1931
Saarheimatbilder
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üd⸗östlich von ihm, weite Gebiete Lothringens
umfassend. Saarbrücken hat alte Fachwerkbau—
ten. Sie bildeten wesentliche Bestandteile der
alten Dörfer des Köllertales und der
Prims. Vor allem die Blies zeigt heute
noch, entlang ihrent Lauf von der Quelle
his zur Mündung, daß der Fachwerkbau hier
beheimatet ist. Das ganze Gebiet östlich
der Saar ist von ihm durchsetzt. Zwei im
Werkstoff und damit auch in der Form
zrundverschiedene Baugestaltungen stoßen
damit aufeinander. Das Bild ist freilich
heute nicht mehr klar zu erkennen. Die Zeit
irbeitete für das Steinhaus. Im 18. Jahr-—
hundert hauptsächlich beginnt sein Marsch
gegen Osten. Es gestaltete die Dörfer um,
berdrängte das Fachwerkhaus. Heute ist die
Situation die, daß nur noch wenige Holz—
bauten an der Saar zu finden sind. Die
Gründe, die diese frühe Verdrängung ermög—
ichten, sind leicht zu verstehen. Die unñ—
mittelbare Nähe der großen Steinhausland—
scchaft Lothringen mußte erhebliche Ein—
virkung mit dem Augenblick gewinnen, wo
es notwendig war, in größerem Maßstabe
das Land wieder zu bebauen. Der 30jährige
Zrieg und die ihm folgenden unruhigen
zeiten der Kriege Ludwigs XIV. haben das
Land der Saar fast entvölkert, seine Dörfer
und Städte zerstört. Die WWiederbevölkerung, die
sauptsächlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhuünderts
einsetzte, und die vielfach durch landfremde Elemente
erfolgte, vergaß das Fachwerk fast ganz, errichtete die Neu—
bauten aus Stein. Diese Welle, die 'erst viel später die
nittel- und süddeutschen Räume überflutete, ist heute noch
virksam. Fast ausschließlich wird heute in ganz Deutsch—
sand der Stein zum Hausbau verwendet. Bei uns kam sie
mehr denn 100 Jahre früher wie sonst in Deutschland. Die
Gegenwehr, die das Fachwerk ihr entgegensetzen konnte, war
Leicht zu brechen. Denn, betrachten wir das Fachwerk an der
Saar, so muß uns die Ueberzeugung werden, daß das, was
der Osten in ihm uns gab, nur schwache Gestallungskräfte
jatte. Weder in der Konstruktion, noch in der sonstigen
Ausbildung zeigt der Holzbau hier besondere Leistungen.
Diese westlichen Vorposten germanischer Bauweise sind, ver⸗
glichen mit dem, was der Rhein und die Mosel. das Elsaß
Fachwerkhaus mit vorgekragtem Obergeschoß in Dirmingen.
Aufnahme von H. Keuth.
oder andere weiter gelegene Landschaften uns zeigen, recht
tümmerlich. Sie beschränken sich auf die einfachsten Kon—
truktionen, Wagerechte, Senkrechte und Schrägen bilden
das Gerüst. Zwischen den Balken liegt ein Flechtwerk von
Reisig, das mit Stroh gebundenem Lehm bedeckt ist. Ganz
elten ist das Balkenwerk durch Schnitzereien verziert. Es
iegt meistens unter dem Verputz verborgen, ist so schwer als
Fachwerk erkennbar. Das Gefühl für die Schönheit einer
zurch das dunkle Holz aufgeteilten Fläche bestand kaum, oder
venn es da war, ist es früh verloren gegangen. — Nur in
ganz wenigen Einzelfällen findet man hier an der Saar
Fachwerkhäuser, die von dem Boden auf sich als solche auf—
bauen. Fast immer trägt nur das obere Geschoß diese Kon—
sttruktion. Häufig sind die Fachwerkgiebel. Die Art, das
Obergeschoß aufzubauen, ist verschieden. Es legt sich mit
dem Steinunterbau in eine Fläche, oder kragt vor, d. h.,
es schiebt sich um 20 bis 30 Zentimeter über die Steinwand
hinaus. Die hierbei notwendigen, auffallend
hervortretenden Balkenköpfe, die anderswo
zur Verzierung mit plastischem Schnitzwerk
reizen, hierin die köstlichsten Gestaltungen
in der Volkskunst bringen, sind völlig schmück—
los. Als Sonderheit beobachtet man an der
Blies versenkte Fachwerkwände, die dadurch
entstehen, daß die Giebelseiten des Hauses
aus Stein sind. Zwischen die dicken Mauern
legt sich die Fachwerkfläche.
Zum Fachwerk gehören steile und spitze
Giebel, die früher Strohbedeckung trugen,
zum Hochwald zu mit Schiefer bekleidet
sind. Heute haben sie Flachziegel. Die
Dachkonstruktion ist sorgfältig. Ueberall
finden wir bei den alten Bauten den liegen—
den, süddeutschen Dachstuhl, der ein Pfetten—
dach trägt. Das Eichenholzgebälk wurde mit
riesigem Holzaufwand errichtet. — An das
Vorkommen des Fachwerkhauses binden sich
noch eine ganze Reihe Erscheinungen, die
zwar nicht durch seine Konstruktion bedingt
sind, doch mithelfen, den Charakter des Saar—
dorfes auf dem rechten Ufer des Flusses stark
zu beeinflussen. Sie kamen mit ihm aus
dem mitteldeutschen Landschaftsraum. Es ist
bereits gesagt, daß das lothringische Dorf die
geschlossene Bauweise bevorzugt. Das saar—
ländische Dorf zeigt in seinem alten Kern die
Siedlungsftorm des Haufendorfes
zi Ausschnitt aus einem Haufendorf bei Baumholder.
kin Stilleben der verschiedenartigsten Dinge. Man begachte die starke Rolle, die Baum
und Strauch im Dorfbilde haben. Aufnahme von X. Keute