Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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breitung der Cholera. — Die Einschleppung der 
Cholera überhaupt irgendwo völlig zu verhüten, dürfte bei 
der heutigen Lebhaftigkeit des Verkehrs nicht wohl mehr 
möglich sein. Jedoch gebietet die Vorsicht, daß man den 
Gegenständen, welche am Leichtesten zur Verbreitung der 
Cholera dienen, eine ganz besondere Beachtung zuwendet. 
Und dies muß vor Allem hinsichtlich der menschlichen Ex— 
cremente geschehen. 
Die menschlichen Auskeerungen, welche den Cholera— 
keim enthalten, können durch chemische Mittel so umge— 
wandelt werden, daß sie ihre schädliche Wirkung verlieren. 
Dieses Verfahren nennt man Desinfection, d. h. Be— 
freiung von der Ansteckungskraft. 
Da nun die Abtritte, die Dünggruben, Canäle, Gossen 
u. s. w. der Entwicklung und Ausbreitung der Cholera am 
Meisten Vorschub leisten, so muß für die Desinfection der— 
selben aufs Ernsteste gesorgt werden. Zu diesem Behufe 
diezt der Eisenvitriol, welcher in folgender Weise angewandt 
wird: 
Ein Pfund Eisenvitriol wird in etwa 4 Eimer Wasser 
aufgelöst und diese Flüssigkeit dann, nachdem vorher die 
Abtritte und die Unrachskanäle mit einer hinreichenden 
Menge Wassers sorgfältig gereinigt worden, in den Abtritt 
oder auf den Düngerhaufen geschuͤttet. Dies Verfahren ist 
täglich zu wiederholen, und ist es selbstverständlich, daß 
dort, wo der Abtritt stärker benntzt wird, das Doppelte und 
auch Mehrfache der angegebenen Menge angewendet wer— 
den muß. 
In gleicher Weise wie Eisenvitriol wirken auch Chlor— 
kalk und noch kräftiger Carbolsäure. Am Besten ist es, 
wenn man zu der angegebenen Eisenvitriollösung noch etwas 
Carbolsäure hinzuthut. 
Die Desinfektion ist aber nicht nur erst dann vorzu— 
nehmen, wenn schon Cholera-Ertrankungen am Orte vor— 
gekommen sind, sondern allsogleich, wenn irgendwo, auch an 
einem entfernteren Punkte des Landes, die Seuche sich ge— 
zeigt hat, und auch solange aufs Genaueste durchzuführen, 
bis die Cholera im Lande erloschen und keine Einschleppung 
derselben mehr zu befürchten ist. 
Im Allgemeinen thut Jeder, der nicht durch seine 
Wohnungs-Verhältnisse dazu genöthigt ist, sehr wohl, wenn 
er zur Cholerazeit den Abtritt eines Anderen meidet, und 
auch den seinigen von keinem Anderen gebrauchen läßt. 
Ebenso wie die Desinfektion der Abtritte, ist es auch 
rathsam, alle verdächtigen Kleidungsstücke, Betten u. s. w., 
die aus Cholera-Orten kommen, gehörig zu durchlüften und 
mit Chlorkalk oder Carbolsäure zu durchräuchern. 
3. Verhalten bei Annäherung und während 
der Dauer einer Choleraepidemie. Die Cholera 
bricht fast niemals ohne vorangegangene deutliche Vorboten 
aus. Wer diese bei Zeiten beachtet und sogleich ärztliche 
Hilfe nachsucht, bleibt fast ausnahmslos von der Weiter— 
entwicklung und dem Ausbruche der eigentlichen Krankheit 
verschont. Wer sie dagegen unbeachtet läßt, namentlich die 
der Krankheit fast stets vorangehende Diarrhö (Durchfall) 
vernachlässigt, ist der Cholera in bedenklicher Weise aus— 
gesetzt. Da nun aber dieser Durchfall sich me st leicht 
und in kurzer Zeit heben läßt, so folgt daraus, daß man 
sich vor der Cholera leichter schützen kann, als vor anderen 
Krankheiten, die ohne solche Vorboten auftreten. 
Wie soll man nun bei drohender Gefahr der Cholera, 
oder während dieselbe schon in der Nähe ausgebrochen ist, 
seine Lebensweise einrichten und sich verhalten? Diese Frage 
ist der Hauptsache nach in wenigen Worten zu beantworten: 
Wer überhaupt regelmäßig und vernünftig lebt mit Be— 
iehung auf Nahrung, Trinkwasser, andere Getränke, Kleid— 
ing, Wohunung, Baden, Arveiten, Bewegung, Ruhe ꝛc., 
soll keine Aenderung eintreten dassen; wer aber in diesen 
Beziehungen ein unregelmäßiges Leben führt, soll dieses in 
ein regelmäßiges umgestalten. 
Im Einzelnen mag noch Folgendes besonders empfohlen 
werden: 
a. Man sorge für thunlichste Reinhaltung der 
Wohnung, des Körpers, der Leib- und Bett— 
wäsche, der Kleidungsstücke und Zimmergeräthe. 
Es müssen demnach alle übelriechenden Stoffe sowohl aus 
den Wohnungen, als aus der Nähe derseiben entfernt wer— 
den, der Körper täglich mit frischem Wasser gewaschen, die 
schmutzige Leib- und Bettwäsche öfter mit reiner vertauscht, 
die Kleidungstücke rein gehalten und oft gelüftet werden. 
Alle Wohnungen sollen während der Cho— 
lerazeit besonders gut und ununterbrochen ge— 
küftet werden. Es darf Niemand glanben, daß die 
eingeschlossene Zimmerluft gesünder sei, als die Luft auf 
der Stiraße. Im Gegentheil schadet sogar Durchzug weit 
weniger, als dumpfe abgeschlossene Luft. 
Auch ist es rathsam, zuweilen Räucherungen mit Wach— 
holderholz oͤder auf glühendes Eisen gegossenem Essig vor— 
zunehmen. 
Vorzüglich im Ange zu halten sind neben den Ab— 
tritten auch die Ausgüsse fuͤr Spülwasser, die Behälter für 
Kehricht und Küchenabfälle nud die Orte zur Aufbewahrung 
zebrauchter Wäsche. Es muß auf die baldigste Entfernung 
aller Abfälle des Haushalts gesehen werden. Wahre Heerde 
der Ansteckungsstoffe sind die Kammern, Körbe oder Kästen, 
in welchen die schmutzige, gebrauchte Wäsche aufbewahrt 
wird. Während der Dauer der Cholera sollte man stets 
alle abgelegte schmutzige Wäsche sofort in scharfe Seifen— 
tiederlauge legen, einige Stunden sie darin, lassen und dann 
in Bruunenwasser ausspülen; kann ihre Reinigung nicht 
gleich vollendet werden, so troͤcknet man sie einstweilen und 
bewahrt sie bis später trocken auf. 
Was die Reinlichkeit des Körpers anlangt, so ist nicht 
nur gründliches Waschen mit Wasser und Seife, sondern 
auch fleißiges Wechseln der Wäsche zu empfehlen. 
b. Die Nahrung sei zwar mäßig, aber genug, kräftig 
und leicht verdaulich. Suppe, Fleisch, Brod, leichte Mehl— 
speisen oder junge, abgetochte Gemüse sind die besten 
Nahruugsmittel. Dagegen hüte man sich vor schwerver— 
daulichen, fetten oder gar verdorbenen Speisen, vor un— 
reifem Obst, Gurken, Melonen und dgl., wie überhaupt vor 
all solchen Getränken, auf welche erfahrungsgemäß leicht 
Durchfall erfolgt. Anch vor dem Trinken von Wasser aus 
olchen Brunnen, die fich in der Nähe von Sentgruben 
oder Abtritten befinden, hat man sich in Acht zu nehmen. 
Reines Trinkwasser ist als ein Universalmittel gegen Cho— 
era (wie auch gegen Typhus) zu betrachten. Der mäßige 
Bennß von gutem Wein, namentlich Rothwein, und 
zutem, nicht saurem Bier ist unschädlich. Man hüte sich 
ber vor jedem Uebermaß sowohl im Essen als im Trinken, 
vor nächtlichem Schwärmen und sonstiger Ausschweifung, 
da diese durch das Schwächen des Koörpers den Ausbruch 
der Cholera in hohem Maße begünstigen. 
c. Man sorge für eine zweckmäßige Bekleidung, welche 
den Körper vor Erkältung am Besten schützt. Der Unter— 
leib und' die Füße sind namentlich warm zu halten, und 
leisten Leibbinden von Flanell und wollene Strümpfe sehr 
gute Dieuste. Man seße sich nicht der kühlen Nachtluft 
aus, ohne sich dabei zu bewegen, vermeide nasse Fußböden 
und setze sich nicht auf kalte Steine, feuchten Rasen und dal.
	        
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