Full text: Nach der Schicht (48)

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DIE STIF' 
Der Sport 
nadı der Auffassung der Kirdıe 
Am Samstag, dem 10. November, 
mpfing Papst Pius XII. in Castel 
Zandolfo die Teilnehmer am Inter- 
nationalen Kongreß der Sportredak- 
teure (AIPS). Der Verband hielt 
seine 20. Generalversammlung in 
Rom, die besonders mit den Olympi- 
schen Spielen 1952 sich zu befassen 
hatte. Auch Deutschland war vertre- 
jen. Pius XII unterhielt sich ein- 
zehend über das Sportproblem mit 
lem Präsidenten des Verbandes der 
deutschen Sportpresse. 
Pius XII. hat bereits im Jahre 1945 
Singehend Stellung zum Wert des 
Sportes und zu seinen Ausartungen 
genommen. Seine Ausführungen wur- 
Zen damals schr beachtet. Auch seine 
et-ten Darlegungen über den Sport 
and richtungweisend 
Grundsätzliches 
Der vernünftige Sport als Weg zur 
Korperertüchtigung, die auch dem 
Geiste zugute kommt. wird von der 
Kirche durchaus pesitiv beurteilt. Die 
‚etzten Päpste haben immer wieder 
Sportsieute empfangen und Sportver- 
anstaltungen in den valikanischen 
Höfen vorführen lassen. Als Kron- 
zeugen für den echten Sport führte 
der Papst den hl. Apostel Paulus an. 
Dieser hat bestimmt in seiner Hei- 
mafstadt Tarsus alle Arten des da- 
maligen Sportes (Wettrennen, Ringen, 
Fechten) kennen gelernt und bei sei- 
nen Missionsreisen in Asien und Eu- 
ropa die Ausartung des Sportes fest- 
stellen können. 
So schreibt er an die Korinther: 
.Wißt ihr nicht, daß die Wettläufer 
m der Rennbahn zwar alle laufen, 
jaß aber nur einer den Preis ge- 
winnt. Lauft so, daß ihr ihn erlangt! 
Jeder Wettkämpfer übt in allen 
Dıngen Enthaltsamkeit. Jene tun &, 
um einen verwelkenden Kranz zu er- 
ringen, wir aber, um einen unver- 
zänglichen Kranz zu erhalten. 
Ich nun laufe nicht ins Ungewisse 
hinein, ich kämpfe, aber nicht um 
otoß Streiche in die Luft auszufüh- 
ren. Nein, ich züchtige meinen Leib 
1nd bringe ihn in Dienstbarkeit, da- 
mit ich nicht, nachdem ich andern ge- 
predigt habe, selber verworfen 
werde.‘ (1. Kor. 9, 24-271 
Paulus schreibt an seinen Schüler 
Timotheus aus Lystra — wo dieser 
jen Ringkampf wohl selbst miterle- 
den konnte: „Wer im Ringkampf auf- 
tritt, erhält nur dann den Siegespreis, 
wenn er vorschriftsmäßig kämpft." 
2. Tim. 2,5). Faires Spiel ist immer 
Aje Grundregel gewesen. 
Pius XII. ist bekannt als Freund 
pyines vernünftigen, fairen Sportes; 
alle, die ihm näher iraten, können 
jas immer wieder bestätigen. Was er 
vom Sport verlangt. sind zwei Vor- 
aussetzungen: 1. Die Sportredakteure 
müssen eme aufrichtige Hochschät- 
zıng des Sportes besitzen und ver- 
xünden, seine Vorzuge ins rechte 
Licht stellen, aber auch seine Schat- 
'enseiten und Gefahren schildern. 
Der echte Sport muß gepflegt wer- 
Jen unter Rücksicht auf die Gemein- 
schaften. denen der Sportsmann ange- 
ıurt; Familie, Beruf. Volk, und Vater- 
land und die höchste irdische Ge- 
meinschaft: die Kirche. Seine Fami- 
en, Gesellschafts- und Relhigions- 
aflichten aus Schwäche, Vergnü- 
zungssucht schandenhaft zu vernach- 
ässigen. das ist sporiswidrig im 
ıonchsten Maße. 
2. Der Sportschriftsteller muß dar- 
auf achten. daß der Sport im priva- 
‚en und öffentlichen Leben den Platz 
ainnimmt, der ihm zukommt in Maß- 
3altung und Innehaltung der der 
Würde des Menschen entsprechenden 
5Sflıichtan 
„Nach der Schicht” 
N 
‘FE. DES PAPSTES 
Demgemäß stellte der Hl. Vater 
' Grundsätze auf: 1. Ebensowenig 
vie die Pflege des Körpers in Ge- 
amtsicht darf der Sport Selbstzweck 
‚ein, er darf nicht entarten zum Kult 
ler Materie. Er steht ja im Dienste 
les ganzen Menschen, darf daher sei- 
ıer geistigen und moralischen Ver- 
'ollkommnung keinerlei Einzug tun, 
muß sie vielmehr fördern und unter- 
Hitzen. 
nicht in Frage stellen. Ebensowenig 
jarf er seine Anforderungen so in 
lie Höhe schrauben, daß Väter, Müt- 
er, Söhne, Töchter, die Kraft für die 
ätige Arbeit verzeiteln und derer 
schwere umso schlimmer empfinden, 
Jas Familienleben ist so kostbar, daf 
nan ihm diesen Schutz nicht versager 
sann, 
Vielfach ist der Sonntag die einzige 
Aöglichkeit der Vereinigung aller 
Tamilienmitglieder und des Erlebens 
ler innigsten Freuden der Familie. 
der Sport reißt, wenn er im Übermaß 
yjetrieben wird, alle auseinander: Va- 
er, Mutter und Kinder. Er wird zu 
ä%nem Götzen, der alles verzehrt, wie 
ler Moloch die Kinder. 
4. Derseibe Grundsatz gilt in ver- 
tärktem Maße und Gewicht, wenn 
x sich um die Erfüllung der reli- 
ösen Pflichten handelt. Der Sonn- 
ag gibt den ersten Platz Gott dem 
Terrn. 
Übrigens hat die Kirche volles Ver- 
;tändnis dafür, daß der städtische 
Mensch am Sonntag ausgeht in Got- 
Wir können heute nur zu oft fest- 
telen, daß der Sport übertrieben 
vird, den Körper und den Geist nicht 
ich erholen ung ausbilden läßt, son- 
iern durch die Maßlosigkeit und 
Uinnwidrigkeit des Betriebes den 
‚port zu einer großen geistigen und 
noralischen Gefahr werden läßt. Wie- 
je] Geld wird oft unnötig für den 
‘port ausgegeben, wieviele unnötigen 
veiten Reisen gemacht, die zur Bil- 
ung nichts beitragen, wieviele kör- 
‚eerliche Schädigung und Zerstörung 
'‚eranlaßt? Mit Recht sagten die alten 
)ömer von ihrer entarteten Sporti- 
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jerung des gesamten Volkes: Wir 
ind auf den Gladiator (zu gut 
‚gutsch: auf den Hund) gekommen. 
2. Bezüglich der Berufstätigkeit sei 
s Hand- oder Kopfarbeit, hat der 
sport den Zweck der Entsvannung 
nd Erholung, daß man durch ihn mit 
euer Willenskraft zur Berufsarbeit 
urückkehrt. Es wäre ein Widersinn 
ind das Gemeinwohl würde auf weite 
jicht dem zum Opfer fallen, wenn 
er Sport den ersten Platz in der per- 
önlichen Beschäftigung bildete, 60 
laß die Berufs- oder Handwerks- 
äatigkeit nur eine unangenehme Un- 
erbrechung der HaupDtsache des Le- 
2£NE& hiıldean unirde 
es sehöne Natur. Sie freut sich herz: 
ich, wenn sie sieht, wie die Familien 
oltern wie Kinder, dann zusammen 
hre Erholung und ihre Freude in der 
rroßen Natur des lieben Gottes su- 
hen. Sie nimmt Rücksicht auf 
Zeit und Ort des Gottesdienstes zur 
Srreichung größtmüglichster Be- 
juemlichkeit hierin. Sie verbiete 
uch den Sonntagssport keineswegs 
veehandelt ihn vielmehr mit Wohl- 
vollen unter der einen Bedingung, 
laß Rücksicht darauf genommen 
wird, daß der Sonntag Tag des Herrn 
leibt und Tag geistiger wie körper- 
icher EntsDdanmung 
Wenn man die Sportabteilungen 
ler Zeitungen liest (oft drei und mehr 
‚eiten) dann mußte man annehmen, 
laß der Sport über alle andere Betä- 
‘gung hinausrage. Die ganze Woche 
vird nur vom Sport des nächsten 
ionntags geredet. ohne daß irgend- 
ine geistige Linie dahei zu beobh- 
chten ist. 
3. Der Sport dürfte die feinen Be- 
jehungen zwischen den Ehegatten 
nd die heiligen Freuden der Familie 
Wie großzügig ist die Kirche den 
'jeplagten Menschen gegenüber. Zwar 
«lligt sie die Moderne Auffassung 
‚am Wochenende ohne Gott keines- 
vegs, aber sie legt ihre Gottesdienste. 
‚uch die Christenlehre, auf Wunsch so 
laß die Familien ihren Sonntagsaus- 
jang bequem machen und sich in Got- 
es schöner Natur gemeinsam erholen 
tonnen. Es wäre nicht notwendig. 
laß sonntags in Stadt und Land zahl- 
ose Jugendliche die hl. Messe ver- 
äayvyımen und in aller Frühe cchöan Ön 
Nummer 5 
len Zügen sitzen und Zigaretten rau- 
hen, statt Gott zuerst die Ehre zu 
zeben. Es wäre auch nicht nötig, daß 
lie Christenlehre durch Sportveran- 
;taltungen unmöglich gemacht wird. 
Der Hl. Vater schließt seine hoch- 
vichtigen Ausführungen ab mit fol- 
zenden wichtigen Gedanken: 
„Das sind die Richtlinien, die Wir 
such vorlegen möchten, Wir bitten 
such, sie bei gegebener Gelegenheit 
auch innezuhalten. Sie werden euch 
ıicht zu streng erscheinen, wenn ihr 
such vor Augen haltet die heilige 
Pflicht des Dienstes Gottes, den un- 
schätzbaren moralischen und sozialen 
Wert der gesunden Familie und das 
Wohl der Jugend.“ 
„Wie wir es schon längst gesagt 
ıaben in unseren Ansprachen über 
len Sport (Pfingsten 1945) habt ihr 
ıuf diesem Gebiete ein Vorbild, ein 
Vodell. Wir können auch sagen: einen 
>atron, den glorreichen hl. Paulus. 
Zr hat in einigen Stellen seiner Briefe 
lie Regeln und den Geist des Sportes 
N Erinnerung gebracht und erhebt 
ich von da aus zu seiner höchsten 
zeistigen Bedeutung.‘ Dann zitiert 
ler Hl. Vater die oben erwähnten 
Verse aus dem 1. Korintherbrief, 
Dann schloß Pius XII. seine schönen 
Worte der Ermunterung und Klärung 
nit dem Wunsche: „Wir entlassen 
Sie, meine Herren, mit diesen Wor- 
ten und Bitten den großen Heiden- 
Apostel, euch von Gott die Kunst zu 
erflehen, die klassisch-herrliche Auf- 
gabe des Sports zu fördern, die nach 
Sprichwort darin besteht. aus ge- 
sunden und kraftvollen Körpern die 
Wohnung schöner und tapferer See- 
len zu gestalten.‘ 
Zum Schlusse der sehr erhebend 
verlaufenen Audienz erteilte der Hl. 
Vater allen Anwesenden und ihren 
Angehörigen den Apostolischen Se- 
gen. Die Sportredakteure waren von 
den Ausführungen des Papstes und 
seiner großen Liebenswürdigkeit 
ganz begeistert. Sie küßten in Ehr- 
furcht dem Operhaupt der Kirche den 
Fischerring. Präsident Boin dankte 
dem Hl. Vater herzlich für seine Wei- 
zungen. Hier hatte der „Vater und 
Meister“ gesprochen. Die Eindrücke 
werden allen Teilnehmern unvergeß- 
lich bleiben und sie anspornen, ihre 
Sportartike)] auch durch Hinweis auf 
den Geist und den Sinn des Sportes 
würzen und fruchtbar gestalten. Ge- 
°ade weil die jungen Leute den Sport- 
teil so aufmerksam lesen, werden sie 
zolche Stellen auch beherzigen. Der 
5portartikler hat eine eigene Sprache. 
ke den Nichtsportlern nicht immer 
‚erständlich ist. Die Sporterziehung 
Jagegen wird jedem klar werden. 
Nicht versportelte Menschen gilt es 
ıeranzubilden, sondern geistig echte 
‘portler. 
Bei der Aussprache mit Pius XII. 
ıatten auch die deutschen Vertreter 
Wagener und Müller die Möglichkeit 
auf die deutschen Sportverhältnisse 
u sprechen zu kommen. Pius XII. 
ıatte in Berlin hohes Ansehen bei 
len Sportlern als vorzüglicher Her- 
,enreiter und Freund jeder Art fairen 
‘portbetriebes. 
Die Kirche läßt in ihren Anstalten 
jem vernünftigen Sport einen weiten 
Raum, je nach den üblichen Sport- 
'parten. Die amerikanischen Priester- 
;jeminare sind in dieser Hinsicht mu- 
;tergültig. Unsre Konvikte haben 
schon vor vielen Jahren, als der Sport 
'n Deutschland noch in den Anfängen 
;tand, Fuß- und Handball, Tennie, 
2roquet, Kegeln, Turnen aller Art 
sepflegt und so die körperliche Er- 
üchtigung der Jugend gefördert. Wo 
he Möglichkeit zum Schwimmen ge- 
jeben war, hat man auch den 
;chwimmsport beachtet. Das Trierer 
fonvikt erhielt unter seinem Direk- 
or Anheier die erste eigene 
Schwimmhalle, die leider durch den 
Zweiten Weltkrieg sehr gelitten hat 
Die Frage, ob eine eigene kirchliche 
Sportpflege (DJK) betrieben werder 
All jiet diem Suche der heir Oromanisa
	        
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