Full text: Der Bergmannsfreund (3)

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aus dem Wasser empor, nach einiger Zeit ein zweiter und 
dritter. Ich sragte den Mann, was das zu bedeuten hätte 
und erhielt zur Antwort, gestern sei einer hier gewesen, der 
habe die ganze Ruhr vergiftet, er meinte damit das Schießen 
mit Dynamit. Jener Ausdruck war in der That nicht übel 
gewählt. Denn als ich mir hernach einen Kahn lieh und 
der Stelle zufuhr, wo die Fische auftauchten, sah ich auf 
dem Grunde einen Fleck von mehreren Quadratruthen groß 
dicht mit todten Fischen bedeckt, die dann, je nachdem die 
Verwesung fortschritt, an die Oberfläche kamen. Mit einer 
Fischgabel (Gerte), die ich mir geliehen, konnte ich, ohne 
sange zu zielen, einen Fisch nach dem andern aus dem 
dichlen Haufen unten am Boden heraufholen. Dieselben 
waren erst Tags zuvor geschossen und doch fielen sie schon 
bei der Berührung mit der Luft auseinander. Ueberhaupt 
sollen alle auf diese Art gefangenen Fische so stark verletz! 
werden, daß sie beinahe völlig unbrauchbar sind. Rechnet 
man dazu noch, daß vielleicht nur der fünfte Theil der so 
getödteten Thiere an die Oberfläche kommt, während die 
aündern auf dem Grunde liegen bleiben und verfaulen, dann 
muß man doch sagen, das ist gar kein Fischfang mehr, son— 
dern nur noch die rohe Lust am Zerstören. Es sollen hier 
schon 3 bis 400 Pfund Fische nach einem einzigen Schusse 
au die Oberfläche gekommen und gefangen sein, gar nicht 
gerechnet die groͤße Masse der jungen Brut, die auf diese 
Weise völlig zu Grunde geht. — 
Ein anderes Mal, so erzählt uns derselbe Gewährs— 
mann, traf ich an der Ruhr einen Herrn aus Hörde, der 
grade mit Dynamitpatronen schießen wollte. Da der Be— 
sitzer der Fischerei seine Einwilligung nicht geben wollte, 
so gingen wir nach einem benachbarten Spiken, der einem 
andern gehörte. Ehe wir hinkamen, entstand ein Gewitter 
mit einem heftigen Sturme, so daß wir von unserm Vor—⸗ 
haben abstehen mußten. Um uns nun die Wirkung des 
Dynamits zu zeigen, befahl der genannte Herr seinem Be— 
gleiter, einem Bergmann, den er eigens zu diesem Zwecke 
mitgenommen hatte, eine Patrone in den flachen Wasser⸗ 
tümpel zu werfen, der gerade in der Nähe war. Die 
Wirkung war eine furchtbare. Das Wasser des Tümpels 
erhob sich zu einer Höhe von 60 bis 80 Fuß, alles Schilf 
und die großen Blätter der Wasserpflanzen wurden empor— 
gerissen und hernach vom Sturm noch eine Zeitlang in der 
Luft umhergetrieben. Das Wasser muß deshalb so hoch 
emporgeschleudert worden sein, weil es flach war und die 
Kraft des Dynamits also bloß nach oben wirken konnte. 
An diesen beiden Beispielen wird man hinreichend die 
verheerenden Wirkungen dieses frevelhaften Spieles abnehmen 
können. Und es vergeht hier fast kein Sountag, wo nicht 
eine Menge von Bummlern aus den umliegenden Städten 
an der Ruhr sich einfindet, um sich ein solches Sonntags⸗ 
vergnügen zu machen. Die Dynamitpatronen sind ja überall 
zu haben; wenn man sie nirgends anders bekommen kann, 
dann finden sich Bergleute genug, die für Geld und gute 
Worte welche ablassen. 
Während man vor 10 Jahren noch fast jede Woche 
ein Gericht guter Ruhrfische auf dem Tische haben konnte, 
gehört jetzt ein solches Gericht zu den Seltenheiten. 
Während früher mancher arme Mann, dem das Fleisch zu 
theuer war, sich an einer Schüssel voll selbstgefangener Fische 
etwas zu Gute thun konnte, ist diese Nahrungsquelle fast 
gänzlich versiegt. Während man aller Orten die Fischerei 
durch Anschaffung junger, auf künstlichem Wege gezüchteter 
Brut zu heben sucht, da zerstört man hier den Fischfang 
mit Dynamit. 
Das einzige, was da helfen könnte, wären verschärfte 
Strafen, die solchem Frevel am ehesten ein Ende machen 
fönnten. Das jetzige Strafmaß ist viel zu gering, um die 
Leute wirksam abzuschrecken. 
Was hier von der Ruhr gesagt ist, gilt leider auch für 
die Saarbrücker Gegend. Der Sulzbach, die Blies, Prims 
und selbst die Saar können ein gleiches Klagelied singen. 
Trotz mehrfacher großer Unglücke, welche die Dynamit— 
iischer als eine gerechte Strafe betroffen, hört der Unfug 
doch nicht auf. Erfreulich ist es jedoch, daß die Erkennt— 
niß von dem Frevelhaften des Dynamitfischens wenigstens 
unter dem bessern und vernünftigern Theile unserer Berg— 
leute allmählig sich Bahn zu brechen beginnt. Die Be— 
zeichnung „Dynamitfischer“ ist bereits hin und wieder ein 
entehrender Schimpfname geworden. Möchte jeder recht— 
schaffene Mann mithelfen, soweit es in seinen Kräften liegt, 
dem unsinnigen und gefährlichen Frevel zu steuern! 
Das kalte Herz. 
Ein Märchen von Wilhelm Hauff. 
(Fortsetzung.) 
Indessen grüßte der reiche Peter die Gäste am Fenster 
vornehm und gravitätisch, stieg vom Wagen und schrie: „Son— 
nenwirth, guten Abend, ist der dicke Ezechiel schon da?“ Und 
eine tiefe Stimme rief: „Nur herein Peter! Dein Platz ist Dir 
aufbebalten, wir sind schon da und bei den Karten.“ So trat 
Peter Munk in die Wirthsstube, fuhr gleich in die Tasche 
und merkte, daß Ezechiel gut versehen sein müsse, denn seine 
Tasche war bis oben angefüllt. 
Er setzte sich hinter den Tisch zu den Andern, und 
spielte und gewann und verlor hin und her, und so spielten 
sie, bis andere ehrliche Leute, als es Abend wurde, nach 
Hause gingen, und spielten bei Licht, bis zwei andere Spie— 
ser sagten: „Jetzt ist's genug, und wir müssen heim zu Frau 
und Kind.“ Aber Spielpeter forderte den dicken Ezechiel 
auf, zu bleiben. Dieser wollte lange nicht, endlich aber rief 
er: Gut, jetzt will ich mein Geld zählen, und dann wollen 
wir knöcheln, den Satz um fünf Gulden, denn niederer ist 
es doch nur Kinderspiel.“ Er zog den Beutel und zählte, 
und fand hundert Gulden baar, und Spielpeter wußte nun, 
wie viel er selbst habe, und brauchte es nicht erst zu zählen. 
Aber hatte Ezechiel vorher gewonnen, so verlor er jetzt Satz 
für Satz und fluchte gräulich dabei. Warf er einen Pasch, 
gleich warf Spielpeter auch einen, und immer zwei Augen 
jöher. Da setzte er endlich die letzten fünf Gulden auf den 
Tisch und rief: „Noch ein Mal, und wenn ich auch den 
noch verliere, so höre ich doch nicht auf, dann leihst Du 
mir von Deinem Gewinn, Peter, ein ehrlicher Kerl hilft 
dem andern!“ 
„So viel Du willst und wenn es hundert Gulden sein 
sollten,“ sprach der Tanzkaiser, fröhlich über seinen Gewinn, 
und der dicke Ezechiel schüttelte die Würfel und warf fünf— 
zehn. „Pasch!“ rief er, „jetzt wollen wir sehen!“ Peter 
aber warf achtzehn, und eine heisere bekannte Stimme hinter 
ihm sprach: „So, das war der letzte.“ 
Er sah sich um, und riesengroß stand der Holländer 
Michel hinter ihm. Erschrocken ließ er das Geld fallen, 
das er schon eingezogen hatte. Aber der dicke Ezechiel sah 
den Waldmann nicht, sondern verlangte, der Spielpeter solle 
ihm zehn Gulden vorstrecken zum Spiel. Halb im Traum 
führ dieser mit der Hand in die Tasche, aber auch da fand 
sich nichts, er kehrte den Rock um, aber es fiel kein rother 
Heller heraus, und jetzt erst gedachte er seines eigenen ersten
	        
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