Full text: Der Bergmannsfreund (3)

fahrung zu hringen, was die beiden Fremdlinge für Lands⸗ 
leute sein möchten. Höflich sie grüßend, frug er, wo die 
Reise hinausginge. Wellenstein antwortete, daß sie am 
Ziele ihrer Wanderung angekommen seien und im Begriffe 
ständen, sich nach Arbeit umzusehen. Der Alte schien doch 
einen gewissen Verdacht nicht unterdrücken zu können. 
„Hätt' Ihr dann och ä Schriwes?“ sagte er zu Wellen—⸗ 
stein in einem Tone, an dem man einen Feldschütz oder 
Dorfpolizisten hätte vermuthen können. Wellenstein zeigte 
ihm seinen Reisepaß, wovon jener aber nicht Viel zu ver—⸗ 
stehen schien, bis er endlich Etwas vom Regierungsbezirk 
Trier herkaute. „Ihr sitt Owwerlänner“, meinte er und 
reichte den Paß zurück. 
„Lieber Freund, Sie könnten uns vielleicht fagen, wo 
Arbeit zu haben ist, und an wen man sich zu wenden hat?“ 
frug seinerseits nun Wellenstein den Alten. Der fühlte sich 
offenbar durch dies Vertrauen geschmeichelt und gab denn 
auch sofort die Auskunft: „Jangt ens strack de Berg robb. 
An engem bräddere Hüsge is minge Sunn Steger. Ihr 
frägt nur nach dem Steger Berghem; ä hätt' en Hoth of, 
we de Steger Jansen von Mechernich.“ 
Beide Wanderer dankten nun dem Greis für die ihnen 
gewährte Auskunft und gingen den bezeichneten Berg hinauf. 
Da gewahrten sie zwei Menschen hinter einer Hecke, deren 
Kleidung ihnen völlig fremd war. Sie hatten Bergkittel 
an, der Ueberkragen des Kittels war mit langen Franzen 
besetzt. Dem jungen Wellenstein war nicht recht geheuer 
beim Anblicke dieser seltsamen Menschen, er hätte gern 
einen andren Weg eingeschlagen, aber es ging nicht, sie 
mußten grade an ihnen vorbei. Das waren die ersten 
Bergleute, die sie in ihrem ganzen Leben gesehen hatten. 
Glücklicher Weise war der schon erwähnte Steiger 
Bergheim bei den beiden hinter der Hecke. Er sprach Wel— 
lenstein an, da der Fußpfad, auf welchem dieser sich be— 
fand, nicht weiter fuͤhrte, als zu einem Schürfloche, bei 
welchem der Steiger Bergheim einige Mann beschäftigt hatte 
Wellenstein erklärte ihm, daß er sich Arbeit suchen wolle. 
Der Steiger schickte ihn eine halbe Stunde weiter hinunter 
auf das Hauptwerk, das von den Arbeitern spottweise Span— 
dau genannt wird, nach seinem eigentlichen Namen aber 
Bachrevier oder Peterheide heißt. Dorthin nun lenkten 
Wellenstein und sein Sohn ihre Schritte. — 
Das genannte Werk ist schon vor vielen Jahrhunderten im 
Betrieb gewesen, aber es sind keine Urkunden darüber vorhanden, 
allem Anschein nach ist es in früherer Zeit bei einer großen 
Ueberschwemmung ersoffen. Ein alter Geschichtsschreiber, 
Sebastian Münster, schreibt darüber Folgendes: „In der 
rechten Eyfel ist ein rauher Boden von Wäldern, da wenig 
Habern (Hafer) wächst; aber gegen den Rhein und die 
Mosel ist es fruchtbar. Um die Stadt Commern, die 
Trierisch ist, erzeigt sich gut Silberbergwerk, werden aber 
durch die Ungeschicklichkeit der Bauern verwahrlost, und 
kommen in Abgang.“ — Sebastian Münster wurde 1489 
zu Ingelheim geboren und starb 1552 zu Basel an der Pest. 
Aus Münster's Urkunden läßt sich schließen, daß die— 
ses Werk schon im Anfange des 16. Jahrhunderts zu seinem 
gänzlichen Erliegen kam. In und um das Bergwerk zeigen 
sich noch Spuren römischer Alterthümer, die sogenannte 
Trierische Wasserleitung führt an der Burgfeyer Schmelz-— 
hütte vorbei, und noch heutzutage kann man den Wasser— 
kanal auf einige Meter Länge wohlerhalten erblicken. Die 
Bewohner von den nächstgelegenen Ortschaften, Feybach, 
Satzfey, Katzfey, Burgfey, Urfeiy, Eiserfey flüchteten sich 
180 
bei den früheren Kriegsunruhen in den Kanal oder in den 
jetzt wieder in Betrieb gesetzten Burgfeyer Stollen, der eine 
Lange von mindestens 1000 Lachter hat. — Daß das Berg—⸗ 
werk eine bedeutende Tiefe erreicht hatte, konnte man er⸗ 
sehen, als dasselbe in den Z0er Jahren dieses Jahrhunderts wie⸗ 
der von 4 Gebrüdern Kreuser, worunter einer taubstumm war, 
neuerdings eeöffnet wurde. Man fand zugeschlämmte Ge— 
senke, welche cirkelrund abgeteuft waren, von etwa 11 
Meter Durchmesser. Beim Auspumpen und Aufbauen der— 
selben ergab sich, daß das Pulver hier noch nicht gebraucht 
vorden war. Dagegen fand sich noch verschiedenes Werk— 
zeug im Schlamme vor, ein Hacken mit einer Feder, eine 
messingene Lampe und eine thönerne Lampe, welch letz— 
tere noch wohl erhalten war; die übrigen Gegenstände 
waren nicht mehr genau erkenntlich. Die Gesenke, in denen 
das Werkzeug gefunden wurde, waren noch nicht bis auf 
das Erzlager abgeteuft, hatten aber doch eine Teufe von 
etwa 200 Meter. 
Die 4 Brüder Kreuser arbeiteten Anfangs allein und 
benutzten den taubstummen Bruder als Haspelzieher. Das 
Erz, welches sie gruben, wurde in ein Sieb geworfen, welches 
über einem Wasserkasten sich befand, so daß die un— 
tere Hälfte des Siebes im Wasser lag, dann wurde es 
mehrere Male hin und her gerüttelt, bis sich das eigentliche 
Erz von den Bergen getrennt hatte. War dann ein Wagen 
voll Erz gewonnen, so verkaufste man ihn an das Berg— 
verk zu Bleialf. Späterhin nahm sich eine englische Ge— 
sellschaft „Wiesbaden“ der Gebrüder Kreuser an, und so 
entstand das schöne, noch heutzutage im Betrieb stehende 
Bergwerk. Nach einiger Jahren waren die Gebruͤder in 
den Stand gesetzt, der englischen Gesellschaft ihr Geld zu— 
rückzuzahlen. Im Jahre 1855 hatte das Werk schon 1800 
Arbeiter, worunter ungefähr 150 weibliche Personen, welche 
in dem Pochwerk und in der Erzwäsche beschäftigt wurden, 
und 2300 jugendliche Arbeiter unter 16 Jahren bei den 
zroßen Sieben über Tage, welche mit der Maschine getrie— 
ben wurden. Die Mehrheit der Mannschaft wurde über 
Tage beschäftigt. 
Das Erzlager war hier so mächtig, daß man es immer 
auf 20 bis 30 Meter und noch mehr schätzen konnte. So 
lohnte es sich der Mühe, daß man die oberen Erdschichten 
bis auf das Erzlager abdeckte und die, wo das Erz schon 
ausgebeutet war, dann mit dem abgeräumten Gebirge wie— 
der ausfüllte. Das Erz kömmt in „Knotten“ vor, wie es 
der dortige Bergmann zu nennen pflegt; es sind dies 
Stückchen von der Dicke einer Erbse, jedoch finden sich auch 
verschiedenartig geformte Stücke bis zur Dicke eines Neu— 
zolls, allerlei Figuren darstellend. Wo das Lager am 
Stärksten ist, sind die Erzknotten vermischt mit krystallartigem 
veißen Sand, der aber doch so hart ist, daß an den meisten 
Stellen geschossen werden mußte. Es werden dabei durch— 
schnittlich Loͤcher gebohrt von 133 Meter Tiefe, mitunter 
auch noch tiefer, und von 7 bis 8 Centimeter Durchmesser, 
—000 
loch. Schlangenbohrer waren zwar versuchsweise im Ge— 
—XIE—— 
Schon Anfangs der Wer Jahre kam es häufig vor, daß 
20 und noch mehr Schüsse auf einmal angezündet wurden. — 
In dem Erzlager befand sich hinwieder ein Eisengallstein, 
der die Gestalt wie ein Menschenkopf hatte und nach der 
Bergmannss prache „Tott“, genannt wurde. 
Fortsetzung folgt.) 
orucker und Verleger: Gebruder Sof er in Saarbrucken. sErpedition der Saarbrucker Zeiung.)
	        
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