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Saarheimatbilder
1933
Freude, die durch die Schau eines Stadtbildes erregt wird, durch das
willkürlich erscheinende, aber doch als planvoll erkennbare Neben- und
Durcheinander von Dächern, Türmen, Giebeln und Kaminen.
Wer in Ruhe, nicht gehetzt durch die ermüdende Ungewißheit eines
Zieles, diese Schau vollziehen kann, wird dies natürlich tiefer, inniger
und froher können, als ein staubbedeckter Wanderer. Freilich ist es
nicht vielen vergönnt — am allerwenigsten Bewohnern einer in der
Ebene gelegenen Stadtsiedlung — diesen Blick zu erleben. Um so
dankbarer müssen gerade diese Menschen sein, wenn ihnen ein Künstle,
den Weg zu einem solchen Erlebnis weist.
Denn es ist ein Erlebnis, von erhöhtem Standpunkt aus das
pittoreske Bild menschlicher Heimstätten zu überblicken. Worin das
Große dieses Erlebnisses besteht, ist schwer zu sagen; aber man wird es
neben der rein formal-künstlerischen Komponente wohl vor allem darin
zu suchen haben, daß die Phantasie des einzelnen ein unerschöpfliches
Spielfeld zur Betätigung hat. Der Architekt, der Künstler überhaupt,
wird natürlich vor allem die An—
lage, den Plan, die Form einer
Siedlung oder eines ihrer Teile,
ihre Beziehung zur Landschaft
erblicken und je nach ihrer Voll—
kommenheit genießen.
Der historisch eingestellte
Mensch wird sofort die Altstadt
von der Neustadt unterscheiden,
wird den Unterschied der Stil—
form erkennen, sich an seiner
Harmonie erfreuen, an seiner
Disharmonie Kritik üben, er
wird aber weiter auch seine
Phantasie schweifen lassen zu ver—
gangenen Zeiten, wird sich vor—
stellen und unssagen können, welche
Stiftskirche von St. Arnual
Durch den Film „Sous les toits
de Paris“ (Unter den Dächern von
Paris), der in der letzten Zeit als
eine seit langem der schönsten
Schöpfungen der französischen
Filmkunst in den deutschen Kinos
gezeigt worden ist und der an die
Herzen wohl aller Zuschauer bzw.
Zuhörer rührte, ist uns die
Romantik des Daches und der
Schicksale, die darunter mehr oder
minder friedlich gelebt werden,
wieder nahegebracht worden, die
Romantik der Türme und der
Höhen, die ein überragender Blick
erschaut. Diese Romantik
kommt auch in ausgezeichneter
Weise in den Bildern zum Aus—
druck, die hier veröffentlicht werden und zu denen dieser kleine
Aufsatz eine verhaltene Begleitmusik sein möchte. — Ein Dach, das
heißt: Heim, Behausung, Behütetsein, Heimat. Wer kein Dach überm
Kopf hat, ist wohl der ärmste aller Menschen. Und das Gefühl, das
wir ihm gegenüber haben, ist am besten in den Worten Nietzsches aus
gedrückt: „Die Krähen ziehen schwirren Flugs zur Stadt, wohl dem,
der eine Heimat hat“. Stadt ist Siedlung, ist lebendiger Ausdruck der
Gemeinschaft, und mancher Wanderer hat wohl schon oft am Abend
eines heißen und mühseligen Tages sehnsüchtig Ausschau nach irgend—
einem Dache, nach einem Rauche aus irgendeinem Kamin gehalten,
nach einem Turm, der ihm die Nähe menschlicher Behausung kündet
Wohl ihm, wenn die Sehnsucht seines Blickes Erfüllung findet, denn
dann kann er sich bald geborgen und behütet finden. Er wird voll
Dankbarkeit und Freude, auf einen Stock gestützt, ein Weilchen ruhen
und wird das Bild aufnehmen, das sich ihm von einsamer Höhe aus
bietet. Ueberwiegen wird bei ihm freilich das Gefühl des Geborgen—
seins, aber nicht unferdrückt ist auch bei ihm, dem Müden, die ästhetische
Ludwigs- und St. Jakobskirche