Full text: Nach der Schicht (48)

ummer 7 
„Nach der Schicht“ 
NUR EIN VIERTELSTÜNDCHEN 
Ein TVort über die religiöse Auffassung 
der Theologie des Protestantismus 
zänzlich verderbt habe. Die katho- 
ische Lehre sagt nur, daß unser 
Jerstand verdunkeit, unser Wille ge- 
schwächt und unsere Natur zum Bü- 
;en geneigt wurde, Für Luther war 
nun das entscheidende Problem, wie 
icer Mensch wieder Gegenstand des 
zöttlichen Wohlgefallens werden 
x«önne. Darum betonte er angesichls 
jer vollkommenen Unfähigkeit des 
Menschen die Allwirksamkeit Gottes 
iber Gebühr. In allen geistigen Din- 
jen müsse Gott alles allein tun. Da- 
‘um seien auch unsere guten Werke 
iberflüssig, Der Glaube allein sei 
ı1as güldene Gewand der Kindschaft 
zottes, Die Verfechter der dialekti- 
chen Theologie sagen nun weiter, 
ler Mensch habe nicht die Fähigkeit, 
Zunächst sei bemerkt, daß in der 
rotestantischen Theologie die Nei- 
ung allgemein besteht, statt der 
jotteslehre die Erlösungslehre, besser 
‚esagt, die Lehre von der Rechtfer- 
igung, in den Mittelpunkt der Glau- 
yjenslehre zu rücken und von da aus 
ien Gottesgedanken zu entwickeln, 
Jas ist nicht etwa nur ein Unter- 
chiea der Methode, sondern das 
ührt auch leicht dazu, das Heil der 
Menschen statt der Ehre Gottes an 
jie erste Stele zu setzen. Es ist da- 
nit auch eine Umgestaltung des 
3laubensbegriffes gegeben. Der 
3laube stützt sich nicht mehr auf 
jie Autorität der göttlichen Offen- 
rung, sondern findet seine Begrün- 
‚ung in dem persönlichen Heilserieb- 
ıs oder in den Bedürfnissen des sitt- 
ich-religiösen Lebens. Nicht die 
"age nach Gott, heißt es, sei die 
entrale Frage der Religion, sondern 
je Frage nach dem Menschen, Die 
Jottesidee ist zunächst nur die Hilfs- 
inic, die der Mensch zieht, um sich 
vin Dasein in der Welt verständlich 
u machen. Die anbetende Erhebung 
u Gott sei nur das Hilfsmittel, mit 
ıcm der Mensch im Kampf um seine 
Ixistenz sich überirdische Kräfte an- 
ugnen wolle, um seine egoistischen 
ınd selbstlosen, seine materiellen 
der ideellen Interessen aufrechtzu- 
"chalten, wo er seine eigene Kraft 
arschöpft sähe. Unverblümt ist es 
\usgesprochen von H. Spitta: „Ich 
NJaube an Gott, weil und insofern ich 
liesen Glauben brauche zu meinem 
Leben, Ich glaube an Gott um mei- 
jetwillen. nicht um Gottes willen.‘ 
Andere Vertreter der Theologie leh- 
ı1en diese Hinwendung zum Men- 
ichen als Veriırrung ab und verlan- 
zen cine theozentrische Richtung der 
[heologie. Es ist ja eine Verkennung 
icr eigenen Stellung, wenn der 
Mensch den letzten Grund und Zweck 
ler Religion in sich seiber sucht. Der 
Mensch darf ung soll in der Religion 
ein Heil suchen, ’aber Gott bleibt 
‚och der höchste Herr, der einen An- 
pruch darauf hat, in erster Linie um 
einer selbst willen verehrt zu wer- 
en. 
Die dialektische Theologie des Pro- 
»stantismus, die hier kurz gewür- 
igt werden soli. steht im Gegensatz 
urErlebnistheologie Schleiermachers, 
ir den Religion nur Sache des Ge- 
ühls ist, sie lehnt auch den Stand: 
unkt ab, daß Religion nur Gegen- 
land rein philosophischer Spekula- 
1on sei. Sie beschränkt die Religion 
uch nicht auf das rein Ethische oder 
Ioralische, sie teilt auch nicht die 
ufassung der religionsgeschicht- 
chen Schule, wonach Religion nur 
ine rein geschichtliche Größe sei. Sie 
ill die Reformationstheologie er- 
euern, und wobei sie sich an Ge- 
anken anlehnt, wie wir sie bei 
Zierkegaard, Dostojewski,Franz 
)verbeck und vor allem in Luthers 
neologia crueis (Theologie vom 
ireuz) und bei Calvins maiestas Dej 
Majestät Gottes) finden. Ihre Haupt- 
ertreter sind Bart h und Gogar- 
en. Hören wir nun zuerst, was Lu- 
ner und seine Anhänger lehrten. Sıe 
agen, Welt und Menschen seien 
urch die Erbsünde radikal verdor- 
en, unser Verstand sei so getrubt, 
aß er keine einzige Heilswahrheit 
rkennen könne, auch Nicht das Da- 
ein Gottes. Unser Wille sei derart 
ınfrei, daß wir nicht ein einziges 
utes Werk vollbringen könnten. 
iott allein wirke das Gute im Men- 
chen. Zur Rechtfertigung komme 
er Mensch durch den Glauben allein, 
as heißt: durch das Vertrauen auf 
hristus, Infolge dieses gläubigen 
'ertrauens würden dem Menschen 
je Verdienste Christi von Gott an- 
erechnet, ohne daß er innerlich ge- 
ccht werde, Der Angelpunkt der An- 
-=hauungen Luthers ist seine Auf- 
assung, daß der Sündenfall der 
tammeltern die menschliche Natur 
Der 
Heiland 
geht auch heute 
Iurch unsere Tage 
nd hılft und trö- 
‘et die Armen, die 
Verlaässenen und 
ıchtet sie wieder 
uf. Arm und ver- 
assen war auch die- 
er Mensch, der 
"rost und Vergessen 
n Alkohol suchte. 
‚uch ihm will der 
Adeiland helfen. 
such ihn wird seine 
allzeit helfende 
land wieder auf 
en rechten Weg 
Ahren. Der Hei- 
andgehtauch 
‚.eutdurchun- 
ere Tage und 
le, die guten Wil- 
#ns sind. können 
lurch seine ret- 
ende Hand Trost 
ınd Hilfe in ıhrem 
roßen Leid erfah- 
an. 
Zwiener-Inze!l 
ier Technik beglücken, ob sie es 
wollen oder nicht! 
Haben wir es nicht weit gebracht? 
Sinyt nicht die Entwicklung der Tech 
ı.Kk ein gewaltiges Loblied auf Wis- 
ENschaft und Findigkeit des Men- 
chengeistes? so ist es tatsächlich! 
Dabei aber ist die Technik zum 
3otzen der Gegenwart geworden. 
Mün betet diesen Götzen an, man 
dringt ihm Opfer, d.h., er holt sie 
uch selbst. 
Die Maschine rast £hne Sinn und 
/eistand duhin, auch ins Verderben 
unein und reißt den Menschen mit. 
Ja prallen zwei Züge aufeinander, 
zu Dutzenden werden die Menschen 
zerqueischt, verstummelt, zermaimt, 
Plugzeuge tragen Tod und Verderben 
ıber ganze Länder. löschen Städte 
aus, verbrennen nebenbei friedliche 
Zınwohner, Frauen, Greise und Kın- 
der. Ein andermal versagt die Ma- 
erie den ihr aufgezwungenen Dienst. 
Der Motor setzt aus, einige Dutzend 
Menschen liegen als Fleischfetzen 
inter den Metalltrümmern, Und wie- 
‘iel Unglück bringt der Untergang 
2ines Secdampfers? Aber das alles 
>t nur ein Kinderspiel, eine kleine, 
Zrausame Unterhaltung des Götzen 
Technik gegen die Opfer, die er erst 
"ordern wird, wenn die Atomkraft 
sich auswirkt — zum Toten natür- 
ich, zum Vernichten! Ihr Einsatz 
zu friedlichen Zwecken und zum 
NS der Menschheit eilt nicht so 
ehr. 
a wird dieses ‚Hohe Lied‘ der 
"echnik geradezu zum Fluch fur 
lie Menschheit, die ihrem Götzen 
hr Glück, ihr Leben, oft sogar ihre 
jeele geopfert hat. Der alte Gott 
ınd seine Religion sind entthront, 
ır ist zu altmodisch, zu unmodern, 
nan will duch (fortschrittlich sein, 
ınd so erstand in der herzlosen 
°echnik ein neuer Beherrscher der 
Velt. Die Menschen aber sind gte- 
vorden wie ihr neuer Gott: herzlos 
ınd lieblos. Darum läßt der AutcG- 
ahrer das überfahrene Opfer liegen 
ınd braust davon Es konnte Geld 
‚osten. Was ist ein Menschenlebeti 
vert? Nichts! Ein anderer wartet 
chon auf die Steile des Verun- 
AÜückten' Das Leben aber braust 
zeiter. brummt. brullt. donnert 
ast, als sei nichts geschehen. Es 
st ein Wettrennen mit dem Tode, 
Händeringend steht der hbesinn- 
iche Teil der Menschheit vor dieser 
inheilschwangeren Entwicklung uni 
ragt sich‘ „Muß das <o sein” 
Varum werden die Gebote des 
Jlerrn‘ »Liebe Gott., -hebe deimen 
Zachsten“, nıcht wieder ın ıhr Recht 
ingesetzt, damit ein hoherer Wıl.e 
‚aite als die Diktatur der Müute- 
je? Ja, warum” Die Menschen 
sollen es eben nicht und wer € 
rediet, wird verlacht totgeschren 
bertont vom maoderen Larm Vom 
4uchen, Donnern, Rasen 
Und so braust die Gegenwart xe- 
vissenlos und erbarmungsioe ans 
Alb tbereitete Grub — ohne Gott" 
Das weinende Kind 
Gestern ging ich durch die Stadt 
’jel Betrieb, viel Verkehr, viele 
Zenzschen. Ploötzlıch stand da cin 
Cind, das laut weinte. Der Ver- 
ehrsschutzmann nahm es aus der 
zefahr fort, und ich horte noch, 
‚iedas Kind sagte‘ „Meine Mutter! 
Darum also hat das Kind geweint 
veil es seine Mutter verloren hatte. 
die Mutter bedeutet für das Kind 
sicherheit, Geborgenheit, Zufrieden- 
‚jeit. Wenn sie fehlt. wird das Kind 
ınruhig und unsicher Es sucht und 
veint und wird erst wieder ruhig 
+ der Mutter 
Ist es im reisgiosen Leben n cht 
uch su” Sınd die Menschen, ‚die 
aıt der Relig.on und mut der Kıiche 
ebrochen haben, nıcht wie ırrende 
Zinder, die unruhig nach der Müt- 
or rufen?” Wenn sie die Unruhe auch 
erbergen, sıe kommt doch cinmal 
um Durchbruch. guür oft dann 
“enn sie „Cinen Zu viel getrunken 
uben‘‘, So erkiaren sıch de vielen 
leiigzi0Nsgesprache am Biertisch Die 
eclische Unruhe und Unsicherheit 
er ınnere Zwiespalt und das Un- 
wfriedigtsein drangen zur Aus- 
id 
Seite 99 
‚ein eıgene, Wesen, seine sittliche 
Aufgabe, seine ewige Bestimmung, 
as Dasein Gottes, die Tatsache der 
suttlichen Offenbarung, die Gottheit 
Christi usw. wissenercbnf 
sennen, er habe auch nicht die Fü- 
ıgkeit, Gott zu gehorchen, Sein Ver- 
yalten sei immer sündhaft, Darum 
vird auch die ganze Weit mit ihrer 
Kultur, Wissenschaft, Technik, Kunst. 
zesellschaft, Staat und Kirche für 
‚ertlos gehalten. Von der Welt führı 
:ein Weg zu Gott. Darum bleibt dem 
Aenschen nur eines: den Sprung in 
zott hinein in blindem Glauben zu 
vagen, aber auch dieser Sprung 
ange einzig von Gott ab, sei seine 
reie Tat. Gott allein sei der All- 
virkende Dr, Th. 
Und noch eınc andere merkwur- 
ge Erscheinung sel erwüuhnt. E- 
vanımt vor, daß ein Nıch'kathol:k 
‚um katholischen Glauben den Wo. 
andet, weil er sich von der Wahr- 
wit der kathol,schen Religion uber- 
wugt hat (Ausgenommen sind solche 
Menschen, die aus Licbesaffianren 
ter Polüschen Grunden köpwver- 
jeren, Hacp spielt nıcht die reh- 
Hasg Überzeugung mit. sondern €- 
ind ganz profane Umstande ‘ 
Haut man jemals zehort, dalbß ein 
Konverthit aus reitgumser Überzeu- 
ung uber seine Miüuhere Reagions- 
zsugehor.2keıt s«chumpfte oder uber 
eine fruhere Gidauben-gemenischaf” 
asterte? Nein er !reup sich seines 
Auckes be der Matter um ı6' 
ulrıeden und roh.x 
Umgekehr! erleben wir mianter 
len Falı, daß ein Katnanlık sei, von 
tor Kırche trennt Dann schimpft 
ind later, Or he Kırche Warum 
ut er das wohl” Er mullte sch 
loch freaen bat) er der kırch chen 
Teasel onironfen 1x1 W ars 
hm pft er abe? Nun, aus hr 
ve.ni die unıunı se Secle vor Henn 
ven nach der Mutter aber sie fy.- 
tet den Ruczweg nıcht Darum st 
;6e unbefriedie:r und sucht ınre Un- 
uhe durch Wernen abzureazs ren 
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‚Nach der SSchlicar” 
Pechärı 
‚aA
	        
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