Full text: Der Bergmannsfreund (3)

110 
Ursprung und Entwicklung des Bergbaues. 
XXXI. 
Das mittelrheinische Gebiet, mit den Nebenflüssen 
Nahe und Mosel auf der linken, Main, Lahn und Sieg 
auf der rechten Rheinseite, ist an nutzbaren Mineralvor— 
kommnissen äußerst reich und hatte daher schon seit den 
frühesten Zeiten an den verschiedensten Punkten einen sehr 
lebhaften und mannigfaltigen Erzbergbau aufzuweisen. 
In der Nahe-Gegend hat lange Zeit der Queck— 
silbererz Vergbau bei Obermoschel und Landsberg 
in den ehemals herzoglich zweibrückenschen Landen (bairische 
Rheinpfalz) einige Berühmtheit gehabt. Derselbe begann 
in der Mitte des 15. Jahrhunderts und stand noch während 
des ganzen vorigen Jahrhunderts in großer Blüthe. Aus 
den gewonnenen Queccksilbererzen (Zinnober) wurde an Ort 
und Stelle in besondern Hütten das metallische Quecksilber 
dargestellt. In ältern Zeiten soll allein die Grube „Erz— 
engel“ am Stahlberge jährlich 9000 Pfund Quecksilber ge— 
liefert haben. Alle zweibrückenschen Gruben zusammenge— 
nommen ergaben im Jahre 1765 im Ganzen 48,000 Pfund 
Quecksilber, nahmen aber nachher von Jahr zu Jahr immer 
mehr ab und sind dann gegen Mitte des gegenwärtigen 
Jahrhunderts als nicht mehr bauwürdig ganz außer Be— 
trieb gesetzt. 
Am Hunnsrücken ward im Mittelalter viel Gold 
gewaschen und das Dorf Guldenbach erhielt schon in alter 
Zeit davon seinen Namen. Bei Stromberg gab es Blei⸗, 
Silber- und Eisenerzgruben, reiche Kupfererzgruben waren 
vom 16. Jahrhunderte an in der Grafschaft Sponheim bei 
Herstein an der Mosel, sowie in der Nähe der Städte 
Trarbach und Bernkastel sehr ergiebige Bleierzgruben 
in Betrieb, deren silberhaltige Bleierze wegen ihres großen 
Reichthums als „gediegen Blei“ bezeichnet wurden. Ein 
Theil dieser alten Gruben wird noch gegenwärtig bebaut, 
umfangreichere Blei- und Zinkerzbergwerke sind indessen in 
neuerer Zeit bei Zell an der Mosel entstanden. — Ein 
ebenfalls seit etwa dem 16. Jahrhunderte bestehendes Blei— 
erzbergwerk bei St. Goar a. Rhein beschäftigt gegen— 
waͤrtig gegen 300 Arbeiter und liefert jährlich 10— 12,000 
Ctr. Bleierze und 20,000 Ctr. Zinkerze. 
In dem noch zum Flußgebiete der Mosel gehörigen 
Theile der Eifel waren zu Anfang des 16. Jahrhunderts 
die sehr alten Silberbergwerke bei der Stadt Mayen in 
flottem Betrieb, wurden aber später durch die Ungeschicklich— 
keit der sie betreibenden Bauern sehr verwahrlost und kamen 
in Abgang; in neuerer Zeit wieder aufgenommen, liefert 
die Grube Silbersand reichhaltige Blei- und Zinkerze. — 
Von größerer Bedeutung ist das Blei- und Kupfererzberg— 
werk zu Bleialf im Kreise Prüm. Seine Geschichte geht 
bis in's 11. Jahrhundert zurück, und scheint auf demselben 
namentlich gegen Ende des 15. Jahrhunderts ein lebhafter 
Bau stattgefunden zu haben. Der jetzige Betrieb ist ein 
ziemlich umfangreicher mit mehrern Tiefbauschächten und 
sehr starken Dampfmaschinen versehen; bei einer Belegschaft 
von 600 Mann liefert er jährlich gegen 60.000 Etr. silber⸗ 
haltige Blei- und Kupfererze. 
Zu erwähnen bleiben an dieser Stelle auch noch die 
zahlreichen Dachschiefergruben auf dem Hunnsrücken und 
an der Mosel, sowie die altberühmten unterirdischen Lava— 
brüche in der Nähe von Mayen, Niedermendig und 
Brohl. Erstere beschäftigen gegenwärtig gegen 800 Ar— 
beiter und liefern jährlich Dachschiefer von 100,000 Thlr. 
an Werth. — Die Basaltlavabrüche von Mayen und Nie— 
dermendig im vulkanischen Gebiete des Laacher Sees, mit 
ihren weitbekannten vorzüglichen Mühlstein- und Haustein— 
producten, wurden bereits von den Römern betrieben; durch 
1200 Arbeiter werden aus ihnen jährlich Steine im Werthe 
von fast 200,000 Thlr. gewonnen. Die ausgehauenen 
unterirdischen Räumlichkeiten dienen bei ihrer kühlen, faft 
eisigen Temperatur und ihrer ausgezeichneten Standhaftig⸗ 
keit jetzt fast ausschließlich einer ausgedehnten Industrie als 
vortreffliche Bierkeller. — Gleichfalls bereits von den 
Römern ausgebeutet, geben die Ducksteinbrüche im Brohl- 
thale ein als Wasser-Veörtel höchst werthvolles Material, 
den Traß; es werden gegenwärtig daselbst jährlich von 
etwa 250 Arbeitern über 1 Million CEtr. Traßsteine im 
Werthe von 125,000 Thlr. gewonnen und finden nach allen 
Gegenden Deutschlands Absahz. 
Den Bergbau am Main besingt schon der Mönch 
Ottfried von Weißenburg in seinem 860 dem deutschen 
Könige Ludwig dem Frommen gewidmeten Evangelienbuche. 
Hiernach wurde schon zu dieser frühen Zeit am Maine 
Eisenstein, Silber und Gold gewonnen. Ueberhaupt scheint 
die obere Maingegend, das eigentliche Franken, den ältesten 
deutschen Bergmannsstamm gehabt zu haben. Nach alter 
Sage sind unter Kaiser Otto J. fraänkische Bergleute vom 
Main nach der Gegend von Goslar und dem Haͤrze gekom— 
men und haben den dortigen Bergbau zuerst begonnen. 
Wahrscheinlich hat ein Gleiches auch mit dem sächsischen Berg— 
bau stattgefunden, und ist die Markgrafschaft Meißen durch 
fränkische Bergleute vom Main und Rhein aus colonisirt 
worden. 
Auch noch in späteren Jahrhunderten wurde der Berg— 
bau in Franken sehr lebhaft betrieben. Kaiser Karl IV. be— 
stätigte 1363 das alte Fürstenrecht der Burggrafen zu 
Nürnberg auf alle Bergwerke in ihren Landen. In der 
Markgrafschaft Brandenburg-Culmbach, den Fürstenthümern 
Anspach und Baireuth wurde durch viele Jahrhunderte hin⸗ 
durch reiche Ausbente an Gold, Silber und Eisen gemacht. 
Die neuere Zeit hat in diesen Gegenden noch hin und 
wieder umfangreichen Bergbau auf Eisenerze aufzuweisen. 
Im Ganzen genommen ist aber die Eisen-Industrie, welche 
früher hier in hoher Blüthe stand, in Folge der Abnahme 
der Holzvorräthe stark zurückgegangen. 
Die Dynamitfischerei. 
Ueber dieses leider in den letzten Jahren so Ueberhand 
nehmende frevelhafte und rohe Unwesen schreibt die Essener 
Zeitung: 
In diesen Tagen hat sich wiederum ein Mann aus 
Hörde beim Fischen mit Dynamitpatronen die Hand zer— 
schmettert. Binnen Kurzem der dritte derartige Fall in 
hiesiger Gegend. Solche warnende Beispiele scheinen also 
nicht viel zu helfen. Diese gefährliche Art von Spaß findet 
noch immer ihre Liebhaber. Aber es wäre auch aus einem 
inderen Grunde an der Zeit, daß diesem frevelhaften 
Treiben — denn anders kann man es nicht nennen — ein 
Ziel gesetzt würde. Die Fischerei in hiesiger Gegend wird 
durch dieses Schießen mit Dynamitpatronen auf 
das Vollständigste ruinirt. 
Die Wirkungen desselben sind in der That verheerend 
genug unter den stummen Bewohnern unserer Flüsse. Hören 
wir, was ein Augenzeuge über diese Art des Fischfanges 
erzählt. Ich kam, so erzählt derselbe, vor einiger Zeit, als 
das Schießen mit Dynamitpatronen zuerst aufkam, in die Nähe 
der Ruhr und sah eine Zeitlang einem Manne zu, der auf 
dem jenseitigen Ufer Maipieren fing. Mit einem Male 
tauchte in der Mitte des Flusses ein großer sodter Fisch
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.