Full text: Der Saarbergknappe (3 [1922])

Samstag den 22. April 1922 rBergknapper 
2 i * 
Internutiongle —Bou Gewert⸗ ãAongreß der christlichen Bergarbeiter⸗ 
Internationale 
scha tshewegung Auf einer am 27. Februar stattgefundenen Sitzung des 
orbereidbenden Komitees der christl. Bergarbeiterinternatio⸗ 
ale wurde beschlossen, vom 15. bi3 17. Juni to2ꝰ den 
Internationaler Bund der christlichen .Kongreß der christl. Bergarbeiterinternationale in Inns— 
Gewerkschaften und Genua ruck abguhalten. Außer der Beratung der Satzungen 
7* nd der Beiträge sollen Berichte erstattet werden über den 
Am 6. April tagte in Frankfurt a. M. der Vor- hustand der Bergbaumnduftrie in den vberschiedenen Län— 
stand des Internationalen Bundes der christlichen Ge. ern, über Betriebsräte und Kontrollrechtem Boergbau, 
werkschaften. Er faßte folgende Entschließung: ber Arbeitszeit und Urlaub, über das Knappschaftswesen, 
Der am 6. April 1922 in Frankfurt a. M. versammelte Zergarbeiterschutz und Bergbaugesetzgebung, äber Tarifver— 
KLorstand des Internationalen Bundes der rag und Schlichtungswesen sowie über die Frage der So— 
bristlichen Gewerkschaften stellt fest, daß die jalisierung und über das Verhältnis zur sozialistischen 
Wohlfahrt der Gesellschaft, insbesondere die der Arbeiter- zergarbeiterinternationale. 
schaft, die heute durch die aus dem Gleichgewicht gebrachte u 
Wirtschaft gestört ist, insbesondere durch die Unstabilität der 
Valuta und Preisbildung, die Unsicherheit des Marktes und 
die Schwierigkeit des internationalen Austauschese, nur auf 
der Grundlage eines normalen wirtschaftlichen Zustandes 
jesichert werden kann. Dieser Zustand kbann nur verwirk⸗ 
ücht werden durch die Mitarbeit aller für den 
Biederaufbau Europas. Um dieses Ziel zu er— 
teichen, ist es notwendig, daß die dafür jetzt verantwort⸗ 
lichen und zuständigen Regierungen internationale 
wirtschaftliche Verträge abschließen. Unter 
Würdigung der Tatsache, daß diese wirtschaftlichen Verträge 
ine weitgehende Rüchwirkung auf die soziale Lage der Ar— 
beiterschaft haben, ist fich der Vorstand des Internationalen 
Bundes der christlichen Gewerkschaften gleichzeitig bewußt, 
»aß die wirtschaftliche Wiedergesundung Europas nur durch 
zie Sicherung des zoziagalen Friedens, durch die 
berstellung des Gleichgewichts zwischen allen wirtschaft⸗ 
lichen Kräften, durch die Achtung der Rechte und die Er— 
üöllung der Pflichten aller in der Produktion Beschäftigten 
zerbeigeführt werden kann. 
*Gestützt hierauf erhebt der Vorstand des Inter— 
nationalen Bundes der christlichen Gewerkschaften fol⸗ 
sende Forderungen: 
Daß die Regierungen sich in Genua beim Studium 
und beim Abschluß der Verträge leiten lassen von den 
Brundsätzen der christlichen Gerechtig— 
beit und Liebe, daß sie besonders Bedacht darauf 
nehmen, eine Stabilisierung der Valuta zu erreichen 
ind die Konsumkraft der Bevöllerung in den verschie— 
deren Ländern zu heben und auszugleichen; 
daß die abzuschließenden Verträge weder mittelbar noch 
inmittelbar die wohlerworbenen Rechte der Arbeiter⸗ 
schaft schüdigen dürfen, insbesondere nicht die Rechte, 
die bei der Gründung der internationalen Organisa— 
lion der Arbeit in Titel 18 des Versailler Vertrages 
estgelegt worden sind; 
daß die Regierungen sich bei den vorzunehmenden wirt-— 
schaftlichen Maßnahmen von den berufenen Vertre⸗ 
rern der verschiedenen Arbeiterorgani— 
lationen beraten lassen.“ 
Zugverbinobung 
Von den in Lothringen arbeitenden Kameraden 
Rirde es bisher immer als lästig empfunden, daß 
er nachmittaas 3 Uhr von Beningen abgehende 
Zug nur bis Forbach geht, wodurch die im Saargebiet 
oknenden Bergleute keine Verbindung nach der Früh— 
chicht haben. Der Unobhängige Bergarbeiterverband 
st seit längerer Zeit tätig, um die Verbindung für 
iese Berglente wieder herzustellen. Im vorigen Sep— 
ember bezeichnete der kommunistische elsaßlothrin- 
zische Bergarbeiterverband in der „Volkstribüne“ das 
Frsuchen des Unabhängigen Bergarbeiterverbandes 
ach Herstelung einer Zugperhbindung als „ungenü— 
Familie und Seim 
Neben dir sind andere Menschen: Deine Eltern, deine 
Beschwister, deine Freunde und Standesgenossen, deine 
Nitbürger in Dorf und Stadt, deine Volksgenossen. 
Jenseits der Grenge andere Völker, jenseits des Meeres 
viederum andere: verschieden nach Haubfarbe, Sprache, Ge— 
nohnheiten und Sitten. 
Die Menschheit besteht aus einzelnen; aber diese einzel⸗ 
sen sind nicht losgelöst voneinander, es ist keine Vielheit 
on Einzelwesen, wie etwa ein Sack Getreide eine Wielheit 
on Körnern ist. 
Durch eine Menge von Beziehungen sind fie miteinander 
erfnüpft. Eltern, Kinder und Kindeskinder, das ist nicht 
loß ein Nacheinander, ein Kommen und Gehen wie 
»je Stunden und Tage und Jahre; das ist vielmehr auch 
ein Geben der einen, ein Empfangen der anderen. Was 
das eine Geschlecht errungen hat an Besitztürmern, an Er—⸗ 
sebnissen der Forschung, an Fortschritten der Technik und 
er Gesundheitspflege, an Schätzen der Wahrheit und Ge⸗ 
ittung, das soll es weitergeben an das andere, das nach 
hm kommt, und dieses audere soll es weiter entwickeln und 
eitergeben an Kinder und Kindeskinder. 
Was das eine Geschlecht gelitten und gekämpft hat, die 
entbehrungen, die es getragen, die Opfer, die es gebracht, 
us kommt vielleicht nicht mehr ihm gzugute, sondern erst 
em späteren Geschlecht, gleichwie der Enkel sich an den 
*rũchten des Banmes labt den einfst der Mne pflangte. 
Und was das eine Geschlecht gesündigt und an Gütern 
er Seele preisgegeben hat, das fälit als ein irdischer Fluch 
—B83 — die folgenden Geschlechter. Die zügellose 
j n 8 Vaters wendet icht selten in die 
3 ußfuüucht des Sobnes und de Enlel aum 
ettler. 
Und die nebeneinander find, die sind wiederum 
icht bloß Einzelwesen, von denen jedes seine eigene Wege 
ehen bonnte. Die einen sind Vorgesehte die anderen Un— 
ergebene, die einen die Häupter, die anderen die Glieder. 
das ist enwweder ein Arbeiten mineinander aus der Ge— 
nnung der Gemeinsamlkeit, der gegenseitigen Förderung 
der ein Arbeiten gege nn einander, ein gegenseitiges Hem⸗ 
ten und Belämpfen aus der Gefinnung der Feindseligkeit. 
Auch deine Lebensarbeit ist entweder aufbauende Arbei 
m Dienste der Familie der Nachbarn, der Standesgenossen 
xr Vollsgenossen, der Menschheit, oder aber — es ist hem⸗ 
nende. störende, vielleicht gar zZerstßrende Arbeit 
Das Vaterhaus 
Wo 's Dörflein dort zu Ende geht, 
Wo s Plüdenrad am Vach sich drebt, 
Da steht im duft'gen Blütenstrauß 
Fin Hüttlein: 's ist mein Vaterhets 
Da schlagen mir zwei Herzen drinn, 
Voll Liebe und voll treuem Sinn; 
Mein Vater und die Mutter mein, 
Das sind die Herzen fromm und rein 
Ddarin noch meine Wiege sieht, 
Darin lernt' ich mein erst' Gebet, 
Darin fand Spiel und Lust stets Raum, 
Darin träumt' ich den ersten Traum. 
Drum tausch ich für das schönste Schloß, 
Wär's felsenfest und riesengroß, 
MNein lebes Hüttlein doch nicht aus: 
Denn 's gibt ja nur ein Vaterhaus. 
Franz Wiedemann 
Mensch und Menschheit 
Woher stammst dud Von deinen Eltern, nicht wahr! 
bon ihnen hast du das Menschsein geerbt. Und deine E- 
ern? Von ihren Eltern; und die? Von ihren Eltern. 
Und so geht die Kette hinaunf bis in die graue Vorzeit, bis 
auf den Urmenschen. Das ist das Bild, wenn du zurück⸗ 
zNickst. 
Und wenn du voranblickst: DOu hinterlässest Kinder. 
Diese wachsen heran, heivaten. Ein neues Geschlecht wird 
ins ihnen heranwachsen, aus diesen wieder ein neues; und 
— 
So reiht fich in der Menschheit Glied an Glied — eine 
anabsehbar lange Kette, die aus der Vergangenheit konrm 
uind in die dunfle ZZukunft verläuf 
Seite 3. Nr. 10. 
jend begründete Wünsche“. Unter diesen Umständen 
var es kein Wunder, daß die Angelegenheit von der 
uständigen Verwaltung verschleppt wurde. Nunmelr 
oflte die Verwaltung dem Unabhängigen Bergarbei— 
erverbande mit, daßab 1. Junider Zugieden 
Zamstag bis Saarbrücken durchgelei— 
et wird. 
lenfürd d Absa 
Kotlerförderung und Absat 
Förderung der Saargruben im Januar 1922. 
Nach der Statiftik der Bergwerksdireklion betrug die 
eine Kohlenförderung (ausgelesen und gewaschen) im 
Nonat Januar auf den vom französischen Staat ausge⸗ 
beuteten Saargruben 842 350 (im Dezember 902 794, und 
auf der Grube Frankenholz, die vom Staat an eine Pa— 
riser Privatgesellschaft verpachtet ist, A 860 (im Dezentber 
25 702) Tonnen. Insgesamt betrug also die Januarförde— 
cung 864 210 (im Dezember 928 496) Tonnen Die Zahl der 
Arbeitstage betrug W,8 (im Dezember 25,4), sodaß auf 
den Arbeitstag eine durchschnittliche Förderung von 34 185 
im Dezember 86532) Tonnen entfällt. 
Die Verteilung der reinen Förderung ging wie folgt vor 
ich: Eigenverbrauch der Gruben 73 405, Lieferung 
an die Bergleute Gerechtigungskohlen) 18200, Lie- 
ferung an die Koksöfen der Gruben 2917, Vertauf 
ind Versand 815 917 Tonnen. Die Gesamtzahl der Aus— 
zänge beläuft sich auf 933 499 To., wodurch eine Ver⸗ 
minderung der Haldenbestände um 609 289 To. einge— 
reten ist. Die Haldenbestände betrugen Ende 
Januar 615 200 To. Kohlen und 822 To. Koks. 
Ende Januar waren beschäftigt: Arbeiter unter Tag 
53 714 (im Dez. 533 920), ü ber Tag 16 244 (im Dez. 1631), 
nuf den angegliederten Betrieben 2242 (im Dez. 2203), Be— 
amte und Angestellte 2960 (im Dez. 20978), mithin ge— 
samtes Personal 75 200 (im Deg. 75 874). Die Gesamt⸗ 
elegschaft hat sich um 174 vermindert. 
Die reine Tages förderung betrug auf den Kopf der 
Irbeiterschaft durchschnittlich 6620 (im Dez. 570) Kilogramm. 
E 
Deutschlands Kohleneinfuhr 1921. 
Nach der Zeitschrift „Stahl und Eisen“ hat Deutschland 
im Jahre 1921 aus dem Auslande folgende Kohlenmengen 
ingeführt:; 
Einfuhr in 
aus Tonnen 
kIngand 563 22 
Imerika 78 404 
dollande 57 308 
Belgien 175 
Italien 12 
duxemburg 15 
Saargebiet 16572 
Dãnemark 28 
anderen Ländern 1283 
Insgesamt 702 014 
Die Einfuhr ist nach dieser Aufstellung außerordentlich 
ering. Besonders gering sind die Mengen, die aus dem 
Saargebiet nach Deuktschland gingen. Im Jahre 1918 
vurden rund 10,5 Millionen Tonnen Steinkohlen einge— 
ührt. Jetzt muß Deutschland hingegen monaltlich noch 9 
Du kannst und darfft nicht für dich allein leben; auch die 
ßinsiedler in der Wüste, die fern von allem Weltgetriebe 
em Schöpfer dienten, haben nicht für sich allein gelebt, 
ondern schaffende Arbeit getan im Dienste der Mit- und 
achwelt. 
So stehst du als Einzelwesen da, als Mensch, der ein 
zeben für sich der persönlich eine Geschichte hat, der wächsi 
ind reift; aber trotzdem bist du kein Einzelwwesen in dem 
Zinne, als ob du nun ganz und gar für dich selbst zu leben 
ind zu sorgen das Recht hättest. Von anderen empfängst 
mu, an andere gibst du; tausend Fäden verknüpfen dich mit 
den anderen, mit der Mit⸗ und Nachwelt. 
Du hast Aufgaben gegen dich selbst, Aufgaben gegen die 
inderen; sie lassen sich nicht voneinander trennen. Dein 
eigenes Leben sollst du gestalten, aber auch an der Gestal⸗ 
ung des Menschengeschlechtes teilnehmen, in dem Kreis, in 
»n du gestellt bist: in der Familie, bei deinen Arbeits⸗ 
ind Standesgenossen, den Bürgern deiner Stadt und 
eines Vaterlandes. Du bede utest eiwas für die Mensch«- 
Xit. Je mehr du dein Eigenleben ausgestaltest nach dem 
Willen des Lebensgrundes, Gottes, der dich und die Mensch« 
heit erschuf, desto mehr wirst du tätig und freudig sein, an 
»er Verwirklichung jenes Gedankens, aus dem Gott das 
Nenschengeschlecht erschuf. 
Ein Kreis von Aufgaben ist dir zugewiesen; vielleicht ist 
ex nicht gar groß. Vielleicht bist du kein Führer des Volkes, 
einer, dessen Name in der Zeitung steht. Vielleicht wird 
die Menschheit nach deinem Tode dir keine Kränze winden, 
wie sie es ihren großen Helden tut, sondern dich bald ver⸗ 
essen. 
Darauf aber kommi es nicht an, wie groß oder klein den 
dreis ist, in dem du wirken sollst; auch nicht darauf, vü 
zein Nachruhm hier auf Erden unsterblich ifsft. Sondern 
arauf, daß du durch Erfüllung deiner Lebensaufgaben, o6 
lein, ob groß, deinem Berufe, d. h. deinem Schöpfer dienft. 
dann bist du groß, auch wenn die Welt dich nicht kennt und 
ich vergißt. 
An eine bestimmte Stelle hat die Vorsehung dich gejtellt, 
en einen hierhin, den anderen dorthin. Und an der Stelle, 
vohen du gestellt bist, gilt es, gu schaffen fuͤr dich und die 
Deinigen und das große Gange, gilt es Ewigkeitsarbelt zu 
un mit den Kräften und Gnaden, die dein Schöpfer gerade 
ir verliehen hat, gilt es, das Himmelreich zu erringen. 
A. Heinen, Lebensspiegel“, Volksbereinsverlag
	        
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