Rummert 01
keitserklärung wurde nicht vollzogen. Der Reichsar—
heitsminister Wissel leitete am 30. November ein
neues Schiedsverfahren ein, in dem folgender Schieds—
spruch Zustande kam:
1. Die zum 30. November 1929 gekündigte Lohntafe!
wird mit Wirkung vom 1. Dezember 1929 an wieder
in Kraft gesetzt.
2 Der Durchschnittslohn im Kernrevier 1wird vom
2. Dezember 19829, vorm. 6 Uhr, an von 6 auf 6.25
Rwi. und dann vom 1. Dezember 1930 an von 6.25
auf 6.240 RM. erhöht. Die Durchschnittslöhne in den
übrigen Kernrevieren sowie den Randrevieren er—
den sich in gleichem prozentugalem Aus
maß.
Neben diesen Hauptbedingungen wurden noch
kleinere Einzelpunkte geregelt. —
Auch dieser Schiedsspruch befriedigte die Arbeiter—
organisationen nicht. Zumal die lange Laufdauer des
Schiedsspruches, der fur volle zwei Jahre die Lohn—
regelung festlegt. Erstmalig kann die Lohntafe,
wieder zum 30. November 1931 gekündigt werden
Große Beanstandung fand weiter die gleiche prozen—
zuale Lohnerhöhung für alle Kategorien und Reviere
Die Reviere mit wesentlich niedrigeren Löhnen schnei
den bei der gleichen prozentualen Erhöhung sehr
schlecht ab. In einer Konferenz der beteiligten Or
ganisationen am 1. Dezember wurde von allen Seiten
das sofortige Eintreten in den Streik verlangt. Es
mußte aber noch die endgültige Stellungnahme des
Reichsarbeitsministeriums abgewartet werden Beide
Seiten, sowohl die Arbeitnehmer- wie auch die Ar
beitgebervertretungen lehnten den Schiedsspruch ab
Die Arbeitgeber, weil er ihnen zu weit ging, die Ar—
beitnehmer, weil die günstige Lage des mitteldeutschen
Braunkohlenbergbaues eine höhere Lohnaufbesserung
gestatte Nachverhandlungen, die am 8. Dezember
ttattfanden, konnten keine Aenderung mehr herbei—
iũhren. Da beide Parteien den Schiedsspruch abgelehnt
hatten, mußte damit gerechnet werden, daß er nich!
jür verbindlich, also gesetzeskräftig erklärt wurde
Aber hierin hatte man sich getäuscht; der Herr Reichs
arbeitsminister erklärte den von keiner Partei aner—
'annten Schiedsspruch für verbindlich. Damit hat er
es den Arbeitern unmöglich gemacht, für eine weitere
Lohnaufbesserung zu kämpfen. Der für verbindlich
erklärte Schiedsspruch, der von den Arbeitern als un⸗
befriedigend abgelehnt worden war, muß nunmehr
eingehalten werden. weil er Gesetzeskraft besitzt. —
Wenn der Reichsc rbeitsminister den christlichen Ge⸗
werkschaften nahe stünde, dann könnte man jetzt ein
großes Geschrei in der sozialistischen Presse feststellen
Weil es aber ihr Mann ist, geht man ohne viele
Worte zur Tagesordnung über
helft den 5-Uhr⸗Ladenschluß
um Hl. Abend ermöglichen!
Vald steht Weihnachten vor der Türe. Jeder freut
sich dann, wenn er inmitten seiner Familie weilen
tann. An diesem Abend möchte jeder die Freude
kosten, die herricht, wenn das Christlind seine Gaben
beschert. Diese Frende soll allen Menschen gegönnut
sein. Darum hat man im Reiche Anordnung ge—
troffen, am HIl. Abend um 53 Uhr die Geschäfte zu
schliehen. Hier im Saargebiet sehlt noch jede Re—
dzelung. Es muß aber doch den Verkänfern und Ver—
Noch eine Tat!
Und hoch und höher heben sich die Speichen —
Vollenden will den Kreis das Kiesenrad.
O Menstchentind, geschwind noch eine Tat
Will unbenukt das alte Aahr entweichen
Noch eine Tat, du Greis im Silberhaare,
Eh' unterm Orutk das Leben dir erjtitkt.
Bald ist es zwölf. In Liebe aujgeblickt,
Anh,n nom Nersöhnen hnae an der Bahre
Noch eine Tat, o Mann der schwarzen Jechen,
Noch eine Tat, du jinstrer Hütieumann!
In Liebe bliche Weib und Kiuder an,
Und mit dem ranhen Welen minkt du brechen
Noch eine Tat, du mit dem heißen Herzen,.
Mit raschem Wagen, Süngling hochgemut!
Noch eine Tat! O mache eilends gut,
Wenn irgendmo du schusell Oram und Schmerzen.
Noch eine Tat, verzagte Mädchenseele!
Noch eine Tat, du Kind der neuen geit!
Noch eine Tat, damit sich stilles Leid
Hinein nicht in daa Jahr. das neue. slehle
Noch eine Tat, ihr lieben Brüderstämme!
Noch eine Tat, ihr streitenden Parteien!
Im neuen Jahr muß rings Verstehen sein,
And jeder Zwilft hrecht“ aun der Eintracüt Dämme.
„Der SaareBergtnapper
läuferinnen ermöglicht werden, um 5 Uhr die Ge—
chafte verlassen ju können. Einige Geschäfte in
Zaarbrücken werden freiwillig um 5 Uhr schließen.
Dies ist eine sehr dankeuswerte Tat. Damit aber
ruch die anderen dazu kommen, um 5 Uhr Schluß
zu machen, muhz das kaufende Publikum sie dazu er—
sjiehen. Wenn jeder sich so einrichtet, daß er am
ol. Abend bis 5 Uhr alle seine Einkäufe besorgt hat,
dann wird der frühere Ladenschluß von selbst kom—
men. Wir wollen gerne dazu beitragen, daß auch
die Verkäufer und Verkäuferinnen, die Angestellten
des Handels, am Hl. Abend rechtzeitig in ihrer Fa—
nilie sein können. Dieses Weihnachtsgeschenk kostet
ans gar nichts, bereitet aber diesem Menschen sehr
zrohze Freude. Also helft mit, daß der 5-Uhr-Laden⸗
chluh am Hl. Abend zur Tat wird.
An alle Rechtsschußsuchende!
Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die
— in Saarbrücken nur Dieussstags
ind Frertags statisinden. Nur an diesen Tagen
ann, soll ein geordneter Geschäftshetrieb gewähr⸗
eistet bleiben, Rechtsschutz erteilt werden. An einigen
Tagen in der Woche wird auswärts Rechtsschutz er⸗
eilt. Dann ist das Saarbrücker Büro geschlessen. Die
äbrigen Tage müssen frei bleiben zur Wahrnehmung
der Vertretungen vor den Spruchinstanzen sowie zur
Bearbeitung der Aktten. Wer also keinen unnützen
sHang machen und nicht unnötig Geld ausgeben will,
nußz sich an die ordentlichen Rechtsschutztage halten.
Ein weiteres: iedes Jakr aibt das Rechtsschutzbüro
einen Vericht über seine Tätigkeit. Darin wird auch
die Höne der erstritienen Barersolge angegeven. Viele
Rechtsschuzsuchende pflegen aber der Manier, nach
erfolgreicher Durchführung ihrer Sache den erzielten
Barerfolg nicht dem Rechtsschutzbüro mitzuteilen. Sie
zerschulden es dann, dahß im Jahresbericht nicht der
volle Erfolg zum Ausdruck kommen kann. Damit der
volle Erfolg allen Mitgliedern bekannt gegeben wer—
AV
uchenden, denen im Laufe des Jahres 1929 ein Er⸗
olg erstritten wurde, die Summe der Nachzahlung
owie die Höhe der erstrittenen laufenden Rente (an⸗
zeben, aus welchem Versicherungszweig), umgehend
inserm Rechtsschutzbüro mitzuteilen, soweit das noch
richt geschehen ist. Diese Mitteilung soll als kleiner
Dankesausdruck gelten für die wertvolle Hilfe, die
»as Rechtsschutzbüro den Einzelnen leisltete.
zehn Juhre
Auicher Gewerhchaftsbund
Am 22. November 1929 konnte der Deutsche Ge—
verkschaftsbund auf ein zehnjähriges Bestehen
zurückblicken. Die Vorsitzenden des Deutschen Gewerk—
chaftsbundes waren bei seiner Gründung Reichstags—
rhgeordneter Stegerwald als 1. Vorsitzender und
ils 2 Vorsitzender der Verbandsvorfteher des Deutsch—
tationalen Handlungsgehilfen-Verbandes Hans
Bech 1y. Im Verlaufe der zehn Jahre haben die Ge—
amtverbände sowohl hinsichtlich der Zahl der ange—
chlossenen Verbände als auch deren Mitgliederent
vickluna mancherlei Mandlungen durchgemacht Mie⸗
Noch eine Tat, ihr Völler, die ihr lange
Von Grimm nur wuhßztet und von Feindessinn,
Noch eine Tat! und über Grenzen hin
halli jubelnd es aus heil' agem Griedenssange.
P Helling.
Weihnachten
Weihnachten steht wieder vor der Türe. Die Etinne—
ungen an die wundersame Welt unserer Kindheitstage, in
denen das Christkind mit dem geheimnisvollen Zauber des
di. Abend im Berelche unserer Vorstellungskraft waren,
verden wieder wach. Alte traute Weihnachtsklänge längsl
dergangener Kindheitstage —: und doch so ewig neu! Wel
en der Innerlichkeit umspannt das traute Wort Weih
wacht. Kinderherzen verstehen, was dieses Wort fagt
Weihnachten ist für sie der Innbegriff alles Geheimnisvollen
und Herrlichen zugleich. Wochenlang harten sie beim Ge—
ang der Advenislieder auf das Christkind. Das einst auf
Irs Welt kam um die Menschen zu erlssen aus der
ünechtschaft dunklen Heidentums, um allen den Frieden
ju brungen, die da guten Willens sind.
Aber auch in unseren Seelen werden die Erinnetungen
zicht nur wach sondern wecken erneut die Sehnsucht nach
Frieden. * nach dem Frieden der Seele, der in unserer
eutigen so hastigen und materlalistischen Zeit so vieler
n verloren ging oder verwehrt blieb
Wehe und freudige Gedanken durchziehen so manches
eldgeprüfte Menschenherz. Das Leid ist ja übergroßz ge—
vorden auf dieser Erde. In Hütten und Palästen ist es zu
inden. Des Leides Kette schlingt sich um ganze Gemein—
chaften ganze Völker, ja um die ganze Menschheitsfamilie
zm Mittelpunkt des sidoen Leides unserer Zeit steht unser
eutsches Volk. innerlich zermürbt, unelns in sich selbst und
irre geworden an seinen heiligsten Gütern ...
Das Leid ist nach großem Ewigkeltsgesetz der größzte Er
leber her Menschhest Hu ahber deutsches Volk hafft dein.
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hdei allen anderen Gewerkschaften machte sich die Auf⸗
hlähung des gesamten Wirtschaftslebens in der In—
'lationszeit auch beim Deutschen Gewerkschaftsbund
»urch höhere Witgliederzahlen bemerkbar, die ganz
notgedrungen nach der Inflationszeit wieder auf ein
ratürliches Maß zurückgehen mußten.
Nach zehn Jahren zählt der Deutsche Gewerkschafts—
hund jetzt insgesamt 1,3 Meillionen Mitglieder. Die
Arbeitergruppe stellt davon in 18 Verbanden rund
373 000 Mitglieder, die Angestelltengruppe in 10 Ver⸗
händen 525 000 Mitalieder und die Staatsangestell⸗
engruppe in 9 Verbänden 119 000 Mitalieder.
ovm Sommer 1929 wurde der Vorsitzende unseres
GHewerkvereins, Heinrich Imbusch, zum 1. Vor⸗
sitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes gewählt,
da der bisherige Vorsitzende Stegerwald seine gewerk⸗
chaftlichen Aemter durch seine Berufung zum Reichs⸗
perkehrsminister niederlegte. Aus dem gleichen Grunde
war schon im Frühjahr der bisherige Geschäftsführer
des Gesamtverbandes der christlichen Gewerkschaften,
Bbernhard Otte, zum Vorsitzenden des Gesamtver⸗
zandes der christlichen Gewerkschaften gewählt wor⸗
den. Die —35 der Angestelltengruppe liegt nach
vie vor bei dem Vorsteher des Deutschnationalen
handlungsgehilfenverbandes, Hans Bechby, wäh—⸗
end die Staatsangestelltengruppe von dem Eisen⸗
zahnerführer Rümmele vertreten wird.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund ist seiner wirt⸗
chaftlichen und politischen Bedeutung gemäß im
Reichstag, in den einzelnen Landtagen und im Reichs—
virtschaflsrat durch eine Reihe von führenden Per⸗
sönlichkeiten vertreien Dem Reichstag gehören 29 Ab—
geordnete aus den Reihen des Deutschen Gewerkschafts⸗
bundes an, dem Preußischen Landtag 27 Abgeord⸗
siete. Auch in den sächsischen, bayrischen, badischen und
württembergischen Landtagen, sowie im Landesrat
des Saargebietes ist der Deutsche Gewerkschaftsbund
durch seine Mitglieder vertreten In den Reichswirt⸗
chaftsrat hat er 19 Mitglieder entsenden können, auch
nn allen anderen öffentlichen und halböffentlichen
Törperschaften hat er die seiner Bedeutung entspre⸗
bende Vertretung Wie kaum eine andere wirtschaft⸗
liche Gruppierung hat der Deutsche Gewerkschaftsbund
nuch der Reichsregierung und den Länderregierungen
»ine Reihe von Ministern gestellt.
Aus dem Lothtinget Kohlengehiel
Eine unzulängliche Lohnerhöhung
In Lothringen, wo die Kommunisten einen eigenen
GBergarbeiterverband besitzen, sind die Grubenherren
nal wieder diktatorisch in der Lohnfrage vorgegangen.
ODhne mit den Bergarbeiterorganisationen zu verhan⸗
deln, haben die Grubenherren die neue Lohnregelung
einfach durch Aushang am „schwarzen Brett“ am 23.
Rovember d. J. verfügt. Kein Verhandeln, keinen
Tarifabschluß, keinen bezahlten Erholungsurlaub,
S„pannungen im Lohne von 100 bis 150 Prozent, —
das sind die Zustände in einem Kohlengebiete, in dem
der Kommunismus tonangebend sein will. In einer
Versammlung in Lauterbach vor einiger Zeit ver—⸗
uchte ein kommunistischer, lothringischer Bergmann
in den hervorragenden Taten des ehemaligen Reichs—
irbeitsministers Dr. Brauns Kritik zu üben. In Loth⸗
ingen. dort, wo der Kommunismus eine eigene Or⸗
ranilaftion besitzt ist er nicht mal imstande. es loweif
Misslon in deen Sinne noch nicht erkannt. Immer noch
suchest du den Feind nur außen, zerstückelst in wahnwitzigen
—A deines eigenen Volgses Seele,
murtest gegen Gott, ja du verspottest und verleugnest ihn,
ohne in der Prüfung, die du jetzt durchlebest, seine lebende
Vaterhand zu erkennen, um durch Läuterung im Leid deinen
Heist wieder hinzurichten auf das Christkind, das in die
Weit kam, um uns den Weg zu zeigen, der aus der Er—
aiedrigung zur Höhe führt.“
Es will wieder Weihnachten werden.
Komme du heiliges Fest der Menschenseele! Segne uns
alle nah und fern, die Einsamen und traut Vereinten, laß
dein göttliches Licht, o selige Weihnacht, uns zum Fileden
verden. Insel des Lichts, Eiland unserer heilgsten Sehn⸗
sucht, wir grüßen dich mitten aus der Härte, —
und gehe menschlichen Erdendaseins aus der —F
stigen Armut unserer Tage. Insel der Wahrheit und der
vahrhaftligen Heimat, wir grüßen dich und deine Wunder
verden die Onade und Schönheit des Lebens. Voll Fndage
auschen wir der Friedensbotschaft dor Engel anf Belh—
ehems Fluren:
„Fürchtet euch nicht! Siehe, ich künde euch große
Freude, die allem Volke widerfahren wird. Heule ist
euch der Heiland geboten, der da ist Christus der Herr
sn der Stadt Dad ds. Ehre sei Gott in der Hohe und
Triode und oin Wohloefolloön auf Gebn“
In diesem Geiste wollen wir christlichen Arbelkter Weih
nachten felern, damit unsere Seelen sich emporheben über
die Enttäuschungen und Härten des Lebens hinguf zu dem,
der allein die ewige Gerechtigkeit ist, unserer Arbeit und
unserem Leben hessgen Inhalt gibt. Sein Sohn hal uns
erlöst aus der Aechlung und Knechtschaft. hat uns die
Menschenwuürde erneut geschentt und uns die Grundlagen
gebaut, von denen aus wir mit mortalischer Berechtigung
unseten edlen Streit führen können um die volle Aner—
kennung unseres Menschseins im irdischen Leben. Und was
das höchste ist, er schenkte uns die Lehte, die allen Menschen
vahren Seelenftieden schenkt die bereit find sie zu halten
ind MAonach u lebert NA⸗rMo⸗nisch