Full text : 1932 (0065)

Bezüglich der Lungentuberkulose sind die Berichte übereinstimmend der Auffassung,
daß die Seuche eine deutliche Abnahme zeigt, während beı den Kindern und Frauen ein zum
Teil beträchtliches Ansteigen aktiver Fälle festgestellt wird; teilweise bepünstigt die Unterernährung
diese Zunahme, teilweise werden aber durch die sorgfältige schul- und fürsorgeärztliche Untersuchung
 mit Anwendung aller diagnostischen Hilfsmittel (Blutkörperchensenkung, Röntgenaufnahmen)
viele bisher verborgen gebliebene Fälle aufgedeckt.
Mit großen Krankenscheinen sind an Lungentuberkulose erkrankt 101 Bergleute; davon
wurden 34 pensioniert, gestorben sind nur 5. Es kommen demnach auf 100 Vereinsmitglieder nur
0,2 % Erkrankungen.
Im Kampf gegen die Lungentuberkulose bleibt nach wie vor die vornehmste Aufgabe, der die
Saar-Knappschaft stets gerecht geworden ist, die Unterbringung der Kranken in die Krankenhäuser
 und Heilstätten; durch frühzeitige Absonderung der Kranken von den Gesunden wird
dadurch auch eine Uebertragung auf Familienmitglieder und Mitarbeiter verhindert.
In der Heilstätte Sonnenberg wurden 19 Fälle behandelt mit 1816 Behandlungstagen, davon
9 geheilt bezw. gebessert und arbeitsfähig. Allerdings mußte in den meisten Fällen seitens der
Heilstätte eine leichtere Beschäftigung über Tage für längere Zeit empfohlen werden, wenn der
Kurerfolg von Dauer sein sollte,
Der Unterleibstyphus befiel nur 5 Mitglieder ohne Todesfall. Dank der unermüdlichen
 Bekämpfung ist diese Seuche, die noch vor 25 Jahren unter den Bergleuten 83 Krankheitsopfer
 forderte, nahezu verschwunden. Von Genickstarre und Ruhr wurde nur je 1 Bergmann
befallen, der genas. Im Sommer traten in einer Bergmannsfamilie 3 Ruhrfälle mit günstigem
Ausgang auf. Scharlach war bei 2, Diphtherie bei 18, Rose bei 19 und Masern bei
keinem Bergmann zu beobachten. Im dritten Vierteljahr, besonders aber im letzten Monat des
vierten Vierteljahres trat Scharlach und Diphtherie gehäuft, in einzelnen Sprengeln epidemisch auf,
mit einer Reihe von Todesfällen. Zur gleichen Zeit erkrankten zahlreiche Erwachsene an Mandelentzündung
 (Angina).
Die Häufigkeit der Geschlechtskrankheiten wird durch die Ziffer der großen
Krankenscheine nicht dargetan; die große Mehrzahl der Kranken läßt sich ambulant behandeln.
Wegen akutem Gelenkrheumatismus hatten nur 19 Bergleute große Krankenscheine,
wegen chronischem 99, wegen Muskelrheumatismus 1526. Die rheumatischen Erkrankungen
umfassen demnach, soweit sie Arbeitsunfähigkeit herbeiführten, 1644 Fälle.
Die Saar-Knappschaft hat durch besondere Einrichtungen in ihren Krankenhäusern für
Behandlung und Heilung des Rheumas Sorge getragen. Auch eine Reihe von Heilverfahren in
auswärtigen Badeorten wurde durchgeführt, wenn auch oft mit nicht befriedigendem Erfolg. Im
ganzen sind aber die Heilerfolge bei Rheuma-Erkrankungen (wie bei Tuberkulose) viel günstiger,
wenn eine frühzeitige Erfassung und sachgemäße möglichst stationäre Behandlung des Kranken
gelingt.
Ueber die Zunahme von Hauterkrankungen, besonders Krätze und Furunkulose wird
auch in diesem Jahre sehr geklagt. Neben mangelhafter Körperpflege wurde für Furunkulose als
Ursache der Einfluß hoher Temperaturen in der Grube, die starke Schweißabsonderung in der
heißen Jahreszeit und schließlich Insektenstiche angegeben, Zahlreiche Fälle von Sonnenbrand
‚nicht selten mit Fieber) traten besonders nach heißen Sommersonntagen durch das unvernünftig
lange Liegen in der Sonne, meist während des Aufenthaltes in Freibädern auf,
Die Zahl der im Berufe Verletzten, die im Berichtsjahre mit großem Krankenschein in
Behandlung kamen, beträgt 5634; davon wurden 46 pensioniert,
Auch in diesem Jahre wurden wieder 214 Mitglieder im Saar-Eisenbahnerheim bei St. Wende!
zur Erholung untergebracht. Es handelte sich in der Hauptsache um an Unterernährung, Ent
kräftung nach schweren Krankheiten und Nervenschwäche Leidende, Wie aus einigen Berichten
hervorgeht, waren die Kranken von dem dortigen Aufenthalt und die Aerzte von dem erzielten
Kurerfolg im ganzen sehr befriedigt
            
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