Full text: Nach der Schicht (48)

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Ziel zahlreicher Pilger. So wie man 
na:h Spanien zum Grabe des hl. Ja- 
koous, nach Trier zum Grabe des hl. 
Matthias und nach Fulda des hl. Bo- 
ni atius noch heute wallfahrtet, so 
wurde das Grab des hl. Nikolaus all- 
jänrlich das Ziel frommer Pilger 
Nuch heute wird das Heiligenbild 
des Bischofs am 6. Dezember in 
feierlicher Prozession von den See- 
leuten ans Meer getragen und bei 
einbrechender Dunkelheit geleitet die 
Prozession unter Gesang mit Fak- 
keln Has Bild vom Meeresstrande 
zur Kirche 
Die Zeit der Kreuzzüge seit Ende 
des 11. Jahrhunderts wurde von gr0- 
Ber Bedeutung für die Verehrung 
des h! Nikolaus im Abendlande, Die 
Heere der Kreuzfahrer fuhren zum 
Heiligen Lande Auf ihrem Wege da- 
hin und zurück kamen sie auch nackt 
Bari und Konstantinopel, wu der hl 
Nikolaus ganz besonders verehr! 
wurde. Durch die Eroberung Kon- 
stantinopeis un vierten Kreuzzuge 
kamen auch noch andere Reliquien 
des Heiligen nach dem Abandlande 
So wurde dıe Nikolausverehrung 
auch nach den übrigen Ländern 
Furopas gebracht VUeberall wurde 
sein Name bekannt und dıe Mutter 
ließen ihre Knaben mit Vorliebe auf 
den Namen des Heiligen taufen. Von 
der Mitte des 15. Jahrhunderts ab 
nahm der Narne Nikolaus unter der 
Taufnamen die zweite Stelle eın 
Veberall feierte man ıhn als Kin- 
derheiligen und der 6. Dezember 
wurde uls Kinderfesttag begannen 
ao in Italien, in der Schweiz, irn 
Deutschlands Gauen, in Oesterreich 
in FrankTeich, ın Spanien, in den 
Niederlanden, in England und beson- 
dus auch in den russischen Ostsee- 
Provinzen und sogar ın Nordame- 
rk 
Vor allcm wurde der Name de: 
Hoi aen durch die Hansa, einer Ver 
eimvung von Kaufleuten in Nord 
Irankrteik Eneland und Deufschluand 
die den Handel zwischen dem We- 
ten und Ostern Europas beherrsch- 
ich, bekannt. In allen seehandeltren- 
pondem Ländern Europas wurde der 
ni Nikolaus der auserwaählte Schutz- 
herr der Seeleute und Schiffer ın 
allen Gefahren durch Sturm und 
Wi wetter, Als er nämlich auf einen 
Schiffe zum Heilgen Lande fuhr be- 
schw. chtigete er durch sein Gebet den 
Sturm so daß das Schiff vor seiner 
Untergange gerettet wurde In Ruß- 
‚and zenolß der Heilige eine außer- 
ordentliche Verehrung Noch in der 
Yarenzeit trug jeder muissische Schif- 
fer dus Bild seines Schutzhe ger 
auf der Brust In Sturmesgeführer 
wurde ein yroßes N’kolausbild anıf 
dem Verdecke umhbhergetragen und 
unter Gesang und Gebet der Heilige 
um seine Hilfe angefleht Russı- 
sche Zaren und eine zanze Reihe vor 
Städten traven den Namen deg Hei: 
Koaen In ganz Europa wurden Kir- 
chen und Kapellen, Kloster und Ho- 
>p.ze Altuıre und Friedhafe nact 
dem hl N kanns benannt Vorp Met 
tell eseebschen Masre bes zur Ostsee 
von den Nicdei Linden bes Sieben bur- 
gen hanein sird sie Zu finden Selbst 
auf Island in der hohen Nordsee fin- 
det man eintae Datzend Nikolaus- 
Kirchen Sa wurde St Nıkalirie über 
11 zum Volksheihgen 
Bo zur Reformation zu Anfanz des 
16 Jabnchunder's hatte der h‘ N’ ko 
aus in den deutschen Dacden cine 
urabe Mission zu erfüllen Die 2r00C 
Kindergen.cinde zonnte viel von ihn 
ernten und verlangen Der Heilisd 
ser jte de Kleinen ın bezug auf ihr 
autes Verhalten prüfen und demaee. 
maß die zuten und Oeibiruen Deloh- 
ven de fauen und ragen Zu Slig 
fen 
In freudieer Erwartung sans uber. 
abo 85 dieatsche Jivsend an Vor- 
aDEeNde dir N KOliualagen ohr 
Nikoölauslied 
Nic zur Zeit Maictin Lailhers Wal 
de Site Qvr Kinderbescherung an 
„Nach äer Schicht“ 
Nummer 
seinem Todestage in der ganzen Ohri- 
;tenheit ublich, So erwähnt Luther 
n seiner Hausrechnung, die ev mit 
‚einer Frau Käthe über die Ausgaber 
seines Hauses aufgestellt, audrück- 
ich neben den Geschenken, die der 
lahrmarkt für Kinder und Gesinde 
1ötig machte, auch die des Sankt 
Niklas, Nun verwarf aber die Refor- 
nation die Heiligenverehrung, 
Die Namen der großen Nikolaus- 
circhen, der Hauptkirchen in den 
alten deutschen Handelsstädten wie 
Jlamburg, Berlin, Eisenach, sind fast 
is zur Unkenntlichkeit entstellt. So 
spricht man z, B. in Eisenach nur noch 
‚on einer Glaskirche, von einem Glas- 
or, einem Glasturm und einem Glas- 
arunnen. Diese Bezeichnungen ha- 
»jen mit dem Worte „Glase“ nicht das 
zeringste zu Schaffen. Sie bezieher 
sich vielmehr auf die dortige Niko- 
auskirche usw, In Langensalza gibi 
ss ein „Klagetor“, Auch das hat mil 
jem Worte „Klagen‘ nichts zu tun 
j;ondern es verdankt seinen Namen 
jem hl Nikolaus oder Klages. deır 
Schutzheiligen der Stadt. 
Und wie viele Erinnerungen an den 
Kinderheiligen finden wir in unsern 
ıeutigen Familiennamen Be 
ganntlich sind viele dieser Namen 
m Verlaufe des Mittelalters aus der 
/ornamen hervorgegangen. So er- 
tennt man auf den ersten Blick der 
J/ornamen Nikcelaus wieder in der 
ı1eutigen Familiennamen: Nikolas 
Niklas, Nicolai, Nickels, Jungnicke 
der junge Nikolaus), Hannickel (Jo- 
wann Nikolaus). Am häufigsten begeg- 
jet uns dieser Heiligenname in deı 
Abkürzung „Klaus‘ Dieser Name 
ırfreut sich ın unserer Zeit eine) 
ganz besonderen Beliebtheit als Ruf 
name. Als Familienname kommt e 
in dieser Kurzform und zwar nich 
nur in dieser Form, sondern in ver 
schiedenen durch die aus der Sprach: 
jer jeweiligen Gegend beeinflußte: 
Schreibungen, bei denen man viel 
fach den Ursprung nicht auf den er 
sten Blick erkennen kann, Hierhe 
zehören die Namen wie Claus 
C]lauß, Kleinklaus, Klausen, Klau 
sing, Klos, Kloos, Klose, Großkla. 
Klausmann (der Zusatz ‚mann‘ be 
deutet im Niederdeutschen vielfac. 
aine Verkleinerung), Klosmanr: 
Klaas, Kläs, Cloß. Klasens, Klasine 
Durch die Namensorschung ist femme 
festgestellt worden, daß auch dis 
FarTiliennamen wie Klawe, Clawer 
Zlages, Klagemann hierher gehöref 
Diese große Zahl von Familien. 
namen zeugen von der Beliebthes 
jes Namens Nikolaus in Deutsch 
and Im ganzen Rheinland erschein' 
jer Vorname Nikolaus in de 
Mundart selten in seiner voller 
Torm. In jedem Orte hört man ver 
schiedene mundartliche Formen um 
Abkürzungen wie Nickel, Nikola 
Nikola Nikla, Neckla, Neckel, Ne 
<elchen, Negela, Nikula, Kläs, Kläs 
jin, Kluaus, Kläuschen, Kola, Kul! 
<los, Klosjin und Klas. R.S 
So hörte dann auch die bis dahir 
sebräuchliche Verehrung des großen 
<inderfreundes und Gabenspenderf 
ı1ach und nach auf und die Volks- 
yräuche an diesem Tage bezeich: 
ı1ete man als ‚„‚papistischen Unfug‘ 
50 büßte im protestantischer 
deutschland der hl. Nikolaus seinf 
rühere Bedeutung als Kinderheili- 
zer vie] ein. Die Kinderbescherung 
nel1 man wohl bei, aber die Erinne- 
‚ung an die Gestalt des Bischoff 
suchte man immer mehr zu verwi 
schen. 
An die Stelle des Bischofs mit Bi- 
chofsmütze und Krummstab trat 
ils Gabenspender sein bisherige 
<necht Ruprecht auf. Ueber ihn soll 
hr an anderer Stelle näheres hören 
50 wurde mit der Zeit aus dem Ni- 
colaus der heutige Weihnachtsmann 
B. Adventssonntag 
Vom Gottesleben der Gnade im Menschen 
Das Wunder der Gnade 
Im Offertorium der heiligen Messe 
ım 2 Adventssonntag fliehen wir: 
‚Gott, wende dich zu uns und gib 
ns neues Leben Dann wird deir 
Volk sich in dir erfreuen.“ In der 
Vochen des Advents empfinden wir 
«tärker als sonst unsere Unerlösthei 
Ind Spuren in uns ein machtiges Ver- 
angen Nach dem Krlosergott Wir 
ıhlen uns als die Blinden, die Lah- 
nen. die Aussatzıgen, die Tauben 
ind Toten, die das Evangelium im 
Anschluß an des Tsaias Weissagung 
anführt als diejenigen, an denen sic* 
los Messtäas göttliche Macht erweist 
Ks st nicht so sehr die Heilung letb- 
‚cher Gebrechen, die wir vom Hei: 
and erwarten als vielmehr die Ret: 
UNE unserer Seele und deren Auf- 
weckung zum Leben der Gnade 
Nir wissen, daß das Werk der Er- 
un lansst vollzogen ist. aber wirt 
rkennen auch, wie sehr noch die 
"olyen der Erbsünde sich bemerkbar 
nachen Wir hoffen, ım Stand der 
vjeihgmachenden Guade Zu sein, Wir 
zerträauen Zu ersichtlich auf Gottes 
znadenhilfe auf daß wir immer mchr 
otfverbundene Menschen werden 
mmer mehr hineinwaäachsen in Chri- 
tus. immer mehr (ebene dige Glieder 
In GNnadenorganismus des Mystischer 
‚erbes Chrieti werden Aber wir mus 
en imımetzu feststellen daß wir no? 
scht sind, was wir sein sollen und 
’nisprechend den Gaaden, die uns 
westandie vom Haupte Chrtstas ein- 
‚strömt werden. auch sein kannten 
ind mußten In vielen Stücken sind 
viır noch blind, den Täuschanzer 
zatch che Dinge der Erde unterwuor: 
en, Zulanziäich den Verführuniskun 
ten der Menschen and des Teafels 
Voir sind Nnech zelahmt weit die 
eigenschaften wei] menschliche 
"ae sichten uns fesseln. sind un 
auter in unseren Gedanken, Ab- 
ichten und Bewezarunden, so dal 
Kibst unser Beten and unsere (Sater 
Verke von anserer Eitelkeit, Eiszen- 
lebe Earsucht ind S haste falı Luen 
wrficeckt sind 
Wir fichen Zu. Got ‚Gh un 
seues Lenen Lat uns tiaken 
us dan Quieden des Heclandes lan 
iNs telnehmen an secmep Leben 
Denn se. Leben st Lıcht das un- 
ser Biundheit heit, sein Lehen if 
Kraft das Unsere Lchmheit hei‘! 
Sein Tchen jet Lauterke:it und 
Peinheit das uns von allem Anrs- 
zatz der Sünde reinigt Sein Leben ist 
Sehorsam gegen den Vater, das 
unsere Taubheit gegenüber Gott heilt 
Sein Leben ist Unsterblichkei:‘ 
und unendliche Fülle, da: 
ıns vom Tode zum Leben erweckt 
Er hat ja gesagt: „Ich bin gekommen 
auf daß sie das Leben haben und & 
lberreich haben“ Wir haben zwar 
das Leben der Gnade, aber wir haber 
x nicht in seiner Fülle £ 
nuß in uns wachsen Wer gerech 
st, werde nach gerechter, wer heıili: 
st. werde noch heiliger. Wir fühler 
as im Advent: Wir braucher 
ı1eues, frisches Leben, voll 
<ommener muß unser Beten wer. 
jen. größer unsere Hinzabe ar 
5ott, größer auch unsere Liebe zur 
Mitmenschen. 
Daiß wir doch die Gnade Gottes 
schatzten, wie es der Größe «Neze 
Soöttesgeschenk: entspricht Was 
st Gnade”? Gnade ist ein kurzes 
Wort, aber es birgt in sich eine zAn7z€ 
Welt von Selizkeit Das Leben deı 
Dnade ist das Größte, Harrkehste 
5öttlichste, was wir kennen Fs al 
ins wie ein Tröpflein Leber 
1us Gottes ureigenem ewi 
zen Leben das Gett Yurch ir 
Wunder seiner Liche in unser Her: 
hineinschefft, damit wir Menschen- 
kinder sleichsam hlutsverwandt mi 
hın weıden, Kinder Gottes seier 
"eilhaftiz seiner göttlichen Natılt 
der heilige Johannes sart 
Scht, welche Liebe uns der Vater 
bewiesen hut daß wir Kinder Gottes 
heiben und sind.“ Leben Gettex ır 
ter Men-chenbrust, Es erfüllt sich 
was der Prophet Ezechiel ze 
schrieben hat“ „Ich werde euch eir 
yes Herz schenken und einen neuer 
Geist in euer Inneres lesen" Del 
yeilige Petrus spricht daven 
1.483 Gert uns das Erhäbenste, das et 
schenken kunn uns durch sein« 
Gnade aibt Er hat uns die Rastbar 
;ten und größten Verheißungen 2€& 
schenkt. damit wir durch sie der 
ze1l chen Natur tellhaftıs wenden 
AHNN.AIL dden under Welt herlsche u 
ber verderel chen Gelusten entron- 
ner sind. So ist die Gnade Wirklich 
an Fünklein Licheaus Got- 
es e:zenerutewiser L:ieDe 
Las Gott in unser Herz senkt damit 
as in heilger Licbe erglue „Die 
ae: tamüchende Guude‘, so heit €: 
nn Catechisim us domanıts) st os ie 
Insere Sev’e mit Gett verbindet unc 
yewirkt, daß wir, erfüllt von heıb- 
Verlangen nach Hingabe an ihn, = 
neues Leben führen.“ Wie das Eisel 
m Feuer erglüht und gleichsam di 
Natur des Feuers empfängt, so weı 
ien auch unsere Seelen infolge de 
Gemeinschaft mit Gott ganz von det 
Heiligkeit Gottes durchdrungen. 
st die Gnade schließlich ein Stra. 
ınd Abglanz aus Gotte 
»igener urewiger Herrlic 
<eif, die die Stele in ein Gewu: 
‚on Liebe und Schonheit hüllt, 
Jerrlich und reich, daß wir es & 
Erden nicht erlassen können Kä 
‚harina von Genua durfte eine 
Tages im Geiste die Schönheit eine 
jeHnadeten Seele schauen Entzuck 
änef sie aus. ‚Herr wußte ich nich 
jaß es nur einen Gott gibt. ich wur 
7)auben. diese Sececle wäre Gott‘ 
Dieses Wunder der Gnade aber te 
det sıne Erslarung in dem Wor 
Gott ist die Liebe Tebe wi! 
schenken, will sich verströmen, wı 
beglücken Und Gott ist das Urbii 
der Liebe Der ewige Sohn wollt 
Geschwister, Genossen seines Gliek 
heim Vater haben Der ewis 
Vater schuf ihm Geschwist 
And machte sie teilhaftig 
ner sötthchen Natur — aus Lie 
Der ewise Geist der Liebe 
ins die Liehe und damit das Lei 
Zottes ım Auzenblhick der Tau fee: 
zehaucht und uns dadurch zu Got!r 
kindern gemacht „Jetzt ruht 
Gnade noch in uns wie ein Keir 
nach unvollendet Die Gnade in ihr 
srfüllhung aber ist die besel 
zendeGottesschau Groß ste 
Jarum unsere Lebensaufgabe X: 
ans, die wir als Christen zu erführ 
haben Jetzt im Advent wollen " 
sie besonders ernst nehmen Wir 1 
zen das zottlkche Lehen in uns. Hat 
wir doch heil1ze Ehrfurcht vor ı% 
Dr 
Bucherwunsche 
tür den Sabentisch! 
Bitte jetzt schon aufgeben 
Verlag „Nach der Schur 
Wiebelskircher-
	        
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