Full text : 7.1931 (0007)

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Seite 38

saarheimatbilder

1931
Müßig die Frage, welche Jahreszeit die schönste sei, ist
es doch gerade das Neue in der Veränderung, das die
Menschen fesselt und nach den Schönheiten darin suchen läßt.
Und wer sucht wird finden, sagt ein altes Sprichwort. Und
so empfinden wir immer wieder aufs neue die wechselnden
Schönheiten in der Natur, auch wenn sie uns im Winter—
kleide entgegentreten. Er hat weniger Farben auf seiner
Palette, der Winter, aber ein meisterhafter Maler ist er
doch, der mit einfachen Mitteln große Wirkungen zu erzielen
vermag. —Auch bei uns im Saargebiet zeigt er seineKunst. Zwar
wenig schön ist der Uebergang durch graue Novembertage
in trübem kalten Regendunst. Bald aber zieht der Winter
auch strengere Saiten auf. Vom Himmel rieselt ein fröh—
liches Schneetreiben herab und in frischem Weiß leuchten
uns die Höhenzüge entgegen, die auf ihrem Lauf die Saar
begleiten. Freilich, wer bei uns den Winter wirklich kennen—
lernen will, der muß hinaus aus der Städte Enge in die
Wälder und auf die Höhen wandern, denn nur zun oft ist
das prächtige Winterkleid nur von recht kurzer Dauer, und
in der Nähe der Städte und Ortschaften zeigen sich bald
häßliche Flecken darin, ein Schneematsch undefinierbarer
Färbung, der nur wenig Freude auszulösen vermag. Aber
die Visitenkarte seiner Zaubergestaltung gibt der Winter
auch bei uns im Saarlande ab, wenn die frostklirrenden
Tage durch den Januar ziehen. Im kristallenen Schmucke
des Rauhreifes sind unsere Wälder, Fluren, Höhen und
Gärten so schön wie irgendwo im Reiche, tief senken sich die
Zweige der Tannen unter der Last des Schneebehanges zur
Erde herab und geben uns ein echt deutsches Winterbild
von herber Schönheit. Die Tanne im Schnee ist doch der
schönste Winterbaum. Und zu Zeiten zeigt der Winter
auch bei uns seine volle Härte mit Frost und Schneestürmen,
daß das Plätzchen am wärmenden Ofen beim trauten Schein
der — natürlich elektrischen — Lampe zur Idylle wird. Ein
Wintererlebnis hier seltener Art war es, als ich an einem
solch harten Wintertage hinaus gen Riegelsberg zog. Die
hohen Buchenstämme des Hochwaldes waren an der dem
Schneesturm ausgesetzten Seite bis in die Spitzen mit einer
festgefrorenen kristallisierten Schneeschicht überzogen, die
dem Walde ein schier fremdartiges Gepräge verlieh. Das

Lauschiger Dorfwinkel in Reinheim.
„Nichts ist beständiger als der Wechsel!“ Die Wahrheit
dieser Sentenz beweist sich auch im Wandel der Jahres—
zeiten, die in ewiger Wiederholung sich einander ablösen
und den beständigen Wechsel in der Natur bedeuten. Das
Aufwachen der Natur im
Frühling, das Reifen auf
weiten Fluren in der Som—
merglut, der früchteschwan—
gere Herbst, dem dann das
scheinbare Absterben in Wald
und Flur im Winter folgt,
ein immer wiederkehrender
Wandel vom Werden und
Vergehen. Noch einmal ver—
schwendet die Natur im Herbst
ihre vom Frühling so ver—
schiedene Farbenpracht, bald
aber sinkt Blatt auf Blatt zur
Erde vom kahl werdenden
Geäst der Laubwälder. Nur
das ernste Grün der Tannen
geht mit in den Winter hin—
ein, der bald mit erstarren—
dem Frost dem Wachsen Ein—
halt gebietet. Schlummert
nun auch scheinbar in Wald
und Flur die Natur, so ist
das Leben doch nicht aus—
gelöscht, denn neues Wachsen
bereitet sich im Winter schon
vor, um im Frühling den
ständigen Wechsel im neuen
Kreislauf neu zu knüpfen

Saarbrücken. am Walbdhou—
            
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