1931
Saarheimatbilder
Seite 31
fertigkeit zunichte. So ist
unsere Felsnadel jungfräu—
lich geblieben, und wir freuen
uns, daß sie noch heute so
unnahbar ihr stolzes Haupt
trägt. —
Wie schwebt mir noch
sener Sonntag vor Augen,
als ich infolge einer Geburts⸗
tagsfeier, welche bis in die
rühen Morgenstunden dau—
erte, den ersten Zug nach
Serrig verfehlte! Mit dem
nächsten Zug nachkommend,
finde ich meine beiden
Freunde am Fuß des Ser—
riger Felsmassives lagernd,
den unpünktlichen „Dritten
im Bunde“ erwartend. Der
„Bergrat“ beschloß mit
Stimmenmehrheit meine Ver—
urteilung zum „Führer“
und etwas mißgelaunt be—
sestige ich mein Seil um die
hüfte und beginne mich lang
am in der schon zweimal er—
stiegenen „Kinne“ empor—
zuarbeiten. Seltsam! Nie
war mir diese Stelle so schwer
erschienen, ich finde heute
gar keinen richtigen „Griff“.
Nachdem ich mich einige Me—
ter emporgearbeitet habe,
gebe ich mein Vorhaben auf
und entschließe mich zur Um—
kehr, den Spott und das Lachen meiner unten auf das
Kommando „auf“ harrenden Freunde mit in Kauf
nehmend. In der Stille verwünsche ich diese Feier, die mich
aim meine Bettruhe und damit auch um meine Kletter—
icherheit gebracht hatte. Neidvoll blicke ich meinen beiden
Freunden nach, die sich langsam in dem „Riß“ empor—⸗
arbeiten, auf die „Seil hilfe“, die man mir großmütig
gewähren will, verzichtend. Ich lagere mich zu Füßen der
Felsen, um die ver⸗
säumte Ruhe nach—
zuholen, da fällt
mein Blick auf ein—
mal auf eine Oeff—
nung in dem Fels—
palt, welche ich
bisher noch nie
bemerkt hatte. Alle
Müdigkeit ist ver—
gessen, ich klettere
voll Eifer hinein
und entdecke einen
brachtvollen, engen
„Kamin“, der
jast parallel mit
dem Riß von außen
läuft. Flott ar—
deite ich mich em—
dor und treffe fast
gleichzeitig mit mei—
nen Freunden, die
über mein plötz—
liches Auftauchen
aufs höchste er—
staunt sind, am
„Ku lminationspunkte“
ein. Eine
kurze Beratung folgt, meine
neue Anstiegslinie erhält die
Bezeichnung „Wentzels—
tritt“. Unvergeßliche Stun—
den knüpfen sich an diese
Kletterfahrten in der Hei—
mat, wie lieben wir
sie, unsere Scholle!
Und kam die Ferienzeit,
dann zogen wir mit frisch—
fröhlichem Mute in die herr—
liche Bergwelt, unsere Erfah—
rungen und den gestählten
Körper an den Zwei-, Drei—
tausendern erprobend. Was
wurde nicht alles bestiegen,
Säntis, Altmann, Scesa—
plana, Zimba, Litzner und
piele andere Gipfel mußten
sich unsern „Dreibund'e
beugen, bis auf einmal der
Weltkrieg allen weiteren
Plänen ein jähes Ende be—
reitete.
Es folgte eine plötzliche
Trennung, und ein Jahr
päter sahen wir uns auf
wenige Tage in der Heimat
wieder. Die Zeit hatte uns
sehr verändert, nicht nur
innerlich, sondern auch äußer—
lich. So finden wir den ein—
stigen Oesterreicher in der
Uniform der bger, den frühe—
ren Matrosen in der schmucken Feldkleidung des bayerischen
Alpenkorps und den „Ungedienten“ im Landsturmrock
wieder. Wiederum schlug die Trennungsstunde und auf den
verschiedensten Kriegsschauplätzen erfüllten wir drei unsere
vaterländische Pflicht. — Nochmals gab es ein kurzes
Wiedersehen mit einem der Freunde in der Heimat, unter—
brochen durch das Intermezzo eines feindlichen Flieger—
geschwaders. dann kam eine lange Zeit des Getrenntseins,
bis mich an der
Somme im Herbst
1917 die Nachricht
vom Tode unseres
lieben österreichi—
schen Bergfreundes
erreichte. Er war
bei den Flandern—
kämpfen als Ober—
leutnant gefallen
Im November
1918 finden wir
restlichen „Zwe i“
uns wieder in der
Heimat und denken
mit stiller Wehmut
des lieben Berg—
kameraden. —
Eines Tages
zieht es uns jedoch
wieder in unsere
heimatlichen Klet—
terberge, wir wol—
len die unvergeß—
lichen „Rinnen,
Risse und Kamine“
wieder aufsuchen
Der Altfels.
—J——
Axrue vobr
— ———
.. und an einem herrlichen Sommertag ist unsere Gedenktafel in etwa 20 Meter
zöhe an der Wand der »xVWoatplatte“ andebrach