Full text : 1933 (0066)

Erkrankten ist seit dem Vorjahre angestiegen (139 gegen 101). Der Anstieg kommt zum Teil auf
das Konto der Grippe, es finden sich aber auch solche darunter, die sich mehrfach, bes. in der
rauhen Jahreszeit krank melden. Die Erfahrung zeigt, daß durch früh eingeleitetes Heilverfahren
zwar die Zahl der Kranken ansteigt, die Sterblichkeitsziffer aber sinkt. Dies ist auch im Berichtsjahr
der Fall: An gewöhnlichen Krankheiten starben 75 Mann, darunter an Lungentuberkulose 9 (= 6%/4%
zegen 31°% vor 25 Jahren). In der Heilstätte Sonnenberg wurden 82 Fälle behandelt mit 4739 Behandlungstagen,
 Außerdem wurden im Fischbachkrankenhause 133 Heilverfahren durchgeführt,
in der Mehrzahl für Frauen und Kinder, .
Der Unterleibs-Typhus befiel nur 5 Mitglieder, von denen eines starb. Dabei ist
nicht angegeben, ob es sich um echte oder Paratyphusfälle handelte, Von den übrigen infektiösen
Darmkrankheiten ist noch ein Fall von Cholera nostras zu erwähnen, während ein Fall von
Ruhr weder bei Bergleuten noch Angehörigen gemeldet wurde,
An Genickstarre erkrankte ein Bergmann mit Ausgang in Heilung.
Von Rose wurden 32 Bergleute befallen.
Scharlach, Masern und Diphtherie suchten das ganze vergangene Jahr hindurch
das Revier heim. Von zahlreichen Orten werden bes. im 2. und 4. Vierteljahr Scharlach- und
Diphtherieepidemien gemeldet, im 1. und 4. Masernepidemien. Während Masern und Scharlach meist
gutartig verliefen, schien die Diphtherie häufig bösartigen Charakter zu zeigen und forderte zahl-:eiche
 Opfer auch unter den Bergmannskindern. Im 4. Vierteljahr, von Ende September bis Mitte
November, setzte wieder eine heftige, sich fast über das ganze Revier ausbreitende Scharlach- und
Diphtherie-Epidemie ein. Leider wurden viele Fälle verheimlicht, um die Desinfektionsmaßregeln
ınd die bei Scharlach notwendige 6 wöchige Quarantäne zu vermeiden, so daß die Bekämpfung
der Ansteckung oft sehr erschwert war.
Im Verlaufe von allen 3 Seuchen wurden auch Komplikationen beobachtet, besonders häufig
Lungenentzündung nach Masern.
An Masern erkrankten 5, an Scharlach 14 und an Diphtherie 10 junge Bergleute, die alle
gyenasen.
Übereinstimmend wird auf die starke Zunahme von Erkrankungen an Mandelentzündung
hingewiesen, zum Teil mit Abszeßbildung, besonders gleichzeitig mit Scharlach- und Diphtherieepidemien.
 Es scheint, daß die Angina im Vergleich zu früher einen bösartigen Charakter
angenommen hat und eine ausgesprochene Infektionskrankheit geworden ist.
Von den Geschlechtskrankheiten scheint nach den Berichten bes. der Tripper
wieder vermehrt unter den Mitgliedern aufzutreten. Zum größten Teil lassen sich die daran Erzrankten
 ambulant und fachärztlich behandeln.
Über die Zunahme von Krätze und Furunkulose wird auch in diesem Jahr sehr geklagt
Jie Hauptursache liegt in der mangelhaften Körperpflege.
In den letzten Jahren war eine Zunahme der Krebskranken besonders auch unter den
Frauen festzustellen; einesteils weil durch Aufklärung mehr Frühfälle in ärztliche Behandlung kommen,
 andernteils, weil durch die neuen diagnostischen Hilfsmittel die Krankheit besser erkannt
wird. Neben der operativen Behandlung kommt die Röntgen- und Radiumbestrahlung zur Anwendung.
 Die Radiumbestrahlung für unsere Mitglieder und deren Angehörige ist im Saarbrücker
Bürgerhospital zentralisiert. In erster Linie erzielt man bei frühzeitig festgestellten Fällen günstige
Wirkung. So wurde bei einem erst 32 Jahre alten weiblichen Mitglied ein Gebärmutterkrebs, der
im allerersten Stadium der Behandlung zugeführt wurde, mittels Radiumbestrahlung geheilt. Aber
auch bei in vorgeschrittenem Stadium Operierten oder der Operation nicht mehr zugänglichen Fällen
vermag die Strahlenbehandlung dem weiteren Fortschreiten Einhalt zu gebieten oder zur Linderung
ler Beschwerden beizutragen. Die Erfahrungen mit dem neuen, von dem italienischen Forscher
Jichera angegebenen Krebsheilmittel sind noch zu kurz und die Erfolge vorläufig noch so gering,
laß es zunächst den Universitätskliniken oder größeren Krankenhäusern überlassen bleiben muß.
das kostspielige Mittel auf seine Wirksamkeit zu erproben,
Da der Krebs vorwiegend eine Krankheit der älteren Leute über 50 Jahre ist, werden die
Aktiven wenig davon betroffen; es erkrankten im Ganzen nur 11 Bergleute an Krebs.
An primärem akutem Gelenkrheumatismus erkrankten 21 Mitglieder, einige größere
Sprengel erwähnen das seltene Vorkommen dieser Infektionskrankheit. Noch vor dem Krieg betrug
die Erkrankungsziffer nahezu 200.
Wegen chron. Gelenkrheumatismus hatten 96 Bergleute große Scheine, wegen
Muskelrheumatismus 1314. Aus der Abnahme der Zahlen gegenüber dem Vorjahr darf
nicht etwa auf eine Abnahme der Krankheit geschlossen werden, sondern sie ist ein Beweis dafür,
daß die Bergleute sich nur in wirklich ernsten Fällen krank melden. Übrigens verbirgt sich unter
diesen beiden Diagnosen recht häufig die sogen. chron. deformierende Gelenkentzündung, die mit
Vorliebe die Lendenwirbelsäule und die Kniegelenke befällt. Sie ist als Abnutzungserkrankung
aufzufassen und stellt sich meist erst im vorgeschrittenen Alter ein. Neben der Schlagaderverkalkung
 ist sie eine der häufigsten Ursachen von Berufsunfähigkeit bzw. Invalidität,
Die Zahl der im Berufe Verletzten, die im Berichtsjahre mit großen Scheinen kamen, beträgt
 5747 (gegen 5634 i. V.); davon wurden pensioniert 35, gestorben sind 28. Erfreulicherweise
ölieb das Revier im letzten Jahr von einem größeren Grubenunglück verschont.
Bei dem Neunkirchener Explosionsunglück wurden auch mehrere Bergleute verletzt, die
als Feuerwehrleute oder Helfer bei den Rettungsarbeiten tätig waren. Während der Erntezeit
ereignete sich in ländlichen Sprenveln eine größere Anzahl von landwirtschaftlichen Unfällen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.