Full text: Der Saarbergknappe (7 [1926])

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der Leistungen in der Sozialversicherung wurden teil— 
weise die Vorkriegsleistungssätze und —teilweise die 
heute im Reich geltenden Leistungssäthe mit der Zah! 
õ. vervielfältigt. Nach unserer Auffassung entsprad, 
dieses Versahren nur in ungenügendem Viaße dem 
berechtigten Begehren der Sozialrentner. Diese siud 
der richt igen Auffassung, daß sie nicht schlechter ge 
8 sein dürfen wie die Sozialrentner im Reich. — 
s ist der Regierungskommission nicht unbekannt 
daß sich die Teuerungsverhältnisse im Saargebiet sei 
Juli ds. Is. nicht ünwesentlich zu Ungunsten der 
Sodialrentner verschoben haben und es daher einer 
Forderung der Billigkeit entspricht, sobald als mög 
lich alle Leistungen in der Sozialversicherung auge 
messen zu erhöhen. 
Wir dürfen wohl der Hoffnung Ausdruck geben 
daß die Regierungskommissfion baldmöglichst unseren 
Antrage stattgibt und zeichnen 
Hochachtungsvoll: 
Fraktion der chriftlichen Gewerkschaften 
n ader Arbeitskammer 
123 . 
—Toe— 
Wichtige Beschlüsse der Vorstundssitzun 
des Suur⸗Knappfchaftspereins 
In der Vorstandssitzung des S. K. V. am M. Sep 
dember wurden eine Anzahl wichtige Beschlüsse ge 
jaßt, die wir nachstehend bekannt geben wollen. 
Erhöhung der Beiträge: Bei der Kran 
lenkasse hat der Arbeitgeber jetzt seinen Widorstand 
gegen den Antrag der Verwaltung, die Beiträge so zi 
erhöhen. daß das Defizit gedeckt wird, aufgegeben 
und tritt deshalb eine Beitragserhöhung der der 
Krankenkasse um 1.20 Franken ein. — Die Beit räß 
zur Invaliden- und Pensionsversicherung wurder 
entsprechend der Erhöhung des Lohnes für Septembe 
ebenfalls erhöht. 
Die Beiträge betragen zur Zeit: 
a) zur Krankenkasse 27.60 Fr. 
b) zur Pensionskasse 36. ⸗ Fr. 
) zur Invalidenkasse 12.— Fr. monatlich 
Der gesamte monatliche Knavp— 
schaftsbetrag 75.60 Fr. 
Leistungserhöhung: Eine Leistungser 
höhung, wie disher üblich, ist nicht zum Beschluß ge 
kommen, weil der Arbeitgeber dagegen mar. Es 
wurde lediglich der Grundbetrag des Wartegeldes 
erhöht und zwar von 8. —auf 10.— Fr. resp. von 
4. auf 5— IFr. Da der Multiplikator auf 3 stehen 
blieb, so beträgt das Wartegeld monatlich für die 
Pensionäre 30. — Fr. und für die Witwen 18.5 Fr. 
Da das Wartegeld nur denjenigen ausgezablt wird, 
die noch keine Invalidenrente beziehen, so erhalten 
die Invalidenrentner keine höheren Bezüge. 
Auszahlung der Reichsunterstützung 
mOktober: Da das Reich die 2. Unterstützungs⸗ 
rate bereits an den S. K. V. überwiesen hat, so be— 
ichloß der Vorstand, auch im Okkober die volle Grund 
pension als Reichsunterstützung zur Auszahlung ge— 
langen zu lassen. Der Auszahlungstermin bleibt der 
selbe wie bisher, da der Arbeitgeber sich immer noch 
nicht entschließen konnte, unserem Anfrag stattzu— 
geben und die Reichsunterstützung gemeinsarn imm der 
Penũon auszuzahlen. 
Gift birgt manche schöne Blume, 
Schlange ruht im weichen Moos; 
In des Herren Heiligtume 
Werden oit die Gegner groß. 
Und wie Schieier trübe Mienen. 
Hüllt die Maske gern den Feind 
Hinter seidenen Gardinen 
Wird am meisten wohl geweint 
Liebe Knappenfrau, wie steht es mit dem Lesen des 
Gewerkschaftsblattes? ishet hast du nur einen 
Blick hineingeworfen, und es dann nint der Bemerkung 
es stehe für dich nichts drin, an die Seile gelegt. Das ist 
nicht ganz richtig, liebe Knappenfraut Gat manches steh 
darin, was auch dich interefsieren muß, Lese nur! Mi 
dem Lesen kommt dir schon nach und nach das Verständnis 
und mit dem Verftänduis die Ueberzeugung, daß sfür vr 
Vergarbeiter nichts notwendiger ist als der Zusammen 
schluß. Auch mit deinem Manne bespreche zuweilen Artikel 
und Aufsätze, die von Bedeutung sind. 
Dann wirst du allen Angrifien auf die Gewerkschaft 
standhalten und auch auf die Nachbarin. die all Errungen⸗ 
haften der Organisation als seibstoetitändüch binnimmt 
ihtem Manne aber ein Hemmms für den Britriit ist 
besser einwirken können. 
Nun lebe wohl! Zum Schlusse noch einmal ein Rückhlick 
nuf unsere heutige Plauderei: 
Durch die Zeitung kommt uns Segen. 
Kommt uns Sluch ins Haus herein. 
Und ein Buch kann wie ein Engen, 
Kann ein wahrer Teufel sein. 
Sorg' drum, daß kein Vresseteufel 
Sich in deinem Hausfe dugt, 
Und behborzige zuweilen? 
Lügen kaäann manwiegedruckt 
„Der Saas⸗sBergknapper 
Baudarlehen: Uusere Kameraden, welch 
Baudarlehen vom S. K. V. auf wertbeständigen 
Grundlage haben, sind jetzt schon darauf aufmerksam 
zu machen, daß ab 1. J. Ndie Zins⸗ und Amortk 
sationszahlung sich wesentlich erhöhen wird. Nach An— 
gaben der Verwaltung haben viele bisher noch nicht 
rinmal den Zinsbetrag aufgebracht. 
Erweiterungdes Vorstandes: Der alte 
Verband drängte darauf, daß der Vorstand so er— 
weitert wird, wie die Generalversammlung am 
27. 2. beschlossen hatte. Der Vorstand erklärte sein 
Einverständnis, daß eine besondere Wahl nicht mehr 
tattzufinden braucht und rücken die Aeltesten auf der 
Vorschlagsliste des Verbandes: Schneidet und Rod 
rian, einfach in den Vorstand ein. Damit hat der 
Verband im Vorstand wie in der Generalveriomm 
uig die absolute Mehrheit 
Beschlüsse des Arzt⸗Ausschufses 
vSerr Knappschaftsdirektor Kredel gibt Kenntnis 
yon den vorliegenden Bewerbungen um die durch den 
Tod des Knappschaftsarztes Dt. Bohlmanun freige 
vordene Revierarztstelle in Püttlingen. 
Nach eingehender Beratung beschließt der Ausschuß 
»em Knappschaftsarzt Dr. Müller in Üchtelfangen die 
Nachfolgeschaft des Dr. Bohlmann in Vüttlingen zu 
ibertragen. 
Vorstehende Reuregelung soll mit sofortiger Wir 
tung durchgeführt werden. 
Mit Rücksicht darauf. daß die Kursprengel Uchtel 
langen und Wiesbach in ihrem bisherigen Umfangt 
auf die Dauer nicht lebensfähig sind, nimmt der Aus 
schuß von einer Reubesetzung der Repierarztstelle ir 
Uchtelfangen Abstand. Es wird vielmehr beschlofsen 
die beiden Sprengel zu vereinigen und die Verwal— 
tung dieses neugebildeten Sprengels dem bisherigen 
Knappschaftsarzt des Sprengels Wiesbach. Dr 
Augustin, mit dem Sitz in Üüchtelfangen zu über 
ragen. 
Vorstehende Neuregelung soll mit sofortiger Wir 
unga durchgeführt werden. 
J 
Reichsinralidenrentenempfünger 
welche außerhalb des Saargebietes wohnen und vor 
einem Versicherungsträger des Saargebietes die 
Reichsinvalidenrente erhalten, bekommen bekanntlig 
uuf Antrag von der zuständigen Landesversicherungs 
anstalt im Reich, den Reichszuschuß in Goldmark'a 
. April ds. Is. ausbezahlt. 
Schon vor Monaten wurden Anträge auf unsere 
Anweisung hin gestellt. Da die Zahlung des Zu— 
schusses noch nicht erfolgte, haben wir uUns am 6. Aug. 
beschwerdeführend an das Reichsarbeitsministe rium 
Berlin gewandt. Dasselbe ließ uins am 22. Septem⸗ 
ber durch das Reichs versicherͤůngsamt Berlin mit 
teilen, daß erst bei einer Anzahl Bezugsberechtigter, 
die Ermittelungen abgeschlossen seien und jetzt die 
Zahlungsanweisung beschleunigt veranlaßt würde 
Die Antragsteller seien über die Verzögerung beson⸗ 
ders benachrichtigt worden. 
Da auf unseren Antrag vom 6. August die Antwort 
so spät einging, haben wir uns am 17. Septem ber 
erneut beschwerdeführend an das Reichsarbeits— 
ministerium gewandt, mit dem Ersuchen, doch zu ver 
anlassen, daß die Auszahlung beschleunigt durchge 
führt werde. Wir beantragten in den Fällen, wo die 
notwendigen Unterlagen in etwa noch nicht beschaff! 
seien, mit Rücksicht auf die große Rot der Bezugs 
berechtigten den Reichszuschuß vorschußweile aus 
zahlen zu wollen. 
Wie ja in dem Schreiben des Reichs versiche rungs⸗ 
amtes vom 22. 9. mitgeteilt, werden demnächst die 
Keichstn validen rentenempfänger außerhalbe des 
Saargebietes in den Besitz ihrer Goͤldmarkbezůg— 
tomnen. 
Wie aus Vorstehendem ersichtlich, geschieht durd 
den Gewerkverein christl. Bergarbeiter alies, um du 
NRotlage der außerhalb des Saargebieles Wohnen 
den. zu lindein. Es ist deshalb auch Pflicht diese. 
Kameraden, gegen solche Menschen, die das Gegentei 
hehaupten, nicht so bertrauensfelig zu sein. A.. 
—U 
Hawergden 
Grube Seinis. In einer Sitzung des Tarifaus 
chufses vom 24. September kamen eine Reihe B— 
chwerdeiölle zut Verhandlung. Zunächst lehn der Vo. 
itzende eine Verhandlung über zu spät eingelegie Be 
schwetden ab. Die Frist zum Erheben der Beschwerde 
nicht eingehalten worden. Eine eingereichte Beschwerd 
wurde von dem Kameraden zurückgenommen. Zum Ab 
holen seiner Deputatkohlen bat ein Belegschaftsmitgniet 
einen Autobesitzer beauftragk. Von diesem wurde di— 
rechrzeitige Abjuhr versäumt. Es wird empfoblen. du 
Heneraldirektion um eine Gültigichreibung der Ausweis 
auzugehen. In der Lohnbesywerde des Kamcraden Wol 
onnte eine Einigung nicht erztelt werden. Die Angt 
aenheit wird dem Sauptauchusß überwieseun Des— 
NRunmer 41 
— òTSCSCCC ——— — — 
atleichen etiolgt Ueberweisung in der Beschwerdesache de 
Tameraden Uhl. Eine weitere eingereichte Beschwerde 
wonach ein Kamerad einen nicht erbaltenen Voischun 
der Höbe von 50 Franken vom Lohn in Abzug gesteun he 
tam. wurde erlediagt. Das Geld war inzwischeu zun 
—XVL 
Grube Manbach. Aus dem Revier des Fabrsteiger, 
Zümmel. Dieset beschwerle sich vor ein ger Zeu benn 
Befahren über die „Zeitungsschmiererei“. Etr meinte, voꝛ 
dem Bruch bekommt ihr nichts vergütel, ihr hätiet auf 
oassen sollen. In den Zeitungen herunischmieren“ i 
„im Zuge schwätzen“ ist gar nicht nötig. Es scheint un 
doch, daß es dem besagten Herin unangenebm ist, in del 
richtigen Weise in der „Zeitung“ koönterieit zu werden 
Wir können ihm nur verraten. daß uns nichts unange. 
nehmet ist, als uns mit Versonen in unserm Organ be 
schäftigen zu müssen. Wir werden aber dazu gezwungen 
durch das Verhalten gegenübet der Arbeiterschaft. Trit 
hbierin eine Besserung ein, sorgt man in der rechten Weis—⸗ 
für die notwendigen Materialen, jetzt man sich dafür ein 
daß der Beramann einen anftärdigen Lohn erväit und be 
bandelt man die Arbeitet menschenwürdig, dann wird 
unserm Organ kein Veamter mebr gekenneichnet werde 
Alĩg bpiifte 
Srtube Vaybach. Wie wir schon einmal mitteilten, be— 
ährt die Abt. 14 4uf der Nachischicht Fahrhauer E. Wi 
alaubten, daß unsere damalige Rotiz eine Besserung be— 
wirkte. Das scheint aber nicht der Fall zu sein nach weiter 
eingegangenen Zuschriften aus dieser Abtellung, So winr 
Klage geführt. daß der genannte Fabrhauer' die Ver 
bauer, meistens ältere Bergieute, „auf der Mugk“ habe 
Piehrmals sei besbachtet worden daß er duntel“ jrgend 
wo gefessen habe, um die Leute zu belauschen. Einmal is 
eine Arbeit nach der notwendigen Schietarbeit zu Brug 
gegangen. Schwupps machte der Fahrhauer den Leuite 
den, Vorwurf, sie hätten nicht genügend verbaui gehab 
obschon noch festzustellen war, daß genügend verbaut war 
Doß der Bruch fiel, lag an dem schlechten Sangenden, di 
eine Verwerfung auf die andere folgle Den Leuten nu 
zu sagen, wenn ich Abteilungssteiger wäre müßtel ihr mi 
den Schaden bezahlen, geht doch über die Hutschnur. Be 
solcher Behandlungsweise kann nman es schon verstehen. 
wenn die Leute über das Benehmen des Fahrhauers au 
gebracht find 
Grube Manbach. Ausschußsitzung am 8. Sepibr. Lohb 
rage. Die Sicherheitsmänner beschwerten sich, da 
mmer noch Kameradschaften vorhanden sind, die unte 
dem vereinbarien Durchschnitislohn von 10 Franken am 
Gedinge verdienten. Sie wiesen die Behauptung, 
Schuld liege bei den Arbeitern. energisch zürüce 
Schuld liesge einzig und allein auf Seiten der Be 
waltung. die den Arbeitsverhälrnissen nicht Rechnuns 
trage und das Gedinge zu niedrig bemesse. — Woeillte 
wurde beantragt, den Leuten, die in der Förderung sind 
und gans dieser Arbeit nachkommen müfsen. den Lohn der 
Förderaufseher nebst Fördetprämie zu geben und sie nicht, 
wie in der letzten Zeit es geschehen, als Vorbauer zu ent— 
lohnen. Die Sache soll geprüft werden. Auch der Ankrag 
wird geprüft, zwei Haspelführer, die nebenbei noch ander 
Arbeiten verrichten wüssen, in eine höhere Loknklasse 
aufrücken zu lassen. Betriebsfragen. Es wird der 
Antrag gestellt, daß die Leute, die Sonntags arbeiter 
müssen, in der Woche dann nicht eine Schicht feiern 3 
lassen.‚ Prüfung wird zugesagt. Besserung wird zugesag 
bett. Veschwerde über schlecht laufende Wagen, schlech 
zereinigte Lampen, schlechten Zustand der elektrischen 
Lamhen, Mangel an volz, stärkere Leuchtkörper an ve 
Hebschachten und Veleuchtung des Holsplabßes. Ver 
schiedemnes. Die Beschwerde betr. schlechter Boeleuchtum 
des Quierschieder Weges soll geprüft werden. De 
weiteren wird die Anlegung des abgelegten Kamerade 
Backes beantragt sowie die Auistellung von Satzungei 
füt den Kaffeeküchen-Ausschuß. Die Satzung sei in d 
Ausarbeitung und würde demnächst ausgebändigt 
Grube Friedrichs:hal. In der Ausschußsitzung am 
september wurden in den Tarifausschuh gewähle: 
Friedrichsthal unter Tage: Albert Wagner, 
Ersatzmann: Rausch. 
Manybach unter Tage: Nikolaus Krümer, 
Ersatzwann: Jatkob Blaß. 
Maybach über Tage: Frank 
Ersaßmann: PVoöcker 
Danksogung. Dor Belegschaft des Gegenorischachtes 
Hrube Kohlwald, sage ich für die Sammlung von 751 40 
Irancen anläßlich des Ablebens meines Sohnes herslichen 
ank 
Frau Witwe Vresser, Ottweiler 
Nachruf. Unsere Zaßklstelle erlitt einen sehr schweren 
Worlust durch das Ableben des Vorsitzenden Johann 
Knoblauch. Er grindete die hiesige Zahlstelle in 
schwetet Zeit und blieb seirdem treuet Kämpfer des Ge— 
werkpereins, auch in einer Zeit, als die Zablsstelle uünter 
zugehen drohte. Wohl keiner Konferenz und größere; 
Veranstaltung des Gewerkvereins blieb er fern und wußt— 
mit gesundem Humst alle Schwierigkeiten zu meistern 
Das Andenken an diesen Braven wollen wir dadurd 
indem wir seinen Opferwillen allacit nachabmen 
vollen 
Der Vorstand der Zabljtelle Geislautern 
Vekanntmachung 
Der 41. Woche nbeitrag (Woche vom 3. bis 9. Oktober 
ijt in dieser Woche fölli«. 
— 
Firr die Redakrion verantwortlich: P. Kiefer. 
Pern. des Gewertvereins christl Bergarbe ter Deut'ktand. 
Druch: SCnarirricket Druderei und Verlagn A. 6
	        
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