Aber nicht nur die Männer des werktätigen Volkes, die einst
in der Seite ihrer Priester die Last und Hitze des Tages in über—
viegendem Maße haben tragen müssen, sind mit dröhnendem
Schritt, der wie die Offenbarung einer neuen Zeit klang, stolz
erhobenen Hauptes vorbeimarschiert, sondern auch das Bauern—
und Bürgertum hatte seine Scharen entsandt. Hatten die Land⸗
dekanate ihr Bestes getan, so standen ihnen die Städte und
namentlich die Großstadt Saarbrücken in nichts nach. Die Pfar—
reien Saarbrückens hatten ihre Mannen so zahlreich aufgeboten
und in Marsch gesetzt, daß es kaum ein Ende nehmen wollte.
Das gilt sowohl für die Jugend wie für die Männerwelt. Un—
villkürlich drängte sich die Frage auf: Wer hätte noch vor zwanzig
Jahren es für möglich gehalten, daß einmal eine so herrliche
Saat in der Stadt Saarbrücken aufgehen werde? Für den, der
die ganze Entwicklung mit ihren Rück- und Ausschlägen miterlebt
hat, ein Bild von überwältigender Größe. Zugleich aber auch
»ine Ermutigung, in den tosenden Unwettern der Gegenwart nicht
zu verzagen.
Dieser 216 Stunden dauernde Festzug, an dem sich 70 000
his 75000 Männer und Jünglinge beteiligten, in welchem
etwa 100 Musikkapellen und reichlich 500 Fahnen gezählt wur—
den, seine glänzende Organisation und sein tadelloser Verlauf,
hleibt eine dauernde und begeisternde Erinnerung für alle, welche
entweder in seinen Reihen mitmarschierten oder ihn mitansahen.
Aber er war mehr. In den Augen all dieser Männer, all dieser
Jugendlichen, die heute an dem leuchtenden Junitage unter den
Augen ihrer Bischöfe über das Pflaster des Rathausplatzes da—
hinschritten, war zu lesen: Wir wollen treu sein und bleiben dem
heiligen Erbe unseres Glaubens, das uns von unseren Vätern
überkommen; wir wollen danach leben; wir wollen unwiderruflich
derbunden bleiben mit unserer Heimatdiözese, von denen unsere
Vorfahren und wir bis auf den heutigen Tag so unendlich viele
Wohltaten empfangen haben. Wir aus preußischem und pfäl—
zischem Anteile wollen untereinander in Einheit, Liebe und gegen—
seitigem Verständnis in allen großen Fragen verbunden bleiben,
hbis zu der Stunde, wo wir wieder heimkehren können zu un—
seren Brüdern, von denen uns die Zeitverhältnisse unter Zulas⸗
sung der ewigen Vorsehung getrennt haben. Wir wollen die
heiligen Ideale pflegen. die unser aller Wohl und den Frieden
Christi im Reiche Christi uns in einer trüben Zeit einen solchen
Tag hat erleben lassen.
Die öffentlichen Versammlungen,
A. Jugendoͤversammlungen,
Es war ein herzerhebender Anblick, die jugendlichen Heer—
scharen aus Stadt und Land, die sich unter dem Leitgedanken:
„Die Jdeale der Jugend“ aus allen Himmelsrichtungen
eingefunden und den ersten Teil des Festzuges gebildet hatten,
in starken Kolonnen unter Musikklängen und Trommelirbel in
die für sie bestimmten Versammlungslokale einziehen zu sehen,
Hatte bisher der imposante Festzug die Macht und Stärke des
atholischen Gedankens nach außen hin in Erscheinung gebracht