Full text : 7.1931 (0007)

1931

SsSaarheimatbilder

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Maria im Kapitol die berühmtesten Beispiele dieser Gat—
tung aufzuweisen hat. Dazu kommen aber noch einige
kleinere Kirchen dieser Art da und dort in Deutschland, so
in Regensburg und in Obernzell auf der Reichenau. Auch
über unser Heimatland hinaus finden wir verwandte
Bauten, namentlich in Südfrankreich, Italien, Rumänien
und sogar im Orient, wo —
diese Formen zeigt. Für die alte christliche Kirche war die
Dreikonchenanlage ein Sinnbild der heiligen Dreieinigkeit.
Wir betreten nun das Innere des einfachen Lang—
hauses; es ist flach gedeckt und bekommt sein Licht durch
einfache rundbogige Fen—
ster. Wie wir am Anfang
in der Mauer zwei einge—
nauerte rechteckige Pfeiler
gefunden haben, so schließt
das Langhaus auch mit
zwei solchen, die alle das—
selbe Kämpfergesims tra—
gen. An die beiden letzte—
ren legen sich aber zwei
weitere Pfeiler mit qua—
dratischem Durchmesser an;
diese tragen zusammen mit
noch zwei anderen das
vpuchtige, auf massiven
Gurtbogen ruhende Kreuz.
gewölbe der Vierung,
uͤber der sich der Turm
erhebt. An diese Vierung
schließen sich die drei uns
don außen schon bekannten
Apsiden an; die kleinen
rundbogigen Fenster sind
bei einer Renovierung im
Sinne des romanischen
Stiles an die, Stelle von
älteren rechteckigen getre—
ten. Der Turm ist früher
höher gewesen. Auch das
Satteldach ist ein Ersatz
aus neuerer Zeit für ein
älteres stilgemäßes Pyra—
midendach; das Stein—
material der Kirche ist
hauptsächlich roter Sand—
stein, zum Teil Kalkstein
aus der Gegend von Böck—
weiler.

der Steine, der sogenannte Charrierschlag, der sich an dem
ioch stehenden Teil der Kirche sowie an den Fundamenten
das niedergelegten Schiffes findet. Doch gibt es auch
Hründe, die für eine verschiedene Entstehungszeit von
Thor und Schiff angeführt werden können. Wir müssen
zie Frage hier auf sich beruhen lassen. Daß die Kirche
wie auch der Hauptchorraum von jeher flach gedeckt waren,
ist sicher; das weist auf hohes Alter hin, da die ältesten
ccmanischen Kirchen in Deutschland alle flach gedeckt waren
und die Einwölbung erst einer späteren Entwicklungsform
des Stiles angehört. Auch die Profile der Kämpsergesimse
auf den Pfeilern zeugen
von hohem Alter. Danach
wäre die Kirche etwa in
das 10. bis 11. Jahr—
hundert zu setzen. Ueber
die Datierung des Apsiden—
chores sind die Meinungen
sehr geteilt. Die Klee—
blattform kommt sehr
frühe vor, namentlich bei
Friedhofs-Kapellen, es
könnte mithin unser Bau
ursprünglich eine solche
gewesen sein, an die dann
später das Langhaus an—
gebaut worden wäre, um
Raum für eine Gemeinde
zu gewinnen.
Werfen wir noch einen
flüchtigen Blick auf die
älteste Geschichte des Dor—
fes, so werden wir sehen,
daß von hier aus wenig—
stens an einem Punkte
ein erhellender Lichtstrahl
fällt auch auf die Geschichte
des Kirchengebäudes. In
ältester geschichtlicher Zeit
haben Kelten in dieser
Gegend gehaust, Bronze—
funde beweisen das;
wahrscheinlich handelt es
sich um den Stamm der
Mediomatriker, die in
Diviodurum, dem heutigen
Metz, ihren Hauptsitz hat—
ten. Bekanntlich pflegten
die Kelten in Ringwällen
Schutz zu suchen vor ihren
Feinden, und möglicher—
weise hat es auch in der
Gegend von Böckweiler
auf einem geeigneten Ge—
lände einen solchen ge—
geben. Dann kamen die
Römer, und wir wissen,
daß, abgesehen von der Rheinebene, kein Teil der Pfalz so
dicht mit römischen Siedlungen besetzt war wie der Unter—
auf der Blies. Auch unter der Kirche hat sich ein römisches
Fundament gefunden, und man darf daran erinnern, daß
überhaupt kirchliche Bauten gerne auf römischem Grund und
Boden errichtet wurden, und auch sonst sind römische Funde
in Böckweiler zahlreich.
Ob Allemannen dann in den römischen Besitz ein—
gebrochen sind, ist nicht ganz sicher, aber wahrscheinlich,
jedenfalls wird unsere Gegend um 9697 herum fränkisch
Die etwaigen Reste allemannischer Bevölkerung sind von
den Franken aufgesogen worden. Es entwickelt sich das
nerovingische Königreich und wird abgelöst von dem
darolingischen, und nun tauchen zum ersten Male Namen
don Grafen des Bliesgaus auf. Wichtig ist, daß der Blies—
zau, der im Vertrag von Verdun zu dem lotharingischen
Zwischenreich geschlagen wurde, im Vertrag von Meersen
um ostfränkischen, also zum deutschen Reiche gewiesen
purde. Vorher aber vollzieht sich in der kirchlichen Geschichte

Was wissen wir über
die Geschichte dieser Kirche?
Zunächst einmal dies, daß
sie früher eine Kloster—
kirche war, wovon später
noch die Rede sein soll.
Dann aber vor allem, daß
im Jahre 1580 die seht
schmalen Seitenschiffe der Kirche niedergelegt wurden, um
dadurch den Kirchhof zu erweitern. Auch das eigentliche
Langhaus verschwand im Laufe der Zeit, so daß, was wir
bis jetzt als „Langhaus“ bezeichnet haben, genauer gesehen,
der ursprüngliche Hauptchorraum ist, an den sich die drei
Apsiden mit ihrem Mittelquadrat 'anschlossen. Daß dieser
Chorraum annähernd so groß war wie das Schiff, darf
uns bei einer ehemaligen Klosterkirche nicht wunder
nehmen, ist vielmehr sogar die Regel. Die Säulen, die einst
Mittelschiff und Seitenschiffe trennten, sind heute noch in
der Friedhofsmauer aufzufinden.
So ist manches klar geworden, manches bleibt aber
auch noch rätselhaft an unserer kleinen Kirche. So ist zum
Beispiel recht seltsam die Verbindung des Apsidenraums
mit dem Hauptchor, wo sich in eigentümlicher Weise eine
kleine Mauer dazwischen schiebt, anders als bei anderen
Kirchen dieser Art. Auch das wissen wir nicht sicher, eb
für Chor und Langhaus verschiedene Bauzeiten in Betracht
ommen. Dagegen spricht eine eigentümliche Behandlung

Innenansicht des Chores gegen Nordosten
            
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