Full text : Die christliche Kirche im Bliesgau (2)

malpflege). Aus der Klosterkirche von Gräfinthal kam es, als die Mönche
1785 nach Blieskastel übersiedelten, dorthin. Nach Einziehung der Kirchengüter
 durch die Franzosen, reklamierten die Einwohner von Bliesmengen
das Bild als ihr Eigentum, Die französische Ausleerungskommission, welche
dadurch darauf aufmerksam gemacht wurde, daß das Bild von der Bevölkerung
 hochgeschätzt werde, brachte es nun zur öffentlichen Versteigerung,
bei der es die Mädchen von Blieskastel um 200 fr. erwarben. Aus der
Stiftskirche wanderte es in die Hl. Kreuz- (sogenannte Han-) Kapelle, wo
es von einem Stoffmantel umhüllt hoch oben an der linken Seitenwand
auf einer Konsole stand. Erst 1911 kam es wieder zu Ehren, wurde in
München gereinigt, ergänzt und neu gefaßt, um nun den Hauptaltar der
genannten Kapelle zu schmücken.
Der Name Gräfinthal ist verhältnismäßig neu. Nur 1327 wird es ein
einzigesmal Vallis comitissee und 1551 ein einzigesmal Gräffinthal genannt,
sonst immer Grevendal, Grewendal, Grebendal, Grabendal, Gräfenthal,
Vallis comitis. Erst seit den Zeiten Dom Calmets bürgerte sich seit 1725
der heute gebräuchliche Name Gräfinthal ein. Daneben findet sich vereinzelt
in französischen Schriftstücken aus der Zeit des Bauernkrieges der Name
„Monastere Nostre Dame de la traicte” = Kloster der Madonna mit dem
Pfeile.
Das Kloster war von Anfang bis zu Ende im Besitz von Brüdern des
vom hl. Wilhelm von Maleval gegründeten Wilhelmitenordens, deren Anzahl
 wechselte, wohl aber meistens sieben betrug, von denen je einer die
Pfarreien Blickweiler und Bliesmengen versah, so daß im Kloster selbst
nur fünf anwesend waren. Sie unterstanden einem von ihnen selbst gewählten
 Prior, dem zeitweise, aber nur selten, ein Subprior zur Unterstützung
an die Seite gestellt war.
Ständiger Visitator von Gräfinthal war der jeweilige Prior des Wilhelmitenklosters
 Marienpfort bei Waldböckelheim im Kreis Kreuznach. Beide
unterstanden ursprünglich dem Prior der deutschen Ordensprovinz; später
aber, als infolge der Einführung der Reformation die meisten Wilhelmitenklöster
 in Deutschland aufgehoben wurden, ging die deutsche sowie die
italienische Provinz ein, wonach Gräfinthal unmittelbar unter dem meist
einem flandrischen Kloster entnommenen Ordensgeneral stand.
Das Visitations- und Aufsichtsrecht wurde strenge gehandhabt. Auf
Veranlassung des Visitators legten 1437 Prior Conrad und 1481 Prior Albrecht
ihre Stelle nieder, und wenn Prior Jakob von Püttlingen 1558 auf seine
24 Jahre lang innegehabte Würde resignierte, so geschah dies wahrscheinlich
 auch nicht ganz freiwillig.
Die meisten Orte, in denen Gräfinthal Besitzungen und Rechte hatte,
waren von Anfang an unbestrittene Bestandteile der Herrschaft Blieskastel
und kamen mit dieser 1339 an das Kurfürsten- und Erzbistum Trier. In der
Nähe des Klosters selbst waren die politischen Verhältnisse aber unklarer

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