Der Bettenausfall war bei Kriegsende recht erheblich; aber selbst die normale Anzahl der Krankendjetten
hätte nicht ausgereicht, die aufnahmesuchenden Patienten unterzubringen. Die Anzahl der stationär zu
»ehandelnden Patienten nahm in einem nie gekannten Ausmaße zu. Jahrelange körperliche und seelische
5trapazen, Hunger und Entbehrungen hatten den Gesundheitszustand der Bevölkerung verschlechtert und
lie Kraftreserven verbraucht. Die Menschen waren für Krankheiten anfälliger geworden. Infolge der verminlerten
körperlichen Abwehrkräfte war der Krankheitsverlauf in der Regel ernster und langwieriger als zu
normalen Zeiten. Die katastrophale Wohnungsnot zwang oft schon dann zur Krankenhausaufnahme, wenn
ınter normalen Wohnverhältnissen die ärztliche Betreuung der Kranken noch zu Hause hätte erfolgen könı1en.
Nur wer die Sorgen um die Durchführung und Aufrechterhaltung des Krankenhausbetriebes in jenen
jahren kennt, kann auch ermessen, welche außergewöhnlichen Leistungen von den Krankenhausbediensteten,
nsbesondere von den Ärzten und dem Pflegepersonal. für die hilfsbedürftigen Mitmenschen vollbracht werlen
mußten.
In diesem Zusammenhang muß auf einen wichtigen Abschnitt des Aufgabenkreises der Knappschaftskrankenhäuser
hingewiesen werden, die Ambulanz in den Knappschaftskrankenhäusern, die als eine wesentche
und zusätzliche Belastung in betrieblicher und personeller Hinsicht zu werten ist. Neben anderen ist der
Aauptgrund für das Anwachsen der Ambulanz darin zu suchen, daß die Bettenkapazität nicht ausreicht. Wel-:hes
Ausmaß diese zusätzliche Belastung angenommen hat, vermittelt nachstehende Übersicht, Eine lücken-‚;ose
Erfassung der ambulanten Leistungen für Knappschaftsversicherte und deren Angehörige ist allerdings
durch die Übersicht nicht gegeben, weil nur die Leistungsarten aufgeführt sind, die in der Regel verabfolgt
werden:
Übersicht
über die Anzahl der ambulanten Behandlung von Knappschaftsversicherten
und ihren Angehörigen in den Jahren 1936, 1947 und 1954
Anzahl der Fälle im Jahre
Art der ambulanten Behandlung
Röntgenleistungen
Höhensonne, Kurzwellen, Solux usw.
Laboruntersuchungen .
Wundverbände und kleine Eingriffe
Bäder, Massagen und Gymnastik
Elektrokardiogramme
Allgemeine Untersuchungen
1936
15.206
13.433
6.107
13254
3.131
207
1947
24,843
11.279
15.765
27.940
65315
1954
57.104
27.332
29,936
34 320
20.288
6.716
3.056
Aus den folgenden Ausführungen, die den Zeitraum von Kriegsbeginn bis zum Jahre 1954 im großen
Rahmen behandeln, ist zu ersehen, welche Einrichtungen der Krankenhäuser eine Änderung oder Verbesseung
erfuhren, um den heutigen Erfordernissen gerecht zu werden. Bei der Beurteilung aller Anstrengungen
nuß berücksichtigt werden, daß Verbesserungen und Erweiterungen nur im Rahmen der finanziellen Mögichkeiten
durchgeführt werden konnten. Vieles ist noch zu tun. Die zur Zeit laufenden Planungen mögen
ıls Ausdruck der Bemühungen angesehen werden, mit den Erfordernissen der Zeit Schritt zu halten.