Der Festzug—
Leuchtender Sonnenschein, die Hitze gemildert durch eine
kühlende Nordostbriese, lag über den schimmernden Dächern und
Kirchtürmen der Stadt. Von allen Seiten strebten die Kolonnen
nach den Aufstellungsplätzen und ordneten sich dort genau nach
den eingehenden Anweisungen des Zugkomitees dem Festzuge ein.
Gegen 141 Uhr erschien als erster Herr Weihbischof Dr. WMönch
auf dem festlich geschmückten Rathausplatze. Auf der Freitreppe
des Rathauses war eine zeltartige, mit reichen Blattpflanzen und
kostbaren Teppichen ausgeschmückte Tribüne aufgebaut. Dort—
hin geleitete der Präsident des Lokalkomitees, Herr Arnold
Beécker, den Herrn Weihbischof. Eine kleine Weile später kam
der Hochw. Herr Bischof Dr. Bornewasser an. Bald nach—
her traf auch Seine Bischöflichen Gnaden Dr. Sebastian von
Speyer ein und nahm zur Rechten des Trierer Bischofs Platz.
Herr Arnold Becker begrüßte die Herren Bischöfe mit folgender
Ansprache:
„Hochwürdigste Herren Bischöfe!
Es gereicht mir zur hohen Freude und Ehre, als Präsident des
Lokalausschusses Eure Bischöflichen Gnaden zum Ersten Saarländischen
Katholikentag in unserer Mitte ehrerbietigst und herzlich begrüßen zu
dürfen. Zu unserem nun beginnenden Festzug kann ich Ihnen den
Vorbeimarsch von 70000 katholischen Jungmannen und Männern
melden. Aus allen Gauen unserer lieben, heißumstrittenen Saarheimat
sind sie herbeigeströmt, einig im datholischen Glauben, einig in der
katholischen Liebe, um ein feierliches Bekenntnis zur Religion und
Kirche Christi abzulegen, um sich zu freuen, daß sie katholisch sind, um
die Interessen der heiligen Kirche zu behandeln und zu vertreten und
endlich, um unsere treue Anhänglichkeit und Licbe zu dem Stellvertreter
Christi gquf Erden, dem Heiligen Vater zu Rom und zu unseren Ober—
hirten, unseren heimatlichem Bischöfen, öffentlich und feierlich zu
bekunden.
Unser Katholikentag führt nicht die Waffen des Hasses und der
konfessionellen Zwietracht. Er führt die Waffen des Friedens und der
Liebe, der Treue und Begeisterung für un'ere heiligsten Güter. Wir
treten ein für Altar und Herd, für Gottes- und Menschenrechte. Des
einen Ehre ist des anderen Segen. Diejenigen, weiche Hand am den
Altar Gottes legen, das sind auch dieselben, die das Glück des häuslichen
Herdes und der Wohlfahrt des Volkes zerstören. Damit unsere Ver—
handlungen im Geiste der Liebe und des Friedens verlaufen, und vom
Segen des Himmels begleitet seien, bitte ich für uns ehrerbictigst um
den bischöflichen Segen“
Mit freundlichen Worten dankte der Hochw. Herr Bischof von
Trier für diese Begrüßungsworte und spendete den erbetenen
bischöflichen Segen.
Nunmehr begann der Festzug. Eröffnet wurde derselbe
durch eine kleine Kavalkade, der eine Radfahrerkolonne folgte.
Alsdann rückten durch die Nassauerstraße die Jugendvereine an.
15 000 bis 000 Jünglinge in allen Altersstufen zogen unter
Trommelwirbel und Hörnerklang vorüber, die Oberhirten ehr—
furchtsvollst begrüßend. Die meisten kamen in ausgerichtetem
Gleichschritt vorüber. Bei einem Verein, bei dem der Vorbei—
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