Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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der praktische Volkssinn die Sache — als Mörser oder 
Mühle zum Mahlen ihres Getreides mittelst der harten 
Rollsteine benutzt haben. Einfach und natürlich zwar klingt 
eine solche Erklärung, aber der forschenden Wissenschaft 
konnte sie nicht genügen. Wie so manches andere Werk 
der sagenhaften Riesen, haben auch die Riesentöpfe nun⸗ 
mehr ihren Ruhm als Werk von Menschenhand einbüßen 
müssen und erscheinen lediglich als eine höchst eigene Schöpfung 
der Natur selbst. 
Ausnahmslos finden sich nämlich die Riesentöpfe stets 
in der Nähe von Wasserfällen, Stromschnellen und Strudeln, 
oder an solchen Orten, wo früher oder noch jetzt ausge— 
dehnte Gletscher (Eisberge) Veranlassung zu Wasserfällen 
und Strudeln gaben — und ihnen allein verdanken in der 
That die Riesentöpfe unstreitig ihre Entstehung. Wenn 
schon „steter Tropfen“ den Stein höhlt, wie sollte nicht um 
so mehr und um so rascher die gewaltige Kraft eines 
Wasserfalles dazu im Stande sein! Aber zu der nachhaltigen 
Wirkung des Wassers selbst hat sich bei den Riesentöpfen 
noch eine andere Gewalt als Mithelfer hinzugesellt, nämlich 
die mahlende Reibung der noch zum Beweise hievon jetzt in 
den Löchern sich findenden harten Rollsteine. Vom Strudel 
des Wassers ergriffen, haben sie sich auf dem Felsgestein 
im Kreise herumbewegt, sie selbst sind dabei immer mehr 
abgeschliffen worden, haben aber auch als wirkliche Mahl— 
steine eine runde Vertiefung im Fels ausgerieben und im 
Laufe der Zeit allmählig immer tiefer ausgehöhlt. So er— 
klären sich auch die an den Wandungen der Löcher sicht— 
baren regelmäßigen, oft scharf geschliffenen Spiral-Windungen. 
In letztern sind mitunter selbst einzelne Mahlsteine stecken 
geblieben, wenn die Kraft des treibenden Strudels nicht 
mehr stark genug war, um den Widerstand des Felsgesteins 
zu überwinden. Aus ähnlichem Grunde ist die Thätigkeit 
der Rollsteine überhaupt mit der zunehmenden Tiefe der 
Höhlung allmählig schwächer geworden und hat schließlich 
ganz aufgehört, die Rollsteine sind dann aber ruhig auf 
dem Boden des Loches liegen geblieben. 
Ein gleicher Hergang dürfte übrigens auch mitunter 
bei Wolkenbrüchen oder starken Gewittern im Kleinen zu 
beobachten sein, wo die Kraft des plötzlich starkangeschwollenen 
Wassers an geeigneten Stellen solche „Strudellöcher“, wenn 
auch nicht im festen Felsgestein, so doch in der Dammerde, 
im Lehm oder in sonstigem lockerm, aufgeschwemmtem Ge— 
birge erzeugt. 
Gerichtliche Bestrafung der Dynamit⸗ 
fischerei. 
Wiederholt ist bereits in diesem Blatte vor dem Un— 
fuge gewarnt worden, welcher mit Dynamitpatronen zum 
Zwecke des Fischens in Bächen und Flüssen betrieben wird. 
Am 6. d. M. standen 2 solcher unbefugter Dynamit—⸗ 
fischer vor den Schranken des Saarbrücker Zuchtpolizeige— 
richtes. Es waren, wie gewöhnlich, junge Schlepper, und 
zwar beide aus Hüttersdorf im Primsthale, der eine noch 
in hiesiger Gegend, der andere jetzt auf einer Grube bei 
Aachen beschäftigt. Sie hatten den Primsbach zu ihrem 
Getriebe sich ausersehen, waren aber glücklicher Weise auf 
der That ertappt worden. Ein auf den Knall der Explosion 
herbeigeeilter Polizeidiener sah das Bett des Baches hoch 
aufgewühlt und Tausende von todten Fischen auf der Ober— 
fläche des Wassers liegen, während einer der Beschuldigten, 
im Bache stehend, die größern der Fische sammelte und 
seinem Genossen an's Land reichte. Trotzdem die Be— 
schuldigten den mörderischen Fischfang sowie den Besitz von 
Dynamitpatronen frech leugneten, wurden doch beide für 
iberführt erklärt, und jeder zu 4 Wochen Gefängniß— 
strafe verurtheilt. — 
Es mag dies von Neuem wieder als Warnung dienen, 
sowohl vor dem Unfuge der Dynamitfischerei selbst, als 
auch zu besserm und vorsichtigerm Aufbewahren der Dynamit— 
patronen Seitens der Häuer, welche sie in der Grube be— 
nutzen, da fast stets die zur Dynamitfischerei verwendeten 
Patronen lediglich in der Grube gestohlen sind und zwar 
gestohlen zum direkten Schaden derjenigen Bergleute, die sie 
sich stehlen lassen. 
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Vom getreuen Knecht. 
Erzählt von E. Diethoff. 
Schluß). 
Am Himmelfahrtstag war es gewesen, da hatte die 
Schichtmeisterin den Gottlieb und die Annemarie zu sich in 
die Stube entboten. Sie habe mit ihnen zu reden, sagte 
sie, und daß es feierlich sei, bewies der Umstand, daß die 
Frau in dem Sessel saß, den ihr Mann so lang innegehabt 
uind in welchem er auch gestorben war. Die Schichtmei— 
terin machte nie viel Worte, und sie that es auch jetzt 
nicht, aber was sie sagte, das war von Bedeutung und sollte 
zwei gute, treue Menschen glücklich machen. Sie sagte den 
beiden, daß sie sie beobachtet habe, und gefunden, daß sie 
zu einander paßten, und sie wolle ihrem Glücke nicht im 
Wege sein, aber Armuth mit Armuth gepaart, das gäbe 
einen magern Hausstand, deßhalb und, weil sie selbst nach 
dem Tode ihres Mannes des Wirthschaftens überdrüs— 
sig sei und keine Kinder habe, so sollte Gottlieb und An— 
nemarie einander heirathen und sie wollte am Tage ihrer 
Hochzeit ihr Haus mit Garten ihnen überschreiben lassen. — 
„Herr Gott, Frau!“ rief Annemarie voller Angst, denn 
sie meinte die Frau rede irre, „Frau Schichtmeisterin, be— 
sinnet Euch.“ — 
„Ich hab' mich schon besonnen,“ sagte die Frau. „Ich 
lasse das Haus auf Euch überschreiben, aber ich will darin 
wohnen bleiben bis zu meinem Tode und versehe mich Eurer 
Hülfe und Treue nach wie vor, ich habe mit dem, was 
oben ist, genug, Ihr ziehet unten hin. Ist's Euch so 
recht? —* 
Annemarie konnte vor freudigem Schrecken nicht reden. 
Aber Gottlieb sagte ernst: „Frau Schichtmeisterin, wir 
haben so große Gutthat nicht verdient, aber Gott wird uns 
beistehen, daß wir es in Zukunft verdienen, und ich wollt', 
* käm' Etwas Rechtes, daß ich Euch unsre Treue zeigen 
önnt'.“ — 
„Ich bin zufrieden, wenn Ihr bleibt, wie Ihr bisher 
zewesen,“ meinte die Schichtmeisterin, „brav und fleißig, ge— 
treu in dem, was Euch überantwortet ist. Die Treue kann 
sich alle Tag beweisen, im Kleinsten, im alltäglichen Einer— 
lei. Ich verlange nicht, darum daß Ihr mir Eure Treue 
»eweisen könnt, in Feuersgefahr zu kommen oder in Räuber— 
jand zu fallen, das ist wohl gut zu lesen in den Geschich— 
ten, die für die Unterhaltung gedruckt werden. Im gemei⸗ 
nen Leben kommt so Etwas Gott sei Dank nicht oft vor, 
aber alle Tage hat Eines Gelegenheit dazu, daß der Herr 
zu ihm sagen mag: „Du guter und getreuer Knecht, Du 
bist über Weniges getreu gewesen, siehe, ich will Dich über 
Vieles setzen! —“ 
Als die alte Frau so redete, winkte Gottlieb seinem 
Mädchen glückstrahlenden Auges zu, und über Annemariens
	        
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