Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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d. Beschäftiging und Gemüthsruhe sind der Gesund— 
heit zuträglich. Uebermäßige Anstrengungen des Körpers 
sowohl als des Geistes sind aber durchaus zu vermeiden, auch 
möglichst eine bestimmte Regelung des Schlafens festzu— 
halten. 
Bergsfest zu Nũudersdorf. 
Die Knappschaft der Kalksteinbrüche zu Rüdersdorf 
(in der Nähe von Berlin) feierte am Sonntag den 10. 
August, vom schönsten Wetter begünstigt, ihr diesfjähriges 
Bergmannsfest. 
Nach alter Sitte leitete ein vom Bergmusikchor am 
Vorabend ausgeführter Zapfenstreich die Feier würdig ein, 
und erfolgte etwa gegen 9 Uhr der Aufzug der 1400 Mann 
starken Knappschaft auf dem Festplatz, welcher, umrahmt 
mit festlich geschmückten Häusern, bewimpelten Fahrzeugen 
und zahlreichen Glücksbuden, in schönster Beleuchtung weit— 
hin strahlte. Den Gipfelpunkt des eigentlichen Festes bildete 
selbstredend der am Sonntag um 11 Uhr im Freien vor 
den geräumigen Hallen abgehaltene Festgottesdienst. Tau— 
sende umstanden den würdig geschmückten Altar und ver— 
nahmen in stiller Andacht weithin die ergreifende Predigt 
des Ortsgeistlichen. Herkömmlich reihte sich der kirchlichen 
Feier eine Parade der uniformirten Knappschaft mit den 
Turnern an, und brachte sodann der Bergwerks-Direktor 
ein begeistertes Hoch auf unsern geliebten Kaiser aus. Ein 
Trompetensignal rief um 1 Uhr alle Gäste und Beamte 
zum festlichen Mahle, das durch zahlreiche Trinksprüche be— 
lebt und durch entsprechende Chorgesänge verschönt, als ein 
„fröhliches“ mit Recht bezeichnet werden darf. Gegen 
4 Uhr Nachmittags erfolgte von der neuen Kirche aus der 
Paradeaufzug in die Festhallen. Hier nun eröffnete Alt 
und Jung den Reigen, und nicht Wenige begrüßten in hei— 
berer Stimmung den Morgen. Also ward aus Abend und 
Morgen der dritte Tag! Die am Montag Nachmittag 4 
Uhr beginnende und bis 12 Uhr Nachts andauernde Nach— 
feier war nicht minder reich an Fröhlichkeit, und gab schließ— 
lich dies schöne Volksfest den deutlichsten Beweis ab, wie 
hier Beamte und Knappen im besten Einvernehmen stehen, 
und die königliche Berginspektion in offener Dankbarkeit 
gern bereit ist, nach mühevollen Tagen mit treuen Knappen 
ein Fest der innigsten Frende zu begehen. 
P Vom getreuen Gñnecht. 
Erzählt von E. Diethoff. 
(Fortsetzung.) 
Gottlieb gab keine Antwort. Aber als nun die Mäd— 
chen auf die alte Schichtmeisterin schmälen wollten, da wandte 
er sich in fast traurig vorwurfsvollem Tone an sie: „Geh' 
Annemaricchen, wie kannst Du so Etwas sagen? Die Frau 
hält ihr Hab und Gut zusammen, das ist wahr, aber sonst 
hilft sie getreulich, wo sie kann. Denkt Dir's nimmer, wie 
Du als Kind böse Augen hattest und sie hat Deiner Mutter 
ein Wasser dafür gegeben und ist selbst wie oft in Euer 
Haus gekommen deswegen?“ — — 
„Ja, das ist wahr,“ sagte das Mädchen, roth werdend, 
„und an ihren Lehreu ist noch Keiner zu Grund gegangen.“ 
„Aber auch nicht aufgekommen!“ rief Andreas dazwi— 
schen. „Da hört einmal den Wagners Jakob und den Mül— 
lers Louis, die können es Euch anders sagen, als der alte 
Pfarrer und die geizige Schichtmeisterin.“ — — — 
Und Jahr und Tag verging. Die Knaben waren 
unge Männer geworden, seit sie an jenem Maisonntag im 
Waide gesessen, Bergleute, wie ihre Väter es gewesen. Der 
Andreas war anstellig, die Arbeit ging ihm gut von der 
Hand, und er hatte einen offenen Kopf, aber er hatie Eins 
nicht, Stätigkeit, und wußte sich nicht zu beschränken. Er 
hatte einen guten Verdienst, aber er warf oft an einem 
Sonntage hin, was der Lohn der ganzen Woche gewesen. 
Er hatte für Niemanden zu sorgen, denn Vater und Mutter 
waren todt. So hatte er denn seinen ganzen Verdienst für 
sich allein und verbrauchte ihn auch. Er war der erste 
Bursche im Dorfe, wenigstens sagten ihm das die Wirthe 
und diejenigen, die er frei hielt auf seine Kosten; aber er 
hatle bei alledem keine rechte Befriedigung, und wenn man 
ihu hörte, so räsonnirte er über das schlechte Leben, über 
jseine Vorgesetzten, über Alles und Jedes, während Gott— 
lieb still seiner Wege ging und, obschon er eine kranke Mut— 
ter und einen kleineren Bruder zu ernähren hatte, bei ge— 
ringerem Verdienst Mehr erwarb als Andreas. — 
„Es ist ein Duckmänser,“ sagte Andreas, wenn von 
Fottlieb die Rede war, „für den ist es hier lange gut ge— 
nug, aber ich will fort!“ — — 
„Und das Annemariechen?“ frug dann Einer, als er 
das wieder einmal sagte; denn man wußte, daß Andreas 
das hübsche, blonde Mädchen gerne sah und, wäre nur ihr 
Vater nicht so strenge gewesen, gerne zur Liebsten gehabt 
hätte. 
Daß Annemarie dem stattlichen Burschen auch hold sei, 
das konnte Jeder merken, der sie beobachtete, wenn sie mit 
hm an der Kirchweih' oder zu Pfingsten tanzte, wenn sie 
rühmorgens am Brunnen stand zur Zeit, da er mit dem 
Zrubenlicht herkamn, um zur Grube zu fahren und eine 
Weile bei dem hübschen Mädchen steheu büeb, um zu reden 
»on Dem und Jenem, oder wenn sie am Abend mit ihrem 
Strickzeug vor dem Hause saß. Sie konnte das jetzt auch 
her als früher, denn ihr Vater war gestorben im ver— 
vichenen Frühjahr und ihre Mutter war eine schwache Frau. 
Da kam es denn, daß der Andreas öfters und länger bei 
dem Mädchen sitzen blieb, daß er ihr erzählte von all dem, 
vas er vorhabe, und wie wenig ihm das genüge, was ihm 
geboten sei. — — — 
„Du hast aber doch einen schönen Verdieust“, warf das 
Mädchen einmal zaghaft ein, „wenn Du nur einmal ein 
Wenig haushalten wolltest. — — —“ 
„Und werden wie der Gottlieb? — — — Nein, 
so erbärmlich stell' ich mir mein Leben nicht vor! — Siehst 
Du, Annemarie, mit Dir kann ich davon reden, Du bist 
nicht so wie die Andern, und ich denk', Du hast auch ein— 
mal Courage genug und wirfst all den Bettel hier hinter 
Dich, wo anders, da ist's auch anders. — Da hat mir 
Einer, ich darf ihn nicht nennen, ein Buch gegeben, darin 
teht es, wie schlecht wir es hier haben, aber druͤben in dem 
freien Amerifka — — —“ 
„Du willst auswandern?“ fragte das Mädchen er— 
schrocken. — 
„Ja, und noch weiter, bis nach Mexiko und Califor— 
nien hinein. Was kann ich hier werden? Hier muß ich 
mein Lebtag ein armer Bergmann bleiben, dort kann ich 
im Nu selbst ein Bergwerk haben oder doch wenigsteus so 
VBiel verdienen in einem Monat wie hier in zehn Jahren 
nicht. Du solltest das Buch nur einmal lesen, es ist ganz 
erstaunlich. Gold und Silber liegt dort faft so, daß man 
es nur aufzuheben braucht — — und Beamte! — — 
Pah! Dort ist jeder sein eigner Herr, dort ist der gemeine 
Mann Alles, und die Frauenzimmer, hab' ich mir sagen 
lassen, haben es dort noch am Allerbesten.“
	        
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