Full text : 1934 (0067)

Im August kam die erste Erkrankung an Weilscher Krankheit im Krankenhaus Sulzbach
zur Beobachtung. 3 weitere Fälle kamen im Laufe des November zur Aufnahme. Sämtliche +4 Erkrankte
 waren auf Grube Mellin beschäftigt. Von diesen sind 2 innerhalb der ersten Taye ihres
Krankenhausaufenthaltes verstorben. Von Grube Hirschbach, die durch einen unterirdischen Gang
mit Mellin in Verbindung steht, kamen im Laufe des November gleichfalls 2 Bergleute an dieser
Krankheit zu Tode. Die Weilsche Krankheit ist eine Infektionskrankheit, die vorwiegend die Leber
befällt. Ihr Erreger ist die Spirochaeta icterogenes, die durch Ratten übertragen wird. Am wahrscheinlichsten
 ist es, daß die Übertragung durch Rattenurin erfolgt. Seitdem Maßnahmen zur Bekämpfung
 dieser gefährlichen Krankheit getroffen wurden, ist kein weiterer Fall mehr beobachtet
worden.
An Genickstarre erkrankte im Berichtsjahre kein Bergmann, an Rose erkrankten 43
Knappen, die alle wiederhergestellt wurden.
Von Masern wurden 3, von Diphtherie 16 und von Scharlach 17 junge Bergleute
befallen, die alle genasen. Bei den Kindern zogen sich die Epidemien vom letzten Vierteljahr 33
bis zum Februar 34 hin. Im Verlauf des Berichtsjahres hörten besonders Scharlach und Diphterie
nie auf, letztere war nicht selten von schwerem, ja tödlichem Verlauf. Zur Bekämpfung dieser
gefürchteten Seuche wurden auf Anregung des Reichsgesundheitsamtes 1934 zum ersten Male im
Landkreis Aachen, einem von Diphtherie stark heimgesuchten Revier, Massenschutzimpfungen unter
den Kindern durchgeführt, wobei die Bevölkerung verständnisvolles Entgegenkommen zeigte. Die
Erfolge können zwar noch nicht völlig übersehen werden, doch ist jetzt schon ein Abschwellen der
Seuche, bes. auch bezüglich der Schwere des Einzelfalles, festzustellen.
Das häufige Vorkommen von Geschlechtskrankheiten wird durch die Zahl der
großen Krankenscheine nicht dargetan. Die größere Mehrzahl der Kranken läßt sich ambulant und
fachärztlich behandeln.
Die Ziffern der an rheumatischen Leiden Erkrankten blieben ziemlich konstant, an
akutem Gelenkrheumatismus wurden 23 Mitglieder behandelt, wegen chronischem Gelenkrheumatismus
 und Arthritis deformans feierten 94 krank, das Hauptkontingent stellte jedoch der
Muskelrheumatismus mit 1389 Erkrankten. So reichte also die Gesamtzahl der an Rheuma mit
großen Scheinen Erkrankten an diejenigen der Grippefälle nahe heran... Im Krankenhaus Neunkirchen
 wurde in diesem Jahre eine neuerrichtete Bäderabteilung zur Rheumabehandlung in Betrieb
genommen. Bei dieser Gelegenheit hielt der Internist des Krankenhauses vor den Knappschaftsärzten
 einen Vortrag über Erkenntnisse und Ergebnisse der neueren Rheumaforschung. Anyesichts
der oben erwähnten großen Erkrankungszahlen wird man seinem Schlußwort voll und ganz beistimmen:
 „Es ist heute zum Allgemeingut der Erkenntnis geworden, daß der Rheumatismus ein
großes soziales Problem darstellt, an dessen Lösung in gleicher Weise Staat und ärztliche Wissenschaft
 interessiert sind“,
Von einer weiteren Zunahme der Krebskranken ist auch dieses Jahr zu berichten; trotzdem
 der Krebs vorwiegend eine Krankheit der älteren Leute über 50 Jahre ist und die vorliegenden
 Zahlen nur die Aktiven betreffen, ist die Zahl von 19 an bösartigen Neubildungen Erkrankten
bemerkenswert hoch. Nach den neueren Reichsstatistiken ist übrigens der Krebs in Bezug auf die
Sterblichkeit an die zweite Stelle hinter die Herzkrankheiten gerückt.
Ein größeres Grubenunglück kam im Berichtsjahre erfreulicherweise nicht vor. Die Zahl
der im Berufe Verletzten, welche krank feierten, beträgt 5769; von diesen wurden 31 tödlich verletzt.
während 19 pensioniert werden mußten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.