Full text : 7.1931 (0007)

Seite 18

Saarheimatbilder

1931

Spitzbögen, die vielleicht* früher durch einen größeren
Bogen in eins zusammengefaßt waren. Ebenso einfach sind
die Fenster des Langhauses, nur die im Querschiff zeigen
schlichtes Maßwerk. Im Chor haben wir uns in alter Zeit
die Plätze der Stiftsherren zu denken — Chorstühle sind
leider nicht mehr zu
sehen — das Lang—
haus war der Platz
der Laien. Sieben
GBemeinden gehör—
ten in alten Zeiten
zum Stift; es war
der kirchliche Mit—
telpunkt der ganzen
Gegend; noch heute
liegt etwas von
der Stimmung der
alten Zeit über
dem schlichten goti—
schen Gotteshaus.
In seinem In—
nern birgt es aller—
lei Schätze: da ist
zunächst der merk—
würdige alte Grab—
stein des Kanonikus
Theodorich, einge—
mauert im südli—
chen Querschiff. Er
stammt aus der
alten romanischen
Kirche, der Vor—
gängerin der jetzigen. Der Grabstein zeigt seltsame alte Orna—
—
direkte Beziehungen zum Orient vorliegen, denn ein uralter
Kulturweg führt von Kleinasien, ohne Berührung von Athen
und Rom, nach Marseille (Mar—
silia), und von hier weiter die
Rhone herauf; und über Lothrin—
gen ist die Verbindung hierher
denkbar. Der Stein zeigt ein
Kruzifix mit Maria und Martha
und daneben den heiligen Arnua—
lis als Fürbitter. Vielleicht soll—
ten in der nicht gefüllten Fläche
die anderen Namen der verstorbe—
aen Stiftsherren Platz finden.
Später diente die Kirche dann
als die Grablege der Grafen von
Nassau-Saarbrücken. Als erstes
Glied des gräflichen Hauses wurde
Elisabet im Chor der Kirche bei—
gesetzt, die sich in der deutschen
Literaturgeschichte einen Platz er—
worben hat durch Einführung
des Romans. Das Grabmal ist
künstlerisch bedeutend; vor allem
ist der Faltenwurf des Gewandes
zu beachten. Das Prachtstück der
ganzen Kirche ist aber das Hoch—
grab des Grafen Johann III. mit
—
der Verstorbenen sind vorzüglich
im Ausdruck, und die Engel, die zu
Häupten der Figuren Schild und
Leuchter halten, sind Meisterwerke.
— Die Kirche enthält dann noch
eine ganze Reihe von Grab—
* Doch ist auch denkbar, daß der
Ursprüngliche Zustand erhalten ist

stätten Nassauischer Fürsten aus dem 16. und 17. Jahrhundert in
der Form des Wandgrabes die künstlerich nicht an die gotischen
dochgräber heranreichen, aber wenigstens in den Figuren
tüchtige Arbeit zeigen. Wir beschränken uns aber hier auf einige
weit weniger bekannte und berücksichtigte Monumente von
Nassauischen Beam
ten und anderen
bedeutenden Per—
sönlichkeiten, die sich
gleichfalls in de
Kirche finden, wo
bei es sich weniger
um bedeutendeKunst
werke als um lokal«
Denkwürdigkeiten
handelt. Außerdem
gilt unser Interess
aber auch noch eini—
gen Werken der
Steinmetzkunst, die
zu der Kirche selbst
oder wenigstens zu
ihrem Inventar ge—
hören. Da ist ein
mal der Taufstein
(Abb. 2), der heute
noch (oder wieder
im Gebrauch ist.
er hat längere Zeit
außerhalb des Got
teshauses gestanden
was ihm nicht gu—
bekommen ist. Aus einer schön profilierten Untersatzplatte
erhebt er sich becherartig; die Formen sind tief ausgehöhlt —
ein Kennzeichen des späten Stiles — und in den oberen Spitz
bogen sind Enael eingefügt, die die Marterwerkzeuge tragen
Leider ist die entsprechende Kan
zel bei der Restaurierung entfern
worden; sie enthielt gutes Fisch
blasenmaßwerk und einige Rest
davon sind im Altar eingebau
worden.
Wenig beachtet und noch kaum
abgebildet sind bis jetzt die Kon
solen, auf denen die Gewölberip
pen in den Seitenschiffen auffitzen.
Wir bringen eines mit reizvoller
Verwendung des alten Akanthus—
motivs (Abb. 3) und zwei mil
Köpfen. (Abb. 4 u. 5.) Ob sie sich
inhaltlich deuten lassen, ist frag
lich; die gothischen Steinmetzen
durften bei solchen Gelegenheiter
ihrer Phantasie die Zügel schießen
lassen. Bei dem männlichen Kop
könnte man vielleicht an einein
Evangelisten oder Propheten den
ken; er findet sich noch einma
ganz ähnlich auch im nördlicher
Seitenschiff. Bei dem weiblicher
Kopf ist die Deutung sehr schwer
Auffallend ist bei allen die groß.
naturalistische Lebendigkeit. (Wei
tere Abbildungen nach erst
maligen Photographien von Ma
Wentz siehe bei Ruppersberg: S
Arnual.)
Wir wenden uns nun wiede
den Grahmälern 20 Der Au—

Abb. 2.

Taufstein.

Abb.3. Konsole mit pflanzlichen Ornamenten im nördlichen
Seitenichinm
            
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