Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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Die dreifache Wahl. 
Ach strenge richtet die Gerechtigkeit! 
D'rum hütet euch vor ihrem Flammenschwerte; 
Sie wachet Tag und Nacht, ist immer schlagbereit: 
Beglückt, wer nie sie fühlen lehrte! — 
Nachdem durch Speis und Trank der dunger war ver⸗ 
annt, 
Ward Mausche Löbche Rumpel in den Bock gespannt. 
Da saß er nun, gestauchet, still, 
So wie ein Frosch, der eben springen will, 
Der Schinder kommt, der arme Sünder bebet, 
Als er zum erstenmal den dicken Prügel hebet. 
Er hauet drauf: „Auwaih!“ Er hauet drauf: „Auwaih!“ 
So geh't es Schlag auf Schlag, so geht ra ee auf 
rei, 
Bis daß man fünfzig zählet. — „Auwaih! Harr Presedent! 
„Ich sterb, auwaih, das nimmt e bitter beßes End. 
Ach lieber Mann, schlaak nit uehr druff, 
„Auwaih, auwaih' wie laaf ich uff! 
No, was schlaaket er noch an em e daude Mensche? — 
Nit auszehalte seyn so ferchterliche Quale, 
Ich will jo gern die dausend Dahler zahle.“ 
Nun wird das Prügeln unterlassen, 
Und er aus seinem Bock gespannt. 
Ihm folgten Stein,' ihm folgte Schand' 
Auf dem Nachhauseweg durch alle Gassen. 
Daheim ward er auf's Ruhebett gelegt, 
Und einen Monat lang gesalbet und gepflegt. 
Nachdem die jammervolle Zeit verstrichen, 
Kam Mausche mit dem Geld zum Praͤsident geschlichen. 
Er zählt es dar, den Blick zur Erd gewandt, 
In Kummer, Traurigkeit und Schmerzen, 
So oft ein Thaler kam aus seiner Hand. 
„Harr Presedent! Do is des Geld, Se kenne's zehle, 
Un sehe, aß nor funfzick aanzige Kreizer fehle. 
Ich heb, weil mer mich hot so ferchterlich geschloge, 
An Kreizer Agio per Prigel abgezoge.“ 
Der Mausche Löbche war gewohnt, 
In Allem sonst grundehrlich und bescheiden, 
Nur die Dukaten etwas Wenig's zu beschneiden. 
Und wirklich hat's der Müh' sich schon gelohn't; 
Denn kurz und gut, ich sag' es Ihnen, — 
Wie, frag' ich, konnt' er mehr verdienen? 
Auch fing er an, in Feilen und Gewichten 
Sein ält'stes Söhnchen schon zu unterrichten. 
Das Söhnchen lerute wißbegierig auch, — 
Es ist das guter jüdischer Gebrauch; 
Oft sprach er: „Schmulche horck, du krieckst es jetz gezeickt; 
„As die Dukatercher seyn oser noch so leickt, 
„Halt's Maul nor an die aane Seit der Woog un blos, 
So steht das Zingelche gleich, und for wichtic wiescht de 
e los.“ 
Doch ist ja Nichts so rein und fein gesponnen, 
Es kommt, das Sprichwort sagt's, doch endlich an die Sonnen. 
Genng, es kam heraus, daß er die Leut' betrogen, 
Und Mausche Rumpelche ward vor Gericht gezogen. 
Viel sprach sein Advokat, ihn von Galeer und Eisen 
Noch mit Manier herauszureissen; 
Doch seine Unschuld wollt' sich nicht beweisen; 
Obgleich er nicht ein halbes Wort gestand, 
Ward er doch schuldig einstimmig erkannt. 
Die Richter gingen weg, streng zu deliberiren, 
Denn abgewiesen war sein oft versuchtes Schmieren. 
Bald kamen sie zurück, es setzet sich ein Jeder; 
Nun spricht der Präsident das Urtheil vom Katheder: 
„Nach dem Gesetze richtig streng erwogen, 
Daß Mausche Löbche Rumpel Land und Leut betrogen, 
Kann eine scharfe Züchtigung nicht fehlen. 
Doch hat von dreien Strafen eine er zu wählen: 
Er soll tief in des Kerkers Kasten 
Von nun an viermal vier und zwanzig Stunden fasten. 
Doch wenn er sich das Fasten nicht will wählen: 
„So läßt er hundert Prügel auf sich zählen; — 
„Und fürchtet er sich vor des Bengels Qualen, 
„So muß er tausend Thaler zahlen,“ — 
Nichts half, ihm ward trotz Klagen, Bitten, Flehen, 
Auch nicht der letzte Heller nachgesehen, 
Noch mußte er nebst Kosten bei Gerichten 
Den Fastenwärterlohn und's Prüzelgeld entrichten. 
Allerlei. 
Alles schon da gewesen. — In einer alten, bei⸗ 
nahe 300 jährigen Chronik steht Folgendes zu lesen; Die 
Weiber haben von Welschland herüberbe kommen kleine samm— 
ten Hütlein, nicht zu bedecken das Haupt, sondern allein zu 
Putz und Hoffart; sie sind so klein, daß sie nicht den 
bierten Theil des Kopfes bedecken und sehen aus, als wenn 
die Weiber Aepfel auf den Kopf setzten und sprächen: Das 
ist ein Hut! 
„Harr Presedent! Ich waaß schun, was ich thu, 
„Ich setz mer in's Gefenkniß, und fascht in Ruh. 
Harr Presedent! Ich hab en gar e koschbre Moge; 
Ich waaß, ich kann das Faschte gut vertroge. 
Harr Presedent! Ich will's amol probiere, 
,uͤnd will der lange Dagk halt viermol repetire.“ 
Drauf werden ihm die Hände zugeschnürt, 
Und er in's Hungerstübchen abgeführt. 
Ein Mainzer Kaufmann kündigte an; „Einwohner von 
Mainz! Unsere Stadt wimmelt von Soldaten. Von was 
aber wimmeln die Soldaten? Das ist mir ganz egal, wenn 
sie nur mit dem Insectenpulver Kruttmayr versehen sind, 
das um den Preis von vier Kreuzern das Fläschchen allein 
recht bei mir zu bekommen ist“ 
Am ersten Tag ging's mit dem Fasten gut, 
Doch schon am zweiten sank der Muth. 
Am dritten: „Waih geschrie, das nimmt e ibel End, 
Ich sterb, auwaihl Geschwind ruft de Harr Presedent. — 
Harr Presedent! Ich bin daud! Ich kann es nit ertroge. 
Ganz eingeschruntzt un eingehutzelt is mein Moge; 
Drum losse Se mer gleick zu esse gebe, 
Ich loß mer lieber prigle bey mein lange Lebe.“ 
——— nct Srveattran der Saarbracker Neitunn 
Marktpreise am 20. Dezember 1873. 
zu Saarbrüce zu St. Johann. 
4 
Tentner Kartoffeln 6 
Pfund Butter — 
urend. Erer
	        
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