Full text : Die christliche Kirche im Bliesgau (2)

und verwickelter. Die Orte Bliesmengen und Bliesbolchen gehörten ursprünglich
 fast ganz den Herrn von Mengen, die dort ein festes Schloß
hatten. Nach und nach erwarben aber die auf dem Schlosse Frauenberg
sitzenden Herrn von Sirk von ihnen viele Gerechtsame in beiden Orten.
Zu ihnen trat als weiterer Bewerber das Herzogtum Lothringen, das von
dem 1297 wieder erlangten Saargemünd aus seine Hände weiter nach
Osten ausstreckte. Seiner Macht veriraute sich denn das Kloster in Zeiten
der Not, wie z.B. 1525 beim Bauernkrieg, auch an, aber dem Versuche
Lothringens, seine Landeshoheit auf das Kloster auszudehnen, trat dieses
1554 — 1556 erfolgreich entgegen. Ein. ähnlicher Versuch ist vielleicht kurz
nachher auch von den seit 1541 auf Frauenberg gesessenen Grafen von
Eberstein gemacht worden.
Wahrscheinlich war die. Einführung der Reformation im Herzogtum
Zweibrücken und in der Grafschaft Nassau-Saarbrücken die Ursache, daß
sich Gräfinthal später enger an seinen einzigen, der katholischen Lehre
treu gebliebenen Nachbarn, den Herzog von Lothringen anschloß, denn
diesem gelang es tatsächlich im Laufe der Zeit, Gräfinthal seiner Landeshoheit
 zu unterwerfen, die er allerdings 1668 an die Herren von der Leyen
abtrat.

In den benachbarten Ortschaften hatte das Kloster ausgedehnten Grundbesitz
 und weitgehende Rechte. So gehörten ihm 1/6 der Gerichte zu Bliesbolchen
 und Bliesmengen, sowie 1/4 jenes zu Eschringen. Die Hälfte dieses
Viertels, also ein 1/8 des Ganzen erkaufte es 1515 um 113 rh. fl. von dem
Junker Johann Fust von Stromberg. Anderes lag in den Orten Auersmacher,
 Bebelsheim, Habkirchen, Kleinblittersdorf, Mandelbach, Ommersheim
 und Wittersheim. Die anfallenden Zinsen sind in einem noch erhaltenen
 Gültbuch von 1588 genau verzeichnet. Ein 1421 angelegtes Verzeichnis
der liegenden Gründe des Klosters ist dagegen verlorengegangen.
Außerdem besaß das Kloster das Patronatsrecht der Pfarrkirche zu
Blickweiler, das ihm wohl die Gräfin Elisabeth bei seiner Gründung zuwandte,
und jenes der Pfarrkirche zu Bliesmengen, eine Schenkung der Herren
von Mengen. Beide Kirchen wurden später, wahrscheinlich in der ersten
Hälfte des 14. Jahrhunderts dem Kloster inkorporiert,
Schenkungen von Adeligen und von Bürgerlichen flossen dem Kloster
während der 530 Jahre seines Bestehens in reichem Maße zu, nur der
zweite Gemahl seiner Gründerin hatte für dasselbe nichts übrig. Schenkte
er doch auf dem Totenbette einen Weinberg bei Bolchen nicht dem ganz
nahe dabei gelegenen Gräfinthal, sondern dem Kloster Werschweiler 2).
Einen gewissen Nutzen zog das Kloster wohl auch aus den drei Jahrmärkten,
 welche bei seiner Kirche abgehalten wurden.
Die Geschichte Gräfinthals zeigt, welchen Gefahren solche kleine
klösterliche Niederlassungen, die ferne vom Sitze eines mächtigen Herren
lagen, ausgesetzt waren, Schaal gibt an, das Kloster sei 1240 von den
100
            
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