1931
Saarheimatbilder
Seike 30
Tannendickicht am Wege zeigte phantastische Gebilde und die
höher gelegenen Ortschaften boten in ihrer Umgebung
mächtige Schneegehänge, wie sie der besuchteste Wintersport—
ort auch nicht besser aufzuweisen vermag. Aber, wie schon ge—
sagt, die Winterherrlichkeit dauert hier in der Regel nur zukurz
an, als daß sich ein wintersportliches Leben und Treiben
hier richtig entfalten könnte. Man muß sich auf vorüber—
gehendes Rodeln und Schlittschuhlaufen auf den Weihern
beschränken. Doch finden wir im St. Johanner Stadtwald
eine ganz beachtliche Rodelbahn mit Kurven und schwie—
rigen Windungen, die die Abfahrt verlockend gestalten.
„Hält“ der Schnee, dann entfaltet sich hier ein recht bunt
bewegtes Wintertreiben, natürlicher und ursprünglicher
noch, als es sich an den Modesportplätzen bietet, denn es
wächst mehr aus dem Primitiven heraus, und die Freude
daran ist natürlicher. Seltener sehen wir auch Winter—
sportler mit ihren Gleitbrettern auf die Höhen ziehen, sie
müssen aber in der Regel höher nach dem Hunsrück und
Hochwald hinauf sich begeben, um die Freuden schneller
Abfahrten zu genießen.
Wer aber als Zuschauer zu unserem heimischen Winter—
sport in den Wald und auf die Höhen wandert, der nimmt
in sich auf auch die Schönheit des Winters in der Natur.
Rein ist die Luft und weit der Blick und wir brauchen nicht
in die Ferne zu ziehen, denn unsere Saarheimat zeigt auch
uns den Zauberer Winter in seiner vollen Kunst. Wandern
wir mit unserem Freunde Max Wentz durch unsere Saar—
landschaft im Winter. Er hat für die Leser der „Saar—
heimatbilder“ mit seiner treffsicheren Kamera und seinem
nach Natureindrücken gerichteten Blick wieder einige Aus—
schnitte festgehalten, die dem aus dem Saarlande stammen—
den Beschauer im Reiche die alte, liebe Saarheimat wieder
aufleben und ihn im Geiste wieder an die Saar zurück
kehren lassen werden, wo es doch am schönsten war, da er
die goldene Jugendzeit mit ihren tiefsten Erinnerungen
hier verleben durfte. Und solch ein mit der Heimat ver—
knüpfendes Band sollen ja unsere „Saarheimatbilder“ sein.
Von eigenartiger Wucht ist unser Titelbild, der „Blick
vom Höcherbergturm auf die Grube Frankenholz“. Düsteres
Schneegewölk. von den Strahlen der scheidenden Sonne
Am Mettlacher Parkweiher.
durchbrochen, lastet über die weite, im weichen Schneebett
liegende Fläche. Inmitten die rauchende Esse und das
Fördergerüst der Grube, umgeben von den Siedlungs—
häusern der Bergleute. Sonst schwer atmende Stille auf
dem weiten Plan, alles wird
zugedeckt von dem Linnen—
gewebe des Winters. Tief
unter dieser ruhenden Weite
wissen wir den Bergmann im
Dunkel des Schachtes, uner—
müdlich den schwarzen Dia—
manten zutage schaffend, das
eigentliche Brot allen Lebens
da oben. Wahrlich, ein echtes,
charakteristisches Saarbild,
wie es in dieser Eigenart
wohl sehr selten erschaut und
festgehalten worden ist. Doch
nun gehen wir mit Wentz in
die atmende Stille des Wal—
des hinein. Mutet es nicht
wie der Märchenzauber aus
„Hänsel und Gretel“ an, das
„Waldhaus im St. Johanner
Stadtwald“, im Schmuck des
Schneebehanges wie ein
„Knusperhäuschen“ anzu⸗
schauen. Daneben der Gegen—
satz schneebehangener Tannen
zu dem Geäst der Buchen mit
den Silberfäden der Schnee—
bekleidungim Gezweige! Stille
Winterandacht atmet auch das
Aus dem St. Johanner Stadtwald