Full text: Der Saarbergknappe (7 [1926])

Seue? „Der Saar⸗Bergknappe? 
ten sie doch in erster Linie den schädigenden Bruder⸗ mit in das Geschimpfe ein. Die Gegner sind in der 
kampif innerhalb der freien Gewerkschaften einstellen Hinsicht anders eingestellt. Sie suchen nur immer be 
und deren wirtschaftlichen Bestrebungen übern üns nach Splitterchen, um die Riesenbalken bei sick 
bie politischen Zieie des Kommunismus stellen, elbst zu verdecken. Würden unsere Mätglieder all 
Fürwahr, die Kommunisten find die ietzten Verdächtigungen der Gegner rejolut abwehren und 
die berufen sind, einer Einheitsorganisation ihre Otgaänisation verteidigen — so wie die Gegner 
das Wort zu reden. Die Spuren ihres Wirkens sind das für sich tun — dann würde bald Ruhe auf der 
Zerietzung und Zerstörung. Daher wird kein wahr ganzen Linie einkehren und der Verdächtigungsfeld⸗ 
haft christlicher Arbeiter ihrem Sirenenruf folgen. zug wäre erledigt. Also mehr Mannesmut und Rück⸗ 
Geradezu tölpelhaft ist die Verdächtigung betr gratfestigkeitt Und sodann: Gewinnt alle 
„verräterischer Haltung der christlichen Gewertischafts christichen Bergleute für den Gewerk— 
führer“. Ausgerechnet die Leute streuen eine solche vVerein! 
Verdüchtigung aus, die sich vor gar nicht langer Zeit 
als vorübergehend eine „waschechte“, d. h. Mostau 
blindiings ergebene und eine weniger waschechte 
kommunistische Partei sich gebildet hatten, gegenseitig 
im Landesrat als „Strolche und Lumpen“ uütulier 
den. Wenn Familienmitglieder sich gegensekn solch 
Titel zulegen, ist für uns jeder Anlaß genommen, an 
der Wahrheit derselben zu zweifeln. Und ausgerech 
net von der Seite wird christlichen Gewerkschafts 
führern der Vorwurf „verräterischer Haltung“ ge 
macht, ohne daß auch nur der Schatten eines Be— 
weises angetreten würde! Es wird halt die alte 
Merhode beliebt: den Mitgliedern schmeicheln und 
den Führern vor den Bauch treten. Die „Arbeiter— 
zeitung“ glaubt, wenn sie die Führer der christlichen 
Gewerkschaften verdächtigte, fiele ihre Parole auf 
günstigeren Boden. Sie vergißt nur das eine, daß sie 
fast täglich auch die Führer der freien Gewerkschaften 
in der schlimmsten Weise anpöbelt und des „Arbeiter⸗ 
verrats“ bezichtigt. Kämen also die christlichen Ar— 
beiter der Parole der — nach, dann 
gelangten sie nach den Urtesten der genannten Zei— 
tung doch nur vom Regen unter die Traufe. Die 
„Arbeiterzeitung“ und ihr Anhang sollen zunächst 
mal dafür sorgen, daß in ihren eigenen Reihen sich 
keine Verräter befinden; wie die Geschichte bewiesen 
hat, gibt es im christlichen Gewerkschaftslager keine 
Arbeiterverräter. Schliche fich mal ein unsauberer 
Potron ein, dann wäre seine baldige Unschädlich 
machung ficher. Die „Arbeiterzeitung“ mag daher ge— 
trost vor der eigenen Türe kehren. da liegt Dreck und 
Schmutz übergenug zum wegräumen. 
Wir haben die Auslassungen der „Arbeiterzeitung“ 
deswegen etwas näher unter die Lupe genommen 
weil wieder auf allen Arbeitsstätten gegen die christ 
lichen Gewerkschaften gehetzt wird. Daß bei diesen 
hetze besonders die Fuhrer mitgenommen werden, 
versteht sich am Rande. Diese systematische Hetze iss 
einmal eine Folge der kommunistischen Anweisungen 
sodann aber auch der Parole freier Gewerkschaften 
alle Arbeiter in einer Gewerkschaft zu vereinigen 
Schon oft haben wir nachgewiesen, daß die Gründe 
die zur Bildung der christlichen Gewerkschaften führ 
ten, auch heute noch unvermindert fortbestehen. Be 
trachtet man sich die unfruchtbaren Auseinander 
setzungen und Bruderkämpfe zwischen Sozialdemo 
traten und Kommunisten innerhalb der freien Ge 
werkschaften, dann muß man zu der Ueberzeugung 
kommen, daß auch heute noch politisch neutrale chrift 
liche Gewertschaften gegründet werden müßten, so 
fern jolche nicht beständen. Es ist doch ein wahrer 
Segen für die deutsche Arbeiterschaft, daß die christ 
lichen Gewerkschaften vorhanden sind. Sie können 
infolge ihrer inneren Geschlossenheit, die eine Folge 
geistiger Uebereinstimmung ist, ihre ganze Kraft der 
Arbeiterschaft widmen. Hier wird keine Kraft nutz 
losen politischen Auseinandersetzungen und Hirnge 
spinsten geopfert. Noch kürzlich stellte ein englische 
Arbeiterführer, A. G. Church — der längere Zei 
hindurch Deutschland bereifte und die christliche Ge— 
werkschaftsbewegung studierte — in einem Bericht an 
die englischen Gewerkschaften und die englische Ar— 
beitspartei fest, daß die christlichen Gewerkschaften 
„eine tatsächliche Macht“ im deutschen Volks— 
leben darstellen. Diese „tatsächliche Macht“ müssen die 
christlichen Arbeiter im Interesse der Gesamtarbeiter⸗ 
schaft stark und kräftig erhalten. Heute und zukünftig 
ist das notwendiger als je. Auf der anderen Seite 
mögen die Kommunisten und Freigewerkschaftler 
ühren Ruf nach „Einheitsorganisationen“, die ja doch 
nur ein schöner Traum bleiben l(aber aus durchsich— 
tigen Agitationsgründen doch gefordert werden) ein— 
stellen und dafür sorgen, daß erst mal Einigkeit in 
ihren eigenen Reihen einkehrt. Ist das erreicht, dann 
können die beiden großen Gewerkschaftsrichtungen — 
christliche und freie — soweit wirtschaftliche und 
soziale Fragen das fordern und ermöglichen, noch er⸗ 
folgreicher als bisher gemeinsam für die Arbeiter 
tätig sein. Voraussetzung dazu bleibt allerdings der 
beiderseitige ehrliche Wille, die Selbständigkeit der 
anderen Richtung unangetastet zu lassen und ihre 
grundsätzliche Einstellung zu respektieren. Das fromm! 
der Arbeiterschaft viel mehr, als das Propagieren 
einer an fich unmöglichen Einheitsorganisation. 
Nun noch ein ernstes Wort an unsere Mitglieder: 
Bei dem Kampfe, der zur Zeit gegen die christlichen 
Gewerkschaften und insbesondere ihre Führer geführt 
wird, darf man auf Verleumdungen und Ohren— 
bläsereien nicht wie ein Klotichweib hereinfallen. In 
der Hinsicht lassen unsere Mitglieder es vielsach an 
der notwendigen Rückgratfestigkeit fehlen. Kommen 
die Gegner mit irgend einer Ente, dann lassen sie 
aleich den Kopf hängen und stimmen oft auch noch 
Nummer 84 
— — — — — — 
von Verwandten im Reiche, oder indem ihre Söhne 
dort studieren, gewisse Markzulagen erhalten. Für 
das laufende Jahr 1926 werden an Verheiratete ein 
malige Beihilfen bis zu 300 Mark, für Ledige bis zu 
240 Mark gewährt. Sämtliche im Saargebiet pen— 
fionierten Beamten erhalten ab 1. April 1926 die 
gleichen Pensionen wie im Reiche. Da die Preise bei 
uns immerhin etwas niedriger sind, stehen sich die 
pensfionierten Beamten hier erheblich besser, als wenn 
tie im übrigen Reiche wohnten. Die vorgenannten 
Zuwendungen werden nur solchen Beamten gewährt 
die bereits am 1. Mai 1920 als deutsche Beamten in 
die Dienste der Saarregierung beurlaubt wurden 
Alle von der Saarregierung gemachten Beamten er— 
halten keine Zuwendung. Auch die Kommunal— 
beamten, die ja keine Reichs- oder Staatsbeamten 
sind, gehen bei diesen Reichszuwendungen leer aus. 
Man darf mit Recht gespannt sein, welche Folgen der 
Beschluß des Reichskabinetts bei den Saar beamten 
die leer ausgehen, haben wird. 
Die Arbeiterschaft ersieht wieder einmal, wie mit 
zweierlei Maß gemessen wird. Sie hat unter der 
Fremdherrschaft politisch, seelisch und wirtschaftlich am 
meisten zu leiden, sie aber frägt man nicht, ob fie mil 
ihrem Lohn auskommt und ob sie nicht auch Mark— 
ausgaben zu leisten hat. Mit dem Beschluß den 
Reichsregierung einem Teil der Beamten Zuwendun—⸗ 
gen zu geben, wird ein Keil in die Bevölkerung ge— 
trieben, dessen politische Folgen noch nicht abzusehen 
sind 
Die Lohnregelung für den Monat Auguft 
In der Nummer 32 ist mitgeteilt, daß anläßlich der 
Verhandlungen am 31. Juli die Bergwerksdirektion 
das Zugeständnis machte, für den ganzen Mongat 
August den Multiplikator 215 bei allen Lohngruppen 
zur Anwendung zu bringen. Mit diesem Zugeständ⸗ 
nis der Bergwerksdirektion gaben sich die Organisa—⸗ 
tionsvertreter nicht zufrieden. Sie versuchten einen 
höheren Multiplikator zu erzielen sowie eine gleoch 
hohe Lohnaufbesserung für alle Gruppen. Leider 
zeigte die Bergwerksdirektion kein weiteres Entgegen⸗ 
kommen mehr. Nachdem auch die mittlerweile unter⸗ 
nommenen Schritte zu keinem anderen Ergebnis führ⸗ 
ten, ist es wohl angebracht, die auf Grund des Multi⸗ 
plikators von 215 für den Monat August für die ein⸗ 
zelnen Gruppen sich ergebenden Löhne zwecks schneller 
Orientierung hier bekannt zu geben. Die Julagen, 
die gemäß den in Nummer 31 veröffentlichten Bedin⸗ 
gungen gewährt werden, bleiben bei der Berechnung 
außer Ansatz. Sie find ja in ihrer Höhe verschieden, 
weshalb es am besten ift, fie außer Ansatz zu lassen. 
Jeder Kamerad, der irgend eine Zulage bezieht, ist 
ja selbst in der Lage, die Zulagenhöhe für Augusi an 
Hand des Multiplikators 215 zu errechnen. 
Die Löhne des ainzelnen Gruppen für den Monat 
Auguit: 
Gedingehaue 
Durchichni 
Nindestlohn 
Unter Tase 
Grupre 1 
Sruppe 2 
Gruppe 3 
Ueber Tase: 
Gruppe 1 8— 0 215 231,17 1.16 
SGruvpe 2 720 6,550 215 28,48 1,098 
bruvpe 3 6.bß 6.530 215 28.16 1.064 
Wie berechtigt die Forderung der Organisationen ist, 
jür alle Lohngruppen eine gleichhohe Lohnaufbesse— 
rung zu bewilligen, zeigt die Steigerung der 
Lohnspanne zwischen Hauerdurchschnittslohn 
bezw Lohn der 1. Gruppe unter Tage und der 3. 
Gruppe über Tage seit Monat April ds. Irs. Erst— 
malig kam der starre Multiplikator im Monat Mai 
ds. Irs. zur Anwendung, der, weil die Lohnhöhe der 
einzelnen Gruppen voneinander abweicht, die Lohn⸗ 
spanne zwischen den einzelnen Gruppen vergrößern 
muß. Lassen wir den Vergleich reden: 
vauerdurchschnitislohn Gruvrze 3 über Tage Unterlschled 
Avril 30,50 Fr. 24,25 Fr. 62 Ir. 
Aus ust 25,47 Fr. 28,16 Fr. 721 Fre. 
Lohngrupbe n1 unter Gruppe 3 über Tage Unterlchted 
Tagse 
Avril 28,25 Fr. 24,25 Fr. 4 Fet 
Aungust 32,89 Fr. 28.16 Fr. 472 Ir. 
Weicht die Bergwerksdirektion von ihrem bisher 
beliebten Standpunkt nicht ab, wird die Lohnspanne 
sich weiter vergrößern. Daß dieser Zustand ein un—⸗ 
haltbarer ist, bedarf keiner näheren Begründung. Wir 
geben zu, daß es nicht möglich ist, die Löhne aller 
Gruppen gleichmäßig zu gestalten, weil das in der 
Natur der Arbeitsverrichtung begtündet liegt. Die 
Lohnspanne war aber im April schon so groß, daß fie 
keine weitere Vergrößerung erfahren durfte. Alle 
Arbeiter leiden unter der Teuerung, alle müssen 
daher auch einen solch' hohen Lohn beziehen, der 
ausreichend ist, der Teuerung gerecht zu werden. Mas
	        
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