Full text: Der Saarbergknappe (8 [1927])

Seite 4 2apper Nummer 52. 
LUnaser Hauptvorstand macht folgendes bekannt: Abweichend von den lehten Jahren haben wir im Jahre 1927 
—*— wieder 53 Beitragswochen. Deshalb muß mil der Nummer 53 des „Saar⸗Bergknappen“ auch der 
a 53. Wochenbeitrag erhoben werden. Diefe Beitragsmarke wird in dem Mitgliedsbuch auf der Seite, die 
für das Jahr 1927 bestimmt ist, eingeklebt. Alle Zahlstellenvorstände und Verlrauensmänner wollen dafür 
Sorge kragen, daß die Beiträge bis zum 31. Dezember restlos bezahlt werden. Unsere Kameraden werden 
E ersucht, die Beiträge zum Gewerkperein so rechtzeitig zu entrichten, daß am Jahresschlußß kein Mitglied 
mit seinen Beiträgen restierl. Wir müssen alle gemeinsam dafür sorgen, daßz unsere Organisation, besonders in der gegenwärtigen ernsten Zeit, 
weiter gestärkt und schlagkräftig erhalten wird. — Kameraden! Unsere Pflicht ist es, gemäß vorstehenden Anweisungen zu handeln. Am 
31. Dezember 1927 muß jeder Kamerad 53 ordenkliche Wochenmarken in schwarzer Farbe geklebt haben. 
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caden Be. aus Qu. den Entgelt für den Schichtoerlust, den schwotenen keine Enlschädianng sür Verdienstaussall sind laleiche Unzahl von Vergewagen nebmen bonnen. Es müß 
derselbe wegen seines Amtes als Geschworenet etlitten. Die Zusammensassung des Gutachtens lautet: ten also, um eine flotte Förderung zu ermöglichen, je nach 
daite. Sie ettlärte sich lediglich bereit, den Lohn für solche „Die Tagegelder für Schöffen und Geschworene sind nicht Bedarj der Schlepper Bergewagen und Leere wahlweise 
Tage fortzuzahlen, an denen Be. als Geschworener ausge- Entschädigung fur Verdiensttaussail, sondern reine Auf, geschickt werden törnnen Das war früher zu preußischen 
lost war. An den anderen Tagen sollie die Zumutunt Vandoentschadiauna und tonnen desbalb nicht ais eine Zeiten auch der Fall; denn die damalige Leitung legte 
Ielten, die Schicht mitlgas, oder nachts zu vertadren, — fur den Zeirveriunt auderjeits gewahrte Entshädigung anf Wert darauf,. daß die Zufahrten an den, Bremsbergen 
Zum besseren Verständnis sei noch erwähnt, daz jüt jede den demaß S43, eibj. 1. Züser . O. jortzuzahlenden mindestens zweisputig waren, alio genügend Betgewagen 
Schwurgerichtsperiode 30 Geschworene bestimmt werden Lohn angerechnel werden. Der Lohnansuruch aus 8 43 und Leerc zur Verjügung standen Heute, ist das anders 
oon denen vor jeder Sitzung 12,,ausgelost werden. Die Abs. 1 A. O. wird durch die Bestimmungen des Gerschis geworden. Die Zufahrten sind nur mehr einspurig; wo sie 
Richtausgelosten können gewöhnlich wieder nach Hauft verjafsunasgesehes über die Wisglichteit der Gellend, zweisjpurig waren, mußte die zweite Vahn beseitigt werden 
fahren. Nach unierer Auffassung kann man einem Germachung von iblehnunas- und Hinderungsgründen nicht Es werden also Bergeidagen und Leere wahllos in den 
ichworenen, detr unbedingt bei Ausübung seines Amte? berührte Im vSinblid auf die Möglichteit einer Schih Bremsberg geschicht. Sind nun gerade nicht genügend 
gestg jrüch sein soul nicht zumaten, nachts schwer zuar verlegung entiaun der Lohnansuruch nur dann, wonn die Betgschlenper am Bremsberg um die unten begestellten 
beiten. Er wird dann bestimmt nicht die eriorderlichen Grubenverwaltung behauptet und beweist, daß dem Ar— Betgewagen abzuholen. müssen sämtliche Kohlenschlepper 
geistigen Kräfte aufbringen können, die bei den meist sehm beiter die Biogüichteit einer ihm nach Grundsähen der Bil solange worten bis wieder Vergeschlepper am Bremsberg 
ernsten und schwierigen Schwurgerichtsverbandlungen not ligkeit zumutbare Schichtoerleguna gegeben war, oder dai ankommen und die Bahn für Leere freimachen. Umgekehrt 
wen!g sind. — Entsprechend dieser Auf‘assung begehrten fie, salls der Arbeiter es unmierlassen hat, sich rechtzeitis warten oft die Bergeschlepper stundenlang, weil sich unte; 
wir bei der Inspektion und beim zuständigen Tarifaus um eine Schichtverlegung zu bem ühen, bei rechtzeitiger An— den beigestellten Wagen keine Berge befinden. Es ist 
schuß die Schichtvergaütung jür alle Schichten, die inner meldung degeben gewesen würe. jedem Bergmann klar, daß auf diese Weise die Förderun— 
balb er in Irag tomenden —— v Aug Grund dieses Gutachtens werden wir künft'g in de ünstlich gehemmt wird 
süunit waren. a unset Begehren bei den genannter 5 66 
ittn i Verttändene sarde se mudten wir“ bem zu anein — nochmals auitretende Srretittvnet 
ständigen Bexagagewerbegericht klagen.‚ Die Verhandlun RAxryls zu enedin . . 
fand am 7 September 1925 vor dem Berggewerbegerich 
nibach unter dem Vorsitz des Amtsgerichtstates Jacob 
statt. Die Grube wurde unserem Antrag entsptechend ver 
urteilt, jür alle versäumten Schichten während det Schwur 
oerichtspetiode den Lohn fortzuzahlen In der Urteils 
begründung war unserer Auffassung voll Rechnung ge 
tragen worden Das Urteil wurde von der Generaldirek 
tien anerkannt und wat damit grundsätzlich Klarheit ir 
or Frage geschaffen. 
Nun blieb es der 
Verwaltung der Berginspektion II 
in Luisenthal vorbehalten, dem Inhalt des vorangeiühr 
ten Paragraphen eine besondere Auslegung zu widmen 
Die Berginspektion 11 stellte sich nämlich auf den etwas 
eigenartigen Slandyunkt. daß die Tagegelder der Schöffen 
und Geschworenn als Lohnentgelt Anzurechnen seien 
Wir vertraten mit unserem Kameraden Ba. aus B. der 
entgegengesetzten Standvunkt Unser Kamerad Ba. hatte 
drei Schichten aus Anlaß seines Amtes als „Schöffe“ ver— 
säumt. Dafür verlangte er von der Grube gemäß 8 4* 
A. O. Fortzahlung des Lohnes. Das Verlangen wurde 
abgelehnt mit der Begründung. daß et von der Gerichts 
kasse Tagegeld erhalten und dieses als Ersatz jür entgan 
genen Verdienst zu gelten habe. Da auch das Vorstellig 
werden beim Tariiaussichuß ohne Erfols blieb. so mukt« 
Klage beim Berggewerbegericht II., Soruchkammer 
in Völklingen 
erhoben werden. Die Verhandlung über das Klagebe 
gehren fand an 15. September 1927 statt unter dem Vor 
sitz des Amtsgerichtsrates j. RReutet. Trotz eingehende 
Begründung des Klageanspruchs. wobei besonders darauf 
bingewiesen worden war, daß das Tagegeld eines Schöfien 
unmöglich als Lohnentgelt angesprochen werden könne, da 
alle Schöfjen, gleich, welchem Berui sie angebörten, gleich 
ob Lohn- oder Gehalts-Ausfall bestehe oder nicht, das 
Tagegeid erhielten und dasselbe daher lediglich als Aui 
wandsentschädigung anzusehen sei, wurde zu aller Be 
fremden, wohl auch des Beklagten, die Klage abgewiesen 
In der Urleilsbegründung wurde die vorgetragene Auf 
fassung des Klägets, die Tagegelder seien lediglich Ersat 
für die Aufwendungen, als „irrig“ bezeichnet und klar 
zulegen versucht, daß die Tagegelder allen Einkommens— 
berlust aus Anlaß der Ausübung des Amtes als Schoiic 
decken. 
Wenn dieses Urteil nun künftiga im Saargebiet die 
Rechtsform für diese Frage daritellen jollte, wie wären 
dann die Konsequenzen? 
Zunächst hätte kein Beramann im Saarberabau, der 
zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen erkoten wird, 
hei Ausübung des Amtes Anspruch auf Sortzahlung 
des Lohnes, da die Tagegelder als Lohnersatz gelten 
sollten; dann aber auch — und das ist füt alle Ar— 
beiter von der größten Wichtigkeit — wären die meister 
Arbeiter an der Ausübung einer staatsbürgerlichen Pilicht 
gehindert, da die meisten Atbeiter in den wirtschaitlid 
schlechten Zeiten den Lohnverlust nicht tragen könnten und 
demäiß F 35, Ziffier K. des Gerichtsnerigsunasgeietzes ge 
zwungen wären., 
die Annahme des Amtes als Schöffe oder Geschworener 
zu verweigern. 
Wir nehmen bestimmt an., daß das Beragewerbegericht 
Völklingen dies auch nicht gewollt hat, trotzdem das Urteil 
als ein Versuch zur Zurückdrängung des Arbeitereinilusses 
bei den Gerichten angesehen werden könnte. Nach unsere; 
Auffassung müßte es gerade vom betufstichterlichen Stand 
punkte erwünscht sein, daß aüs allen Ständen der Bevöl 
terung die Rechtiprechuns befruchtet wird. 
Da das Urten nach unserer Auffiassung die Sach, und 
Nechtslaae irrig wütdigte, so suchten wir 
ein einwandfreies Rechtsgutachten 
ähert die Auslegaung des 8 43 der A. O. zu erlangen. Au 
anjer Ansuchen zeigte sich Serr Landgerichtsrat Dr. Beta 
mann freundlichst bereit, uns das gewünschte Gutachten z 
erstalten. Dieses liegt uns nun vor. In ausjühbrlichet 
kiater Weise ist auf 26 Foliose:ter zu der Auslcaung det 
8 43 A. O. Stellung genommen und wird unwidetleaba 
nacbgewiesen. das die Tagegelder der Schöffen und Ge— 
Wir könnten miß der Aufzählung solcher Mißstände nod 
beliebig fortsaähren (erinnert sei nur an die ständige 
Nachtfiörderung), wollen uns für heute aber mit Vorstehen— 
dem begnügen. Die Generaldirektion aber bitten wir 
diesen unhaltbaten Zuständen, deren Auswirkung letzten 
—V00 
reitsen. Dann wird auf Grube Dilsburg die Förderung 
ganz von selbst besser vverden; denn niemand ist an dew 
Förderergebnis mehr interessiert, als die Vergleute selost 
weil damit Lohn und Brof unmittelbar zusammenhängen 
Das ist der Weihnachtswunsch der Belegschaft von Grub— 
Dilsbure Miche! 
Demn Vernehmen nach soll die Grube Dilsburg hinsicht 
lich ihrer Leistung, d. h. des Förderanteils pro Kopi der 
Belegschaft, an letztet Stelle im Saarrevier stehen. Der 
„berühmte“ Obersteiger Fritz Günther sucht nun bange zu 
machen und droht mit der Stillegung der Grube ode 
einem Wechsel der gesamten Belegschaft; denn die Schult 
an dem schlechten Förderergebnis soll die Belegschaf 
tragen, die es an dem nötigen Fleiße und Arbeitseife 
fehlen lassen soll. Abgesehen davon, daß Herr Obersteige 
Günther sowie seine „geistsprühenden“ Auslassungen in 
Belegschafistktreisen schon lange nicht meht ernst genommer 
werden — auch abgesehen davon. daß von allen Saar 
aruben eine an erster und eine an letzter Stelle steher 
wird — wollen wir doch der Tatsache etwas näher treten 
warum gerade die Grube Dilsburg an letzter Stelle re 
gistriett. Aus einer ganzen Reihe von Gründen wollen 
wir nur die wichtigsten herausgreifen, weil durch sie das 
Förderergebnis direkt beeinflußt wird. 
Auf Grube Dilsburg werden zwei Flöze gebaut, die seh— 
viele Störungen (Bersteinerungen, Verdrückungen) auf 
weisen. Besonders das Flöz Lummerschied, das nebenbe 
auch noch sehr viel Wasser führt, ist besonders stark vor 
diesen Siörungen heimgesucht. Wird nun von einer Ka 
meradschait eine solche Störung angejahren, so muß ihr— 
Leistung notgedrungen zurückgehen Der Obersteige 
Günther läßt diesen Grund aber nicht gelten. 
. Jedes Pfund Kohle muß mit, der Shrämmaschine ae 
schrämt, dann gebohrrt und geschosser werden Wie sieht es 
dun mit dem Schrämmaterial aus? Einiach unglaublich“ 
Zu 90 Prozent alte ausgeleierte Maschinen, die schon jehr 
oft in Reparatur waren aber stets in demselben Zustand« 
wieder in die Grube zurückgeschickt wurden, weil — kein« 
Ersatzteile da sind. In der Werkstatt wird etwas Oe! 
darüber gestrichen, damit das Eisen den Schein der Repa 
ratur träagt. Mit den Bohrhämmern ist es noch vie 
schlimmer bestellt Iniolge Mangels an Ersaszteilen wer 
den jortlaufsene.d Bobthämmer aus dem Betriebe gezogen 
ohne daß dafür Ersatz geschafit würde Alles Laufen vo 
Pontius zu Pilatus hilit nichts Es sind eben keine Häm 
mer da. Ganze Bremsberage (526 Kameradschaften) haben 
nicht selten nur einen Bohrhammer. Da müssen einzelne 
Kameradichaften oit stundenlang marten, bis sie on der 
Reihe sind. 
Genau so verhält es sich mit den Schräm- und Bohtr 
ichläuchen. Daß eine Partie einen Schrämschlauch und 
einen Bohrschlauch hat, sindet man wohl kaum noch. De 
Schrämschlauch muß auch als Bohrschlauch benutzt werden 
zu welchem Zweck besondere Uebergangsstücke in der Werk 
statt angejetrtigt wutden. Wird nun geschrämt, so kanr 
nicht gebohrt werden, wird aber gebohrt, so kann nicht ge 
schrämt werden. Trotdem sind schon viele Bestrafungen 
erjolat, weil bei der Befahrung durch den Obersteiget die 
Schrämmaschine nicht im Betriebe war, wohl aber dern 
Bohrhammer lief. Nicht selten teilen sich in einen solchen 
Universalschlauch mehrere Kameradichaften. 
Mit der Drutluit ist es nicht besser bestellt. Im Durch 
schnitt werden 25 bis 3.33 Atmosphären nicht überschritten 
wird darüber Beschwetde geführt, so können die Kumpel— 
noch erwarten, daß sie wegen Und'chtigkeiten in der Luft 
leitung bestraft werden. ‚„Dichten sie ihre Leitungen“, da⸗ 
ist die einzige Antwort, die der Kumpel erhält; wo man 
aber Dichtungsringe hernehmen soll, wird einem nicht ge— 
zagt. Der Sieiger ichickt einen in die Werkstatt. die Werk— 
tatt wieder zurück zum Steiget. So dichten denn die 
Aumvels mit selbitgejertigten Ringen aus mebriach zu 
sammengelegtem Zeitungspavier, PRappdeckel, aus Leder 
von ihren durch das Wasser schnell versichlissenen Gruben 
schuhen usw. Daß eine solche Att von Dichtung Zeit raub— 
und doch nicht haltbar ist, dürfte ohne weiteres klar isein. 
Zum Schluß sei noch auf einen Mißstand hingewiesen 
d wen a Waete den A nicht nach — — — 
ebt. er Abbar bei uns geschieht durch Strebbaun mit a 8 A 34 
remdem Bergversaz. Die Verschiedenheit der einzelnen Für die Redaktion verantwortlich: „. Kiejer. 
Abbaudunkte sowte det unterichtedliche Bedari an izamden Vert des Gewmerkveteins christl Rergarbeiter Deutichtonde 
Beracu brinat es mit sich. dak nicht alle Schlepper bdie NYruch: Saarbrücker Druckerei und Verlaa A6
	        
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