Full text : Die christliche Kirche im Bliesgau (2)

aus der gleichen Zeit zu stammen wie die Kirche, wenn nicht sogar aus
einer etwas früheren, unmittebar nach 1170. Der Grundriß der Kirche ist
klar und einfach. Das Mittelschiff besteht aus drei mit Kreuzgewölben
überspannten Quadraten und die Seitenschiffe aus der doppelten Anzahl,
also aus sechs, so daß das gebundene System in reinster Form zur Anwendung
 gekommen ist. Die Vierung hat quadratischen Grundriß, die beiden
daranstoßenden Flügel des Querschiffes dagegen rechteckigen. An sie
schließen sich im Osten beiderseits je zwei rechteckige Kapellen an; der
Hauptchor ist ein Quadrat von den gleichen Ausmaßen wie die Vierung,
mit welcher zusammen er einen abgeschlossenen Raum für die Mönche
bildete. Als Stützen für die Mauern des Mittelschiffs dienen beiderseits
fünf Pfeiler von vollständig gleicher Form. Da sowohl an ihnen, wie auch
an der noch erhaltenen Mauer des südlichen Seitenschiffes jegliche Stütze
für Gewölbegurte und -Rippen fehlt, muß — im Gegensatz zur Darstellung
in den „Baudenkmalen” — angenommen werden, daß wenigstens das südliche
 Seitenschiff eine flache Decke hatte. Die andern Teile waren dagegen
sicher gewölbt. Das rundbogige Hauptportal am Westgiebel des Langhauses
war beiderseits durch je drei zierliche Ringsäulen auf attischer Basis mit
fein gearbeiteten Kelchkapitälen belebt, die sich in dem Bogen als 34 Wülste
fortsetzen. Das große, mit Säulchen gegliederte Radfenster über dem Hauptportal
 weist auf das burgundische Vorbild des Aufrisses hin. Die große
Vorhalle, welche später hier angebaut wurde, verdeckte dieses Schmuckstück
der Kirche aber ganz oder wenigstens größtenteils. Auf der Vierung stand,
wie bei den meisten Zisterzienserkirchen, wohl ein hölzerner Dachreiter.
in dem eine kleinere Glocke untergebracht war.
Die Ausmaße der Kirche sind jenen anderer Gotteshäuser des gleichen
Ordens gegenüber bescheiden. Sie ist im Innern 39,20 m lang bei einer
Breite des Mittel- und des Querschiffes von 7,24 m und einer solchen der
Seitenschiffe von 3,60 m. Die Länge des Querschiffes beträgt 25,80 m.
Leider geben nur noch spärliche Ruinen, die von Jahr zu Jahr mehr
verfallen, Zeugnis von dem Kunstsinne, mit dem einst fromme Menschen
dieses Gotteshaus erbauten.

Anmerkungen:

1 Näheres bei Schunk Fritz. Die Kirche von Böckweiler. Pfälzisches Museum 36. Jahrgang
(1919) Seite 48, und derselbe, Böckweiler. Die Geschichte eines Dorfes in der deutschen
Westmark. Zweibrücken 1923 Seite 70.
2 Über die Hornbacher Klosterkirche hat Geh. Studienrat Heinrich Lempfrid eine eingehende
 Studie hinterlassen, die den nachfolgenden Ausführungen teilweise zu Grunde
gelegt ist,
3 Näheres bei Dr. Fr. H. Kraus, Kunst und Alterthum im Elsaß- Lothringen III, 921 und
bei Dr. R. S. Bour, Die Beinhäuser Lothringens. Jahrbuch der Geschichte für lothringische
Geschichts- und Altertumskunde, 17. Jahrgang (1905) 2. Hälfte Seite 1.

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