Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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schen lieben könnte, so hätte sie sich wohl nicht gewundert. 
So oft sie aber jetzt unter der Thüre saß, und es ging 
ein Bettelmann vorüber, und zog den Hut und hub an 
seinen Spruch, so drückte sie die Augen zu, das Elend nicht 
zu schauen, sie ballte die Hand fester, damit fie nicht un— 
willkürlich in die Tasche fahre, ein Kreuzerlein herauszu— 
langen. So kam es, daß die schöne Lisbeth im ganzen 
Wald verschrieen wurde, und es hieß, sie sei noch geiziger 
als Peter Munk. Aber eines Tages saß Fran Lisbeth wie— 
der vor dem Haus und spann und murmelte ein Liedchen 
dazu; denn sie war munter, weil es schön Wetter und Herr 
Peter, ausgeritten war über Feld. Da kömmt ein altes 
Männlein des Weges daher, und sie hört ihn schon von 
Weitem keuchen. Theilnehmend sieht ihm Frau Lisbeth zu 
und denkt, einem so alten kleinen Mann sollte man nicht 
mehr so schwer aufladen. J 
Indeß keucht und wankt das Männlein heran, und als 
es gegenüber von Frau Lisbeth war, brach es unter dem 
Sack beinahe zusammen. „Ach habt die Barmherzigkeit, 
Frau, und reichet mir nur einen Trunk Wasser,“ sprach 
das Männlein; „ich kann nicht weiter, muß elend verschmach— 
ten.“ — 
„Aber Ihr sollet in Eurem Alter nicht mehr so schwer 
tragen,“ sagte Frau Lisbeth. un 
„Ja, wenn ich nicht Boten gehen müßte, der Armuth 
— 
so eine reiche Frau, wie Ihr, weiß nicht, wie wehe Armuth 
thut, und wie wohl ein frischer Trunk bei solcher Hitze.“ 
Als sie dies hörte, eilte sie ins Haus, nahm einen Krug 
vom Gesims und füllte ihn mit Wasser; doch als sie zu— 
rückkehrte und nur noch wenige Schritte von ihm war, und 
das Männlein sah, wie es so elend und verkümmert auf 
dem Sack saß, da fühlte sie inniges Mitleid, bedachte, daß 
— 
serkrug bei Seite, nahm einen Becher und füllte ihn mit 
Wein, legte ein gutes Roggenbrod darauf und brachte es 
dem Alten. „So, und ein Schluck Wein mag euch besser 
frommen, als Wasser, da Ihr schon so gar alt seid,“ sprach 
sie; „aber trinket nicht so hastig und esset auch Brod dazu.“ 
Das Männlein sah sie staunend an, bis große Thränen 
in seinen alten Augen standen, er trank und sprach dann: 
„Ich bin alt geworden, aber ich hab' wenige Menschen ge— 
sehen, die so mitleidig wären, und ihre Gaben so schön und 
herzig zu spenden wußten, wie Ihr, Frau Lisbeth. Aber 
es wird Euch dafür auch recht wohl gehen auf Erden; solch 
ein Herz bleibt nicht unbelohnt. 
„Nein und den Lohn soll sie zur Stelle haben,“ schrie 
eine schreckliche Stimme, und als sie sich umsahen, war es 
Herr Peter mit blutrothem Gesicht. 
„Und sogar meinen Ehrenwein gießest Du aus an 
Bettelleute, und meinen Mundbecher gibst Du an die Lip— 
pen der Straßenläufer? Da nimm Deinen Lohn!“ Frau 
Lisbeth stürzte zu seinen Füßen und bat um Verzeihung, 
aber das steinerne Herz kannte kein Mitleid, er drehte die 
Peitsche um, die er in der Hand hielt, und schlug sie mit 
dem Handgriff von Ebenholz so heftig vor die schöne Stirne, 
daß sie leblos dem alten Manne in die Arme sank. Als 
er dies sah, war es doch, als reuete ihn die That auf der 
Stelle; er bückte sich herab, um zu schauen, ob noch Leben 
in ihr sei, aber das Männlein sprach mit wohlbekannter 
Stimme: „Gieb Dir keine Mühe, Kohlenpeter; es war die 
schönste und lieblichste Blume im Schwarzwald, aber Du 
hast sie zertreten, und nie mehr wird sie wieder blühen.“ 
Da wich alles Blut aus Peters Wangen und er sprach: 
„Also Ihr seid es, Herr Schatzhauser? Nun, was geschehen 
ist, ist geschehen, und es hat wohl so kommen müssen. Ich 
hoffe aber, Ihr werdet mich nicht bei dem Gericht anzeigen 
als Mörder.“ 
„Elender!“ erwiderte das Glasmännlein. „Was würde 
es mir frommen, wenn ich Deine sterbliche Hülle an den 
Galgen brächte? Nicht irdische Gerichte sind es, die Du zu 
fürchten hast, sondern andere und strengere; denn du häst 
Deine Seele an den Bösen verkauft.“ 
„uUnd hab' ich mein Herz verkauft,“ schrie Peter, „so 
ist Niemand daran schuld, als Du, und Deine betrügerischen 
Schätze; Du tückischer Geist hast mich ins Verderben ge— 
führt, mich getrieben, daß ich bei einem Andern Hilfe suchte, 
und auf Dir liegt die ganze Verantwortung.“ Aber kaum 
hatte er dieß gesagt, so wuchs und schwoll das Glasmänn— 
lein und wurde hoch und breit, und seine Augen sollen so 
groß gewesen sein, wie Suppenteller, und sein Mund waͤr 
wie ein geheizter Backofen und Flammen blitzten daraus 
hervor. Peter warf sich auf die Knie, und sein steinernes 
Herz schützte ihn nicht, daß nicht seine Glieder zitterten, wie 
eine Espe. Mit Geierskrallen packte ihn der Waldgeist im 
Nacken, drehte ihn um wie ein Wirbelwind dürres Laub, 
und warf ihn daun zu Boden, daß ihm alle Rippen knack— 
ten. „Erdenwurm!“ rief er mit einer Stimme, die wie 
der Donner rollte; „ich könnte Dich zerschmettern, wenn ich 
wollte, denn Du hast gegen den Herrn des Waldes ge⸗ 
frevelt. Aber um dieses dodten Welbes willen, die mich ge— 
peist und getränkt hat, gebe ich Dir acht Tage Frist. Be— 
kehrst Du Dich nicht zumn Guten, so komme ich und zer— 
malme Dein Gebein, und du fährst hin in Deinen Sun— 
den.“ 
(Forts etzung folgt.) 
Allerlei. 
Ein Jude, der zum Tode verurtheilt war, hatte ver— 
iommen, daß der für ihn bestimmte Galgen, den man schon 
—D——— 
Rässe ziemlich morsch geworden sei. Er bat daher, daß man 
hm einen neuen machen lasse. Man forschte erstaunt um 
die Ursache dieser sonderbaren Bitte, und er entgegnete: 
„Weih geschrien, es doch künn än Unglück gescheihe, wenn 
der morsche Galgen mit mir zusammensterzt, künne joh leicht 
Hals und Bain brechen.“ 
Raͤthfel. 
Ich bin klein, doch ich vollbringe, 
Gut regiert, auch große Dinge; 
Ich bin spitz, drum stech' ich gern, 
Herrn und Herrin räch' ich gern; 
Kann zu Tode selbst verwunden, 
Ist zu einen, was getrennt, 
Mein Beruf und Element. 
Auflösung folgt in nächster Nummer.) 
Marktpreise am 19. Juli 1873. 
Lentner Kartoffeln 
Pfund Butter 
Duend Fiec 
zu St. Jobhann. 
p 
15 — 
13 
4 
Drucker und Verleger: Gebruder 807 er in SeAcken. Erpediin der Sgarbrucker JZeitung.
	        
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