Full text : 1954 (0087)

Knappschaftliches Hofgut Hartungshof

Das knappschaftliche Gut Hartungshof liegt — im Landkreis Saarbrücken — in einem Gebiet, das in
den ersten Septembertagen des Jahres 1939 durch die französische Armee besetzt wurde und bei den Kampfı1andlungen
 erhebliche Schäden erlitt. Die Viehherde mußte zurückgeführt und an einer Sammelstelle abgejjefert
 werden. Nach Beendigung des Westfeldzuges im zweiten Halbjahr 1940 bzw. Anfang 1941 wurden
lie Gebäude durch den Wiederaufbau sehr schnell und zweckmäßig instandgesetzt, der Viehbestand erneuert
ınd der Gutsbetrieb auf den ursprünglichen Stand gebracht. Anfang Dezember 1944 kam der Hof erneut
zur Räumung. Die Viehherde ging verloren. Das Gelände des Hartungshofes lag mehr als drei Monate in
der Kampffront. Die Wirtschafts- und Wohngebäude waren entweder völlig zerstört oder schwer beschädigt.
Die Ländereien des Hofes waren durch die deutsche und die amerikanische Armee vermint worden.
Nach Kriegsende war nirgends ein Plan über die Verlegung der Minen zu ermitteln. Die Notbelegschaft des
Hofes, die im Mai 1945 eingesetzt wurde, hat versucht, einen Teil des Landes zur Bebauung und Bewirtschafsung
 von den Minen freizumachen. Dabei wurden durch Minenexplosion mehrere Personen schwer verletzt,
ler damalige Verwalter des Hofes getötet. Ein durch Vermittlung der Regie des Mines für die damaligen
Verhältnisse sehr frühzeitig eingesetztes Minensuchkommando hat auf dem Gelände des Hartungshofes 7.260
Minen entfernt. Durch eigenes Hofpersonal wurden etwa 3.000 Minen unschädlich gemacht. Es handelte sich
ım Minen verschiedenster Art, wie Holz-, S- und Panzer-Minen, die deutscher oder amerikanischer Herkunft
waren. Im Jahre 1947 konnte wieder eine Viehherde beschafft und das Land in Bebauung genommen werden.
Die Gutsverwaltung liefert heute wieder täglich etwa 600 Liter Milch an die Knappschaftskrankenhäuser.
            
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