Full text: Der Saarbergknappe (8 [1927])

Soite 4 
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wird sich dieser Zustand, einmal zum Rachteil der Elter 
und Kindet und zweitens zum Schaden der gesamten Ar— 
beitetschaft auswitken. 
Es darf heute nicht nur heißen „Wer die Jugend hat, 
hat auch die Zukunft“. Dies könnie sich als ganz falsch 
erweisen. Nicht, wer die Jugend nur hat, sonu 
dern der, der es fertig bringi, die Jugend 
vonden Jdealen und zZielender Bewegung 
zu überzeugen, wer es fertig bringt, die Jugend in 
ihrem Sinne, in unserm Falle im christlichen Geist 31 
erziehen, der sichert sich die Zukunft. 
Liebe Freunde! Will der Bergmannsstand etwas leisten 
in der Zukunft, will er den Weg des Aufsfstieges, de! 
unsere Vorfahren beschritten, unsere Väter weitergeführ! 
haben, auch noch in Zukunft weitergehen und sich schritt 
weise nach oben durchringen, um so das Ziel zu erreichen 
dann ist nicht nur ein zahlenmäßiger Rachwuchs notwen 
dig, sondern ein gesunder, frischer, d. h. ein Nochwuchs de⸗ 
auch sittlich und geistig hochsteht 
Die notwendige geistige und sittliche Kraftentfaltung istr 
anzuwenden in der Berufs- und Standesvertretung, im 
Gewerkverein christlicher Bergarbeiter. Eingangs habe ich 
schon erklärt, daß nicht nur ein zahlenmäßig starker Nach— 
wuchs das Fortbestehen oder die Leistungen des Gewert— 
vereins für die Zukunft garantieren. Es kommt neben 
der Zahl auch auf den Geist an, der unsere Jugend be— 
seelt. „Der gesundeste Körper ist nichts, wenn er nich 
durch einen kraftvollen Willen in den Dienst sittlicher 
Aufgaben gestellt wird‘. Gelingt es dem Gewerkverein 
durch seine Jugendabteilung die Jugend, die durch den 
heutigen Zeitgeist sehr gefährdet ist, im Geiste der christ 
lichen Weltanschauung zu erziehen, sie richtig reif zu 
machen für Kultur, Wirtschaft und Politik, dann haben 
wir nicht nur Jugend-Rtachmuchs. iondern guch 3u 
kunft. 
Und dann noch eins: das Arbeitsfeld des Gewerkver 
eins wird von Tag zu Tag größer. Ueber Nacht erschließer 
sich neue Aufgabengebiete. Und will der Gewerkverein 
in Zukunft bleiben, was er versprochen, nämlich eine In 
teressenvertretung der Bergarbeiter, dann muß er seine 
Arme noch weiter ausstrecken in das Wirtschafts- und 
Staatsleben. Erst dann, wenn der Gewerkverein üben 
eine große Zahl fähiger Mitarbeiter verfügt, wenn er 
über einen guten Stamm durchgebildeter Mitglieder ver 
fügen kann, dann ist er in der Lage, den Anforderungen 
die die Zukunft an ihn stellt, gerecht zu werden. 
Soll es nun so werden, wie es die Zeiten und Men— 
schen verlangen, dann laßt uns heute schon arbeiten ar 
dem Auf⸗- und Ausbau einer gefunden. qewerkschaftliche 
Jugendbewegung pg. 
Schiefergewinnung 
Die Schiefergewinnung ist eine besondere Bergbauart 
Von den darin Beschäftigten wird ganz besondere Fach 
kenntnis in bezug auf Gewinnung, Weiterverarbentuncç 
und Lagerung verlangt. Es gibt Ünter- und Uebertage 
baltiebe: zu jedem Betrieh gehört das sogenannte Spat 
aus. 
Eine Uebertageschiefergrube ähnelt einer Ueber 
tage-Braunkohlengrübe; der Äbraum muß for tgeschafft 
der Schiefer gebrochen, zerlegt u id ins Spalthaus franus 
portiert werden, wobei bielfäch Kaschinen verwandi wer 
den, wenn auch die Handarbeit, besonders beim Brechen 
des Schiefers, überwiegt. Es ist meistens Strossena bbau 
wobei fünf Meter und mehr mächtige Schieferbänke unter 
schrämt und — meistens durch gze im oberen Tei 
der Schieferwand — zum UÜmtippen gebracht werden 
Diese werden dann an Ort und Stelle mit Steinsäge und 
Meißel in kleinere Stücke jerteg und in Förderwagen 
zur Spalthütte gebracht. Es wird vielfach mit Preßluft⸗ 
werkzeugen gearbeitet, zum Schärfen der Sägen und 
Meißzel dienen mechanisch angetriebene Sägeschärfmaschi 
nen und Schleifsteine. Der Transport des Schiefers er 
folgt bei kleineren Betrieben von Hand dei' arañere 
mittels Benzollokomotiven. 
Die ee unter Tage sind teils Schacht 
leils Stollenbetriebe. Schacht, Strecken und Abbaue müs 
sen nach bergmännischen Regeln angelegt und instand ge 
halten werden, doch hält sich das Gebirge in der Rege 
gut, so daß wenig Holz gebräucht wird; es finden sich un— 
verbaute Stöße von 10 bis 15 Meter Breite und 4 bis 
8 Meter Höhe, Die Art der Gewinnung ist wie in Tage 
betrieben? Unterschrämen und Hereingewinnung möglichst 
er Schieferblöcke, sachgemäßes Zerteilen und Heraus 
—* fen derselben, wobei noch mehr wie in Tagebetrieber. 
mechanische Kräfte benutzt werden. Es muß mit Pulver 
geschossen werden, weil brisantere Sprengmittel die 
Schieferblöcke zu sehr beschädigen würden. Die Wetlet 
sind nicht sehr arm, haben aber großen Feuchtigkeitsge 
halt, so daß die Leuteé doch vielfach nur mit, Hosen und 
Schuhen bekleidet arbeiten,. Künstliche Wetterführung be 
steht in der Regel nicht; durch Lufischächte, Wettertüren 
usw. wird genügende Diffusion zu erreichen gesucht. 
In der Spalthütte werden die aus der Grube kom 
menden Blöcke mit Säge und Meißel zerlegt und gespal 
ten, dann mittels Schablonen in die verlangten Formen 
geschabt und, aufgestapelt. Hierbei entwickelt sich vie' 
Staub; wertlose Abfälle werden auf Halde gestürzt oden 
ehen wieder in die Grube als Versatz;, der feine Schiefer 
—* wird an chemische Fabriken zur Farbgewinnung ab 
gegeben oder auch an Konlenrzechen iur Goiteintn 
streuung. F 2.* 
Regel ist, daß in der Spalthütte so viele Arbeiter tätig 
sein müssen, wie auch in der Grube, doch sind in der Hütte 
meist jüngere (die dann spätet in die Grube gehen), oder 
ältere, oder solche, die infolge körperlicher Becinträchti— 
gung in der Grube nicht tätig sein können. Es stehen ge— 
wöhnlich zwei Arbeitet unter und zwei über Tage in 
einem — dergestalt, daß die zwei in der Hütte das 
von den beiden in der Grube gelieferte Materigal gam 
Fertiagfabrikat verarbeiten müssen M 7T. 
„Der Saar⸗Bergknappe“ Nummer 33 
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* J Die Förderung aller Saargruben in den fünf ersten Mo 
Löhne der preußischen Bergleute — ds. Ie betrug de 176 ne Davon gingen 
— Jur 415 458,6 Tonnen gleich 7,13 Prozent nach dem Reich 
im A Vierteljahr 1927 Diese Tonnenzahl entspricht dem Förderergebnis von 
Nach dem „Reichsanzeiget“ vom 24. Juni ds, Is. ergat 35 eaenede edee dre i 
die amtliche Rohnermittelung fuür den Stein koulenberg ibrigen —B—— Damals also ein Drittel der Förde 
bau Preußens folgende Lohngestaltung rung. gen knapp ein Vierzehntel. Daraus ist ersichtlich 
1. Durchschuittslöhne aller Arbeiter: alle Anstrengungen gemacht werden müssen, um der 
Absatz nach dem übrigen Reich zu heben. Daß von fran 
Berabaugebiet Gesamtzahl der Bar verdienst Fue Seite wenig, Hilfe zu erwarten ist, dürfte die 
Arbeiter auf eine Schich Jwpischenzeit zur Genuge erwiesen baben, de denl Sau 
IV/IGæb I/ I927 IV/ Ig26 I/ I927 Veraleuten Feierschicht auf Feterschicht beicherte 
45 422 46 828 5,70 5.79 Mt 
27 400 27 036 5.37 5538 
346 973 349 744 7,.76 7,77. . 
15 009 15 077 75 7.73 VB 
zu43583 3: Von den Arbeitsstätten 
453 741 458 600 K 
Die Belegschaftszahl erfuhr eine Vermehrung um fast der ameraden 
000. Mit Ausnahnie von Niederschlesien, — eine Tarifausschuhsitzung. 
B— 
Die größte Vohnfteigerung fand im ersten Viertel 1927 eee eiee dre 
in Riederschlesien statt, das“ trotzdem immer noch ziemlich Seschaͤdiglen erfolgte ein — 
hintet den Löhnen der übrigen Gebiete zurückbleibt. Am des Schleppers Konrad Lehmann' wurde zurückgewiesen 
linten Riederrhein ist sogar eine Lohnminderung zu ver at Lehmann die Beschwerdefrist nicht eingehalten hal 
zeichnen. — Josef Ohlmann erhielt laut8 52 der Arbeits Ordnung 
2. Durchschnittslohn der Hauer. Lehrhauer und Schlepper Jekündigt. Die Verwaltung lehnte eine Diskufston des 
im Gedinge: Falles ab. Johann Kaub wurde mit 20 Prozent bestraft 
weil er keine Berge abnahm. Da die eee zu Un 
Bergbaugebiet Von der Gesamte Barverdienst recht erfoigte, erhaält Kaus dieselbe zurückgezahlt.“ Die 
zuhl der Arbeltet auf eine Schich Beschwerde der Kameraden Jatob Hoppstädter und Fr. 
v. H IV/ 1926 1/ 1927 Jatob Morsch wurde, da keine Einihung erzielt werden 
Dberschlesien 31.6 6,73 6.286 Mt donnte, dem Haupttarifausschuß überwiesen Leopold 
Niederschlesien 135 337 610 Ardener war vom 26. 2. bis 21. 5. im Krantenhaus. Bei 
3BBu * 75 der Ausgabe der Kohlenkarten wurden keine Karlen an 
DBAB. Dortmund 49,7 8,87 8.900, ta 
nie ederen 136 9130 837 Ardener ausgehändigt. Es gingen dem Genannten 2309 
dei Achen 513 77 863 , Zentner Kohlen verloren. Falls keine Einigung in die— 
Wit Augnahme des Steintohlengebietes am linten Rie lhnedle in nächster Heit erzielt wird, folat die üeber 
derrhein ist der Lohn der Gedingearbeitergruppe überall 
Awas gestiegen. Am höchsten war die Steigerung ir 
Iber⸗ und Niederschlesien wo sie aleichmäkßig Nin N be 
rug. 
3. Durchschnittslohn der Schichtlöhner unter Tage: 
Bergabaugebiet Von der Gesamt- Barverdienst 
zahl der Arbeiter auf eine Schich 
v. H IV/ 1926 1/1927 
Oberschlesien 44,5 5.39 5.47 M 
Viederschlesien 26,7 5,24 5,42, 
OBAB. Dortmund 28,0 6,66 6,65 
Linken Niederrhein 27.34 6,60 658 
Rei Aachen 24,0 6,224 6228 
Bei dieser Gruppe ist ein Lohnrückgang, wenn auch nu⸗ 
n geringstem Ausmaße, im OBAVB. Dortmund und amw 
inken Niederrhein zu verzeichnen. Die höchste Steigerun 
st in Riederschlesien, und zwar um 0,18 Mi. eingetreten 
4. Durchschnittslohn der Schichtlöhner über Tage: 
Berabaugebiet Von der Gesamt- Barverdienst 
zahl der Arbeiter auf eine Schich 
v. H TV/ 1926 1J/1927 
Dberschlesien 2 5,31 5,337 M 
Niederschlesien * 4,81 496, 
8B. Dortmund 6,96 694 , 
inken Niederrhein 6,84 683 
kei Aachen 22,8 6,330 626 
In drei Gebieten: OBAV. Dortmund, am linken Nie 
derrhein und bei Aachen ist für diese Gruppen eine ge 
ringe Lohnsenkung zu verzeichnen. In den beiden schie 
ischen Gebieten eine Lobnsteigerung um 004 Mkubean 
3.15 Mt. 
5. Durchschnittslohn der Arbeiter unter 16 Jabren: 
Bergbaugebiet Von der Gesamt- Barverdienst 
zah! Arbeiter auf eine Schich 
IV/1926 1/1927 
Oberschlesien 138 1,39 Mi 
LXiederschlesien 130 1,333 
DVBAB. Dortmund 2,13 2163 
Linken Niederthei 220 226 
Rnei Aachen 1665 1,63 
Die Gesamt-Lohnentwicklung zeigt, daß die Bergbau 
anternehmer der Haupisteintkohlengebiete im Westen Preu 
zens die Bergleute an der Hochkonjunktur, die durch den 
englischen Bergarbeiterstreit verursacht war, nicht wie e⸗ 
billig und recht gewesen wäre, teilnehmen ließen. Mitt 
terweile ist es dem Vorgehen der Bergarbeiserorganisa 
Fonen geglückt, die Löhne in allen Gebieten zu steigern 
Die Bergbauunternehmer tun allerdings so, als ob dies 
Lohnsteigerung „sie Hals und Kragen“ kostete, weshalb sie 
mit allen Mitteln eine Erhöhung der Kohlenpreise er 
treben. Diesem Bestreben setzen allerdings sowohl di— 
Arbeiter wie auch andere Kreise heftigen Widerstand ent 
zegen, damit nicht durch unnötige Preiserhöhungen di 
erfolgten Lohnerhöhungen wieder nölliag illusorisch ge 
nacht merder 
Einen herben Verlust erlitt unsere Zahlstelle durch das 
Ableben des Kameraden Johann Staub. Er gehörte zu 
den Gründern unserer Zahlstelle und war seit 1904 un— 
unterbrochen Mitglied des Gewerkvereins. Durch 23 
Jahre hindurch hat er seiner Organisation die Treue be— 
wahrt und für sie und seine Berufssache gekämpft. Vöge 
er ruhen in Frieden. Ehre seinem Andenken. 
Per Narstand doer Wlsitesse ln-cSeslserßackh 
die Kohlenlieferung der Saurgruben nach dem Re'ch 
Nach den amtlichen Nachweisen des Statistischen Reichs— 
aimts wurden in den fünf ersten Monaten dieses Jahre— 
von den Saargruben folgende Koblenmengen nahh der 
Reiche ausgeführt: 
Janugar 
Februat 
Nat 
Apri 
1 
Bebanntmachungen 
Der 33. Wochenbeitrag (Woche vom 7. bis 13. Auquit) 
in in dieser Woche füllia. 
63 188.1 
110 220 
8122 
66 569, 
944 350.0 
Für die Redaktion verantwortlich: P. Kieser. 
Verl des Gewerkvereins christl. Bergarbeiter Deutschlands 
Druck: Saarbrücket DRruckexrei und Verlaa A6 
Zusammen: 415 458.
	        
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