1931
Saarheimatbilder
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erhaltene) des von ihm im Jahre 1770 an—
gelegten Teiles des Parks am Ludwigsberg.
Er trägt die Beischrift: „Dieses ist anno
1770 angelegt worten, in einem quadrat—
zörmigen Tannenwalt, die Krume Weg hab ich
wieschen den Bäumen hingeleit. Auf die Kahle
Plätz hab ich allerley figuren und Cabineter
gemacht. A. ein Teatrum zum Tanzen. B. eine
Menagerie. Die Schneck ist das anderseite
Gänsenspiel.“ Das Gelände umfaßte acht Mor—
gen und war 300.Fuß breit. Wir sehen einen
Park in englischem Geschmack. Tamit hätren
wir eins der frühesten Beispiele dieser Art in
Deutschland, gleichzeitig mit Erdmannsdorfs
Tätigkeit in Wörlitz und früher als der in dem
nahen Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und in der
Herrschaft Blieskastel tätige Friedrich Ludwig
Sckell.
Nur ein paar Worte sollen über die Bild—
hauer gesagt werden. Am umfangreichsten war
aͤnscheinend die Tätigkeit des Malers, Stucka—
tors und Bildhauers Johann Heinrich Heideloff,
zeboren um 1760 als Sohn des Karl Heideloff
in Mannheim, aus einer weitverzweigten
Künstlerfamilie stammend, gestorben am 25.
Januar 1807 in Biebrich. Unter anderem fer—
tigte er auch die Theaterdekorationen. Dann werden noch
die schon unter dem älteren Stengl beschäftigten Bildhauer
Johann Philipp Mihm und Louis Stein genannt. Größere
Arbeiten lieferten jedoch hauptsächlich auswärtige Künstler,
so die Stuttgarter Hofbildhauer Adam Bauer und Professor
Philipp Joseph Scheffhauer (Florafigur). Möglicherweise
gehört hierher auch (statt in den Saarbrücker Schloßpark)
die große Figur eines Flußgottes, von Konrad Linck, dessen
entzückende Gruppe der Putten auf dem Geißbock im Parke
zu Schwetzingen uns die Schwere des Verlustes erkennen
lassen. Außerdem werden noch die nicht näher zu bestim—
menden Bildhauer Marlet und Bouillon genannt.
Zum Schlusse lasse ich die Beschreibung eines Zeit—
genossen, des Freiherrn von Knigge folgen, die allein im
Zusammenhang mit den Abbildungen eine lebendige Vor—
tellung zu geben vermag:
„Auf dem Ludwigsberg liegt ein niedliches Lustschluß,
das dem Fürsten einen Teil des Sommers hindurch zum
Aufenthalte dient. Das Schloß ist klein, aber geschmackvoll
Torhaus am Ludwigsberg.
Rötelzeichnung von L. F. Dryander im Heimatmufcum Sgarbrücken.
(Ludwig Friedrich Dryander, Sohn von Fohann Friedrich Dryander.)
gebaut, eingerichtet und verziert. Kürzlich hat der Fürst
auch ein schönes massives Orangeriegebäude daselbst auf—
führen lassen. Dann sind hier auch Ställe und andere Ge—
zäude, die Hofkaraliere aber wohnen in kleineren Neben—
häusern, welche zerstreut liegen und von außen verschiedene
Formen haben. So sieht man in einem Wäldchen einen
Holzstoß und wird überrascht, wenn man in demselben
jübsche Zimmer für den Hofmarschall eingerichtet findet. An
einem andern Platz hat eine ähnliche Wohnung von außen
ovie Gestalt einer Eisgrube. Auf einer Wiese im Tale steht
ein Fuder Heu, man ahnt nicht, daß sonst etwas verborgen
sein könnte; aber nun tut sich eine Tür im Hinterteile des
Wagens auf, man zieht eine kleine Treppe hervor, öffnet
die versteckten Seitenfenster und hat dann einen Speisesaal!
vor sich. Ueberhaupt ist bei den Anlagen mancher artige
und neue Einfall angebracht; die Spaziergänge scheinen
von der Natur selbst eingerichtet zu sein, und selten wird man
die ängstliche Hand der Kunst gewahr. Eine Einsiedlerkapelle ist
odon einem Gottesacker umgeben; auf demselben liegen alte be—
mooste Leichensteine mit Inschriften, und diese
Inschriften enthalten Anspielungen auf kleine
charakteristische Züge der Personen des Hofes,
als wären sie gestorben und hier begraben, mit
viel Witz entworfen, doch so, daß niemand da—
durch gekränkt werden kann. Manche Gegenden
des Fartens, wo die Aussicht beschränkt ist oder
die sonst öde scheinen möchten, sind durch Grup—
pen von bekleideten menschlichen Figuren be—
lebt. Da findet man z. B. am Rande des
Woeihers auf einer Waschbank einige Wäscherin—
nen, die lebendig zu sein scheinen, mit ihrer
Arbeit beschäftigt. Da steht neben einem Fel—
sen Moses, der, wenn man eine gewisse Stelle
berührt, mit seinem Stabe an den Felsen
ichlägt, aus welchem Wasser hervorquillt.
Allein der Fürst hat einige Dinge dieser Art
doch für kleinliche Spielwerke gehalten und sie
wegräumen lassen, wodurch Platz für den eng—
lischen Garten gewonnen ist. In dem schönen
Tannenwäldchen befindet sich eine Höhle, auf
welche man unvermutlich stößt und in der—
jelben eine Gesellschaäft Zigeuner gelagert findet“
zebäude und andere Anlagen auf dem Ludwigsberg, 1778.
Heimatmuseum)