Full text: Der Saarbergknappe (7 [1926])

Saarbrücken, den 16. Oltober 1926 
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Organ des Gewerkvereins christl. Vergarbeiter Deutschlanos für das Saargebiet 
7. Jahrgang 
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Erscheint jeden Samstag für die Aütglieder gratis. — 
Preis für die Zahlstellenabonnenten 5, — Fr. monatl. ohne 
Botkenlohn, für die Postabonnenten 15,— Fr—. vierteliährl 
* Geschäftsstelle des „Saar-Vergknappen“: Saarbrücken 2 
Zür wirtschaftliche u· geistige Hebung — St. Johanner Strathße 49. — Fernsprech-Anschluß: Am! 
des Bergarbeiterstandes Saarbrüchen. Nummer 1530. 262, 2003. 3194 
Der Geist ist es, der lebendig macht 
Die Geschichte der Menschheit ist die ihres Geistes 
Angefangen von der primitiven Lebensweise des 
prähistorischen Menschen, bis zu der an technische 
und kulturellen Fortschritten so reichen Gegenwar! 
ist der menschliche Geist die Urkraft. Der rastlos vor 
wärts drängende Menschengeist schuf das, was al— 
Menschenwerk uns umgibt: die primitiven Hilfsmittel 
des vorgeschichtlichen Menschen, die heute noch Be 
wunderung erregenden Werke der Kulturvölker des 
— die Technik der Neuzeit. Das 
geistige Wollen, die hochentwickelte Kultur waren die 
Triebkraft des Aufstiegs vieler Völter; die geistigt 
Erschlaffung die Ursache ihres Niederganges, So zeig! 
es uns die Geschichte der Menschheit an manchen lehr 
reichen Beispielen; so wird es auch weiterhin bleiben 
Volkswohlstand und Volkswohlfahrt sind das Ergeb 
nis geistiger Regsamkeit entspringender Taten 
Volksnot und soziales Elend die traurige Folge gei 
stigen Indifferentismus. 
Das gilt für ganze Völker, das gilt auch für die 
Stände, für die Familien und den Einzelmenschen 
Geistiges Wollen und äußere Taten müssen Hand ir 
Hand gehen. Als die deutsche Arbeiterschaft, gezwun 
gen durch die äußeren Verhältnisse, sich zu der Er 
kenntnis durchgerungen hatte, daß der einzelne Ar 
beiter im Produktionsprozeß machtlos und eine Besse 
rung der sozialen Lage des Arbeiterstandes nur au 
dem Wege des Zusammenschlusses möglich sei, do 
verband sie mit der geistigen Erkenntnis diese 
Tatsache, 
dem inneren Willen zur Besserung ihrer Lage, 
die handelnde Tat. Diese Verbundenheit zwischen 
dem vorwärtswollenden Geist und dem entsprechen 
den äußerlichen Handeln hat sich die organisierte Ar— 
beiterschaft bis in die Jeßtzeit bewahrt. Wer da 
gegen, wie die Unorganisierren, nur vom „Vorwärts 
wollen“ der Arbeiterschaft spriicht, damit aber nich 
die handelnde Tat — den Eintritt in die Gewert 
schaft, die Werbung und Ueberzeugung neuer Mit 
glieder — verbindet, dem fehlt das letzte, das höchste 
der Geist, der lebendig macht, der Geist, der Taten 
erzeugend die Arbeiterbewegung zu wahrer Standes. 
und Kulturbewegung emporführt. Diesen Geist müs— 
sen wir pflegen. Denn die Vorbedingungen für die 
Durchsetzung gewerkschaftlicher Aufgaben sind — so— 
weit sie die Arbeiter selbst betreffen — vorwiegend 
zeistiger Art. Es ist das Bewußtsein der Zusammen 
gehörigkeit, die Erkenntnis gewerkschaftlichen Wesens 
die Pflege des rechten Gewerkschaftsge istes. Das 
andere, die handelnde Tat. die freudige Mitarbeit 
die Erfüllung der gewerkschaftlichen Pflichten ist danr 
iur noch die selbstverständliche Konsequenz. 
Was wir brauchen, und worauf die Gewerkschafts 
bewegung aufbauen muß, ist der in freier Erkenntnie 
lewonnene. innerem, selbstlosem Wesen ent 
pringende Gewerkschaftsgeist. Zum rechten Gewerk 
chaftsgeist gehört vor allem Ideglismus. Ein 
IDdealismus, wie ihn die Gründer unserer Rewegung 
— 
elbstsüchtige Gedanke an das „Ich“, sondern die 
Unterordnung unter das Wohlergehen des ganzen 
Standes; ist nicht das Zurückschrecken vor kleinen 
Opfern, sondern befreiende Tat. Gewerkschafts— 
idealismus besitzen bedeutet nicht nur Gewerkschafts 
mitglied sein, sondern auch für die Gewerkschaf 
arbeiten, werben, überzeugen, tämpfen; bedeutet 
iber kleine Schwierigkeiten hinweg 
nur die großen Ziese und Aufgaben. 
Idee unserer Bewegung sehen. Gewerkschafts— 
deulismus haben heißt mit echtem Bekennermut die 
oͤdee unserer christlichen Gewerkschaftsbewegung vor 
wärtstragen, für diese Idee Opfer bringen 
Auch persönliche Opfer. Gewerkschaftsidealismus heißt 
ich und der Bewegung treu sein. den Führen 
ind sein ehrliches Wollen acht ea, den Kamera 
ꝛen Freund und Selfer sein. Gewerkschafts 
— 
ofigkeit, will nicht nörgelnde Kritiksucht, sondern 
brliche Anerkeunmunnag. sachlicie Vertretung 
eqgen sützlicher Meinung. Gowertichafisidealismus 
will vor allem Liebe. Liebe zum Mitmenschen, zum jeigneter Mitglieder größer wäre. Die mit wenigen 
Stand, zur Bewegung. Der rechte Gewerkschaftsgeiste Kräften vorgenomniene Agitation würde vielfach 
will Pflege bewußter Standeskulfur größere Erfoige aufzuweisen haben. Der Ver— 
Nicht im Gegenjatz zu den anderen Stäuden, sondern sam mlungsb esuch wäre ein stärkerer, wenn 
in deren Ergänzung, in freier Entfaltung der in allen die Erkenntnis von der Notwendigkeit geistiget 
Arbeiterstande schlummernden guten Kräfte. Weiterbildung zu eigen wäre. Und insgesamt würde 
Von diesem Gewerkschaftsgeist ist uns in den letzten die Werbe- wie auch die Kampfkraft der Organisation 
Jahren viel verloren gegangen. Wir haben die Auf wachsen. 
gaben der Bewegung zu start unter dem Gesichts Ein Geist gewerkschaftlicher Erneuerung und 
Vaneeder Werren rüee gesehen WVerktiefung muß uns erstehen, 
Vielleicht trugen au ie äußeren rhältnisse ein —TX. 
Teil Schuld. Wir müssen von diesem Wege wieden VN Pipttage nn deiee we 
mehr abkommen. Wirtschaftliche Erfolge, Erfolge der auße die d daher ater guch erfoig bersprechender 
Hewert schaftsat beit sind nicht nur das Ergebnis star— Kleinar beitdiler den Gewerkperein emporträgl 
ken Zusaminenschlusses, sondern auch geistiger Hebung u nahhtdoltet Hohe 
der Arberiterschaft. Mit einer geistig zurückgebliebenen Van mag mit fagen: „Wie oft haben wir gehört, 
Arbetterschaft Zader der Gewertschaftsge st ehtt — daß wir mehr agitieren, möglichst hoöhe Beiträge 
sind keine Erfolge zu erringen. Es ist kein Zufall A oten, 
o — 9 pPünktlich zahlen, alle mitarbeiten, 
wonn dine gein , oe etuüeuppe jeder die Gewerischafüsversammlun; 
Auch die besten wirtschajtlichen Verhältuihhe n besuchen, ale Gererh shaftsidealis— 
nt. Es ist Auch bein zufälliges Zusammentreffen duu s zeigen mühlen, und voch ift ee nücht brje 
wenn eine Jahntele woe ereraden —58 geworben Matnichten! Wer so urteilt, 
qualitäten, mit guüten Vorstands- un rtrauens 45 2 
euten die größten Agitationserfolge, die musterhaftest« hat den klaren Vlin ue Einnt un— venn 
Ordnung. den besten Versammiumgsbesuch und die verloren. Zwischen den Verhältnissen der Zeit, ehe 
pflichte ifrigsten Mitglieder hat. Die richtige oder unser Gewerkverein bestand, und den heutigen Ver— 
salsche Einstellurng der Ntitgliedet. die puntlliche oden bältnissen, ist ein großer Unterichied. Die gyrt 
mangelhafte Erledigung der Zahlstellenarbeit, die hHältnisse sind bessergeworden, Keiner 
Auftourls⸗ oder Abwürksbeiwegung der Zahlsteile is kann bestreiten. daß die Atbeitsbedingunmn— 
nichts anderes als das Ergebnis der Reglamkeit der gen, die Apbeitszeitzund Lohnverhält— 
Zatzlste llenfüthrung. Daher mitssen wir auf eine gute nisse urch Arrbeitsordnungen, Tarif— 
Zahlstellenfihrung besonders achten Nicht der eignei Perrträge und Einführung des Urlaubs 
sich besonders zuin Vorfitzenden, der schöne Reden besser geworden sind. Kein Arbeiter, der verlangt, 
halten kann. Gewiß, rednerische Vefähigung. aus, ernst genommen zu werden, kann die Fortschwitte 
reichend zur Versammlungsleitung, zum Eingreifen leugnen. Gewiß sind auch die heutigen Verhältnisse 
in die Aussprache, muß ein Vorsihender haben. Viel Leineswegs ideal. Gewiß ist auch gegenüber den Ver— 
ichti se “— fi ersieht hältnissen vor einigen Jahren eine Äbschwächung ein— 
wichtiger jedoch ist es, ob der Vorsitzende es versteht — 
Iit. e getreten. Aber die Tatsache bleibt trotz allem, da 
gute Mitarbeiter heranzubilden und in den Zahl — d en 
tellendienst zu stellen. Auf ihn und seine Mitarbeite wir weiter gekommen sind. Und wodurch? Einzig un 
baut sich doch schließlich die ganze Zahlstelle auf. Si. Ilein durch die Pflege gewertschaftirchen 
sind das Fundament der örtlichen Bewegung.“ Vor Beistes und als deren Ergebnis die praktisch 
hrer Tattraft und ihrem energischen. zielbewußter bebriebene Gewerkvereinsarbeit. 
ollen wird pieles abhängen. Die Gewinnung neuen Wenn heute man ches so stark bemängelt wird, wenn 
Mitglieder, die Seranbildung zu überzeugten opfer angeblich die Gewerkschaften „nichts tun“, dann suchen 
brteiten Gewertschafttern. die glatte imd pünktlich, wit doch die Ursachen bei üns selbst. Die Gewert- 
Abwicklung aller Zahlstellengeschäfte. Haben nicht— schaften können manchmal .nichts tun“. weil uns zum 
allerorts die Erfaährungen das bewiesen? Wenn Teiil 
nanche Zahlstelle nicht vorwärtskommt, lag es dann der rechte Gewerkschaftsgeist abhanden gekommen ist, 
nicht zumeist an der Führung derselben? Hat nicht weil wir unser Wollen micht auf die Lauen, die Gleich⸗ 
n dieser oder jener Zahlstelle der geistige Indifferen. gültigen, Unorganiserten übertragen, weil wir viei⸗ 
dismus der Leitung diese gewertschaftliche Verderbnis fach in einem gewerkschaftlichen Jweckpe ssimis— 
zuch in die Mitgliederkreise hineingetragen? Und in dus die Wichtigkeit und Rhrwendigtenn der Kiscin, 
war, nicht die Folge dieser geistigen Lautzert schlechten arbeit nicht achteten, weil das „Es hat alles keinen 
VTersam mlungsbesuch ungenügende, oft fehlende Zwed“ diese so unwahre Behauptung — alle Be— 
Dpferwilligkeit der Mitglieder? fätigungsfreude und allen Arbeitswillen erstickte. Es 
Der Geiĩt der Zahlstellenleitung wirkt auf die hat keinen Zweck!“ so höre ich den Unorgänisierten 
Mitglieder zurüd. sagen, wenn er sich organisieren soll. „Es hat keinen 
Darum sollten wir vor allem auf die Berusfung ge- Zweck“, mit dieser resignierten Antwort wird die 
eigneter geistig regsamer, tatenfreudiger Kameraden Durchführung der Agitalion abgelehnt. „Es hat kei⸗ 
zum Amt des Vorstandsmitgliedes und Vertrauens nen Zweck“, damit kündigt der Wankelmuüͤtige wegen 
mannes sehen. Nicht dem Zufall dürfen wir das Ge-der Beitragserhöhung den Austritt an. „Es hat kei— 
chick einer Zahlstelle und damit auch die Erfassung nen Zweck“, plappert einer gedankenlos dem andern 
und Erhaltung der Mitglieder überlassen. Diese Auf nach, ohne sich Rechenschaft über die unheilvollen 
gabe ist der Besten unter uns wert. Auswirkungen dieser unwahren, auf Selbsttäuschung 
Der rechte Gewerktschaftsgeist muß beruhenden Behauptung zu geben. Die Aröbeiterschafi 
Eigenschaftaller Mitgliedersein. Nich hat sich dieses „Es hat keinen Zweck“ sjelbst suggeriert. 
dem lieben „Auderen“ dürfen wir die Arbeit übet UUnd doch gibt es nichts Unwahreresails 
lassen, sondern wit alle müssen mitarbeiten. Der diefses „Es hatkeinen Zweck“. Rur wer den 
Opfermut, den wit vom Vertrauensmann dadurch Glaubenandie Arbei terschaft verlor, der 
verlangen. daß wir pünktlich den „Bergknappen“ zu. mag so behaupten. Wer aber den Glauben an die 
gestellt bekommen, müssen alle Milglieder selbst über Arbeiterschaft verloren hat, gibt sich und die Arbeiter—⸗ 
durch ebenso pünktliche Beitragszahlung schaft selbst auf. Wollen wir das? „Nein“. und 
Die Kritik an der ungenügenden Erfassung uͤnd Ge tausendmal „nein“. Darum fort mit diesem Pessimis— 
winnung der Unorganisierten darf nicht nur eine mus, fort mit dem „Es hat keinen Zweck“, das nur 
Aufforderung zu reger Agitation durch die Ver den Gegnern unseres Aufstiegs nützt. ⁊ 
trauensleute sein, sondern auch eine gleichzeitige Die Gründung unseres Gewerkvereins erfolgte 
Bereiterklärung zur freiwilligenunter den — 
Werbearbeit. Sehr viele Unorganisierte könnster den ihm Gegner. Gering war die Zahl seiner Freunde 
en Gewerkverein zugeführt werden. wenn der Krei And voch oder besser, gerade deswegen ist der Ge⸗ 
der Mitarbeiter durch freiwill ige Vereiterklärung ge vwerkperein gewachseu ume zu einer achtunggebieten—
	        
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