, 
liche Erhöͤhung der Krankengeldssätze nicht stattgefunden hat, um dann nach 8stündiger wohlverdienter Ruhe wieder ein— 
kommt in der ersten Periode auf jedes Vereinsmitglied eine zutreten, so daß die ganze tägliche Arbeitszeit eines Ge— 
jährliche Ausgabe von nur 1 Thlr 8 Sgr. 6 Pf., in der spannes 8 Stunden in je 2 Schichten beträgt. 
zweiten aber schon von 2 Thlr. 4 Sgr. 10 Pfg. Der bisher wenig beachtete „Farre“, der sogar gewöhn— 
Aus diesem Grunde hat sich denn auch die Fürsorge lich mit dem „Langohr“ auf gleiche Stufe gestellt wird, 
der Verwaltung bei der Gesundheitspflege naturgemäß in ist somit als thätiger Mithelfer beim Bergbau eingetreten 
einer anderen Richtung entwickeln und namentlich der Ver- und wird zweifellos auch das in ihn gesetzte Vertrauen in 
mehrung und Verbesserung der Lazarethe und der Einrich- bergbaulicher Beziehung völlig rechtfertigen. 
tungen derselben zuwenden müssen. 
Stellen wir schließlich die in den letzten 20 Jahren 
auf die Gesundheitspflege verwendeten Summen, exel. La— 
zarethbaukosten, zusammen, so ergiebt sich eine iährliche 
durchschnittliche Belastung des Vereins: 
an Krankengeld, Kur-u. Arzueikosten, in Summa 
1831-60 — 12,126 Thlr. 18,882 Thlr. 31,008 Thlr. 
1861-70 — 83968 34870 68888 
sowie, daß in der ersten Periode für die Gesundheitspflege 
überhaupt excl. Lazarethbaukosten auf jeden Vereinsgenossen 
eine jährliche Ausgabe von 83 Thlr. 9 Sgr., in der letzten 
von 4 Thlr. 11 Sgr. 4 Pfg. gefallen ist. 
(Fortsetzung in der nächsten Nummer.) 
Kindliche Frage. — „Sag mal, Kleiner, ist Dein 
Papa zu Hause?“ — „Nein, er ist mit der Mama spa— 
zieren gegangen!“ — „Hab ich mir's doch gleich gedacht, 
daß die schöne Witterung ihn hinauslocken würde!“ — 
„Aber, warum bist du denn doch gekommen?“ 
Ein neuer Mithelfer beim Bergbau. 
Daß Pferde beim Bergbau sowohl unter als über Tage 
sehr nützliche und oft unentbehrliche Dienste leisten, ist be— 
kannt. Daß aber auch derjenige Vierfüßler, welcher sonst 
— 
Beefsteaks liefert, jetzt zu der Ehre gekommen ist, als thätiger 
Mithelfer beim Bergbau, und sogar beim Steinkohlenberg— 
ö— F V⏑— ⏑——— 
Marktpreise am 25. Januar. 1873. 
E⸗orbrẽcken. zu St. Johaun. 
Megu ⸗ 
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