1931
Saarheimatbilder
Seite 27
tingen: Fröhlicher Zecher!
Genügen diese Namen, um dir
zu sagen, welch herrliche Um—
rahmung Saarburg gefunden
hat?
Still, besinnlich liegt das
Städtchen; in den engen, alter—
tümlichen Straßen poltern hohl
unsere Schritte. Hutzelig kleben
die mehrhundertjährigen Häus—
hen am Felsgestein. Daneben
protzen wuchtige Patrizierhäuser
mit wappensignierten Türen
und Torbogen und erinnern an
die Zeit, da behäbiges Bürger—
tum, die Zünfte der Fischer,
Metzger, Bäcker, Schmiede und
Schneider, der Wollweber, Schu—
ster und Gerber die Stadt in
Wohlstand und Ansehen brach—
ten und Schiffer und Schiffbau
den wohlklingenden Namen Saar—
burgs hinaus ins Land trugen.
Heute ist's merkwürdig still
geworden drunten am Staaden.
Wohl zieren noch in Türbalken
Anker oder gekreuzte Fische die
blitzsauberen Häuschen am Flusse
— aber das lustige Leben der
Saarhalfen, Schiffer und Fischer
ist verschwunden. Unsere Zeit
der Schienenstränge und der
Autostraßen hat keinen Raum mehr für diese fröhlichen Zunft—
genossen. Andere Menschen,sind hier eingezogen.
Aber auch oben in den behäbigen Häusern hat die Zeit Wandel
geschaffen. Schmucke Läden und Wohnhäuser sind dort entstanden,
wo einst das vornehme Leben der adeligen Burgmannen, der kur—
fürstlichen Beamten, der Amtmänner und Edelleute, derer von
Bellenhausen, von Saarburg, von der Leyen, von Flörchingen,
von der Fels, von Wincheringen und Wartenstein sich breitmachte.
Und wo das reichbegüterte Geschlecht derer von Wasberg über
Lambertsberg, im Hintergrund Ockfener Vocstein
275 Jahre seinen Hauptsitz hatte, entwickelt sich heute das nüch—
tern-geschäftige Treiben der Kreisverwaltung.
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Festhält uns dieses reizvolle Bild am Saarburger alterküm—
lichen Fruchtmarkt. Hier, scheu in den Hintergrund und
ängstlich in den' Schatten des mächtigeren Nachbarn, kuschelt
sich ein putzig-spitzgiebeliges Häuschen und da, wie ein
protziger Landsknecht. der nicht Teufel noch Geister fürchtet,
wuchtet ein anderes mit vielen
blinkenden Fenstern stolz am
Platz, auf dem der Markt—
brunnen plätschert.
Von irgendwo kommt es
wie ein dumpfes Rollen. Nur
wenige Schritte, und neuer Zau—
ber hält uns gefangen. Ueber
mächtige Felsquader rauscht und
zischt es: tosend und schäumend
stürzt sih der Leukbach hin—
ab in zerrissene Erdspalten und
wird dann zur gebändigten Kraft
im schwarzeichenen Schaufel—
werk der uralten Mühlräder.
Wie lange sie sich wohl schon
drehen? Genau ist's nicht fest—
zustellen. Aber die Chronik ver—
meldet bereits Anno 1366 Repa—
raturen an der kurfürstlichen
Mühle.
Im kantigen Felsengestein
unten bricht und zerschellt die
Wasserflut, um dann in tausend—
fältiger Farbenpracht als schim—
mernder Perlenregen im Wellen
spiel weiterzuziehen. — — —
1
Saarburq: Landratsamt
Zu den Perlen im Schön—
heitsktranz um Saarburg führten
uns reizende Wanderiahrten.
Gottesirieden im kunstberühmten
Gnadenkirchlein von Beuridg