Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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lich Verwendung zur Sodafabrikation und in sonstigenche— 
mischen Fabriken. — Der als Düngematerial für die Land— 
wirthschaft verwerthete Phosphorit ist erst innerhalb des 
letzten Jahrzehnts entdeckt worden. Seine Gewinnung ge— 
schieht meist noch durch Abraumsarbeit, beschäftigt indessen 
gegenwärtig bereits über 900 Arbeiter und liefert jährlich 
auf 50 Gruben über * Millionen CEtr. im Werthe von 
280,000 Thlr. — 
Endlich ist auch noch des nassau'schen Dachschieferberg— 
baues zu gedenken, der hauptsächlich bei Caub am Rhein 
und an der untern Lahn betrieben wird. Mit etwa 900 
Arbeitern producirt derselbe jährlich Schiefer und Platten 
im Werthe von 130— 140,000 Thlr. 
Vom Sparen. III. 
Eine bäuerliche Sparkasse. — Als im Jahre 
1806 das schwere Unglück über Preußens Herrscher und 
Volk gekommen war, erschien eines Tages der Bauer Abra— 
ham Nickel aus der Weichselniederung mit seiner Frau 
vor unserm Königspaare, dem Könige Friedrich Wilhelm III. 
und der Königin Louise. Nickel gehörte, wie noch 
mancher andere brave Mann in seiner Heimath, zu der 
Religionssekte der Mennoniten, die sich besonders auch da— 
durch von anderen Christenleuten unterscheiden, daß sie vor 
keinem Menschen das Haupt entblößen und Jeden mit Du“ 
anreden. — So trat nun auch Nickel mit bedecktem Haupte 
vor seinen König und sprach Du“ zu ihm. 
Er sprach aber also: „Gnädiger Herr König! Deine 
treuen mennonitischen Unterthanen in Preußen haben mit 
Schmerz erfahren, wie groß die Noth ist, die Gott über 
Dich verhängt hat. Deßhalb sind wir in unserer Gemeinde 
zusammengetreten und haben für Dich, ein Jeder eine 
Kleinigkeit, zusammengelegt. Nun bin ich gekommen, um 
Dich, unsern lieben Koͤnig, zu bitten, Du wollest die Gabe 
aus treuem Herzen annehmen. Wir aber wollen nicht auf— 
hören, für Dich zu beten!“ 
Und mit diesen Worten überreichte er dem Könige 
dreitausend Stück Friedrichsd'or. 
Zugleich aber trat die Frau Nickel zur Königin und bat 
sie, die frische Butter anzunehmen, die sie aus ihrer Wirth— 
schaft mitgebracht hatte. 
Der Königin kamen die Thränen in die Augen. Sie 
reichte der Bauersfrau ihre Hand und hängte ihr zum 
Gegengeschenk das Tuch um, das sie selbst getragen hatte. 
Der König verbarg indessen seine Rührung, nahm ein 
Blatt Papier und schrieb darauf: 
„Mit Dank habe ich die Gabe meiner treuen menno— 
nitischen Unterthanen in Preußen, Dreitausend Stück Fried⸗ 
richsd'or, empfangen und sehe darin ein Darlehen, das 
sie von gutem Herzen mir anbieten. In besserer, glück— 
ilicherer Zeit, so Gott sie mir bescheert, werde ich es mit 
Zinsen abtragen. Der Herr segne meine treuen menno— 
nitischen Unterthanen!“ 
Und darunter schrieb der König seinen Namen. 
Das Papier gab er dem Abraham Nickel, der darauf 
mit seiner Frau wieder nach Hause ging. Sie sprachen: 
„Der gnädige Gott möge unserm guten Könige und unserer 
lieben Königin wieder bessere Tage schenken, nicht, daß wir 
das Geld wieder bekommen, sondern, daß sie nicht mehr 
zu weinen brauchen über ihres Volkes Unglück!“ 
Ein sparsamer Knabe. — Am Hofe Friedrichs 
des Großen lebte ein Edelknabe, der später ein berühmter 
Feldherr wurde. Derselbe that öfters für die andern Edel— 
knaben Nachtwachen; und warum? Um das- Geld, das er 
dafür erhielt, für seine arme Mutter zusammen zu sparen. 
Einst konnte der König nicht schlafen. Er kungelte 
nach dem wachehabenden Edelknaben, der ihm ein Buch 
bringen sollte. Er klingelte mehrmals aber vergebens. 
Endlich stand er auf, um selbst hinzugehen. Da fand er 
den Pagen im Vorzimmer über einem halbvollendeten Briefe 
eingeschlafen. Der König las: 
„Das ist nun schon die dritte Nacht, daß ich für 
Geld die Wache habe. Ich kann's beinahe nicht mehr aus— 
halten. Indessen freue ich mich doch, daß ich nun wieder 
zehn Thaler für dich, liebe Mutter, erspart habe, und diese 
schicke ich Dir hiermit.“ 
Der König ließ den Knaben schlafen, holte selbst das 
Buch und steckle dem Schläfer noch in jede Rocktasche eine 
Rolle mit Goldstücken. Am andern Morgen war der Page 
nicht wenig erschrocken, als er das Geld in seiner Tasche 
fand und den Zusammenhang errieth. Fußfällig bat er 
den König um Verzeihung und dankte ihm für das gnädige 
Geschenk. Der König aber lobte seine kindliche Liebe, ver— 
lieh ihm bald darauf eine Offiziersstelle und hob ihn von 
einer Ehrenstufe zur andern, weil aus dem guten Sohne 
und sparsamen Knaben auch ein braver Soldat wurde. 
Sprüchwörter vom Sparen. 
Spare was, so hast du was! — 
Mein Sprüchlein heißt: Auf Gott vertrau', arbeite 
brav und leb' genau! — 
Spare bei Zeiten, so hast du in Nöthen! — 
Junges Blut, spar' dein Gut; Armuth im Alter wehe 
thut! — 
Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Thalers nicht 
werth! — 
Wer sich ehrlich will ernähren, muß viel flicken, 
wenig zehren! — 
Ein Sommersonntag im Thiergarten 
zu Berlin. 
Sehr viele Leute, die noch nicht Lust, Zeit und Geld 
hatten, die Residenz unseres Kaisers und Königs zu besuchen, 
ziehen aus dem Namen „Thiergarten“ den Schluß, daß dies 
ein Tummelplatz fremdländischer Thiere sein müsse. Dies 
ist er nicht. Außer einer größeren Menge einheimischer 
Vögel lebt nur noch ein größeres Thier in bedeutenderer 
Zahl unter seinem schützenden Grün, das Eichkätzchen. Sei— 
nen Namen verdankt der Thiergarten älterer Zeit. Zur Zeit 
der Kurfürsten von Brandenburg war er das, was sein Name 
besagt, ein Thierpark, worin die Fürsten der Jagd pflegten. 
Damals breitete er sich auch noch bedeutend weiter aus, 
als es heute der Fall ist; die ganze Friedrichs- und 
Dorotheenstadt mit der prachtvollen Straße „Unter den 
Linden“ und den angrenzenden, die Geschäftswelt in sich 
hergenden Straßen sind auf seinem Grund und Boden ent— 
standen. Des Thiergartens alte Bestimmung gab Friedrich 
der Große auf; er begann damit, ihn in einen Park umzu— 
wandeln, welches Werk namentlich unter Friedrich Wilhelm II. 
gefördert wurde. Und so sehen wir ihn jetzt als den 
gesuchtesten Aufenthalts- und Erholungsort der Bewohner 
Berlins, als einen von vielen schönen Wegen durchzogenen, 
mit einzelnen kleineren Garten-Anlagen geschmückten, mehrere 
Denkmaͤler in sich bergenden Wald starkstämmiger Bäume. 
Im Thiergarten hört während der Sommermonate der 
Verkehr eigentlich nicht auf; er zeigt sich nur zu einzelnen 
Tageszeiten reger belebt, als zu andern und er gewährt so— 
nit zu verschiedenen Zeiten verschiedene Bilder.
	        
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