H. Das Wilhelmitenkloster Gräfinthal
Literatur
Schaal Friedr., Bruchstück weise Nachrichten über das Gotteshaus Gräfinthal, die Erbauung
desselben, die Wunderwerke, so von Anfang zu Ehren der Gottesmutter Maria erzeigt.
1671. — Remling Fr. X., Urkundliche Geschichte der ehemaligen Abteien und Klöster im
jetzigen Rheinbayern. Neustadt/Hdt. 1836. Bd. I S. 300. — Die Baudenkmäler in der Pfalz,
gesammelt und herausgegeben von der pfälzischen Kreisgesellschaft des kgl. bayr. Architekten-
und Ingenieurvereins Bd HI. S. 198, — Langhauser Ad., Die Pfeilenmadonna in der
hl. Kreuzkapelle zu Blieskastel. Pfälzisches Museum 1913 S. 91. — Gayot, Histoire de la
seigneurie de Bliescastel. Bulletin de la Societe des Amis des Pays de la Sarre NO 1 (1925)
S. 252. — Pöhlmann Dr. Carl, Regesten des Wilhelmitenklosters Gräfinthal bis 1599. Speier
1930.
Über die Gründung dieses Klosters sind wir nur höchst mangelhaft
unterrichtet, denn da es mehrfach von Bränden und Verheerungen heimgesucht
wurde — letztmals kurz vor 1421 —, so bildete eine alte, frühestens
1421 entstandene Handschrift des Klosters die einzige Quelle für seine
Geschichte, Für Sage und Legende war daher ein reiches Feld gegeben und
beide haben die Gründung Gräfinthals so umsponnen, daß es heute schwer
fällt, den wahren Kern aus dem Wust von Beiwerk herauszuschälen.
Zuerst hat Schaal und fünfzig Jahre später Dom Calmet!) unter Benutzung
der genannten Handschrift die Klostergründung ziemlich gleichmäßig
folgendermaßen beschrieben: „Nicht weit von dem heutigen Gräfinthal
stand in einem Eichbaum in einer Nische ein Muttergottesbild, Wüste
Gesellen, die daran vorbeizogen, schossen darauf mit Pfeilen, die in dem
Bild stecken blieben. Aus den Wunden floß Blut; ein Blinder, der sich die
Augen damit einrieb, wurde sehend. Auch die Gräfin Elisabetha von Blieskastel,
die an triefenden Augen litt, wurde durch dieses Blut von ihrem
Leiden geheilt, Aus Dank dafür ließ sie unweit der Eiche ein Kloster erbauen,
in welches das wundertätige Bild überführt wurde." Beide Schriftsteller
gehen nur insofern auseinander, als Schaal die Verletzung des Bildes, Dom
Calmet dagegen die Klostergründung in das Jahr 1243 verlegt.
Sieht man von dem Beiwerk frommer Legende ab, so wird man sich
die Entstehung des Klosters folgendermaßen vorstellen dürfen: In den ausgedehnten
Waldungen nördlich von Gräfinthal, und zwar an der Stelle,
welche heute den Namen Brudermannsfeld trägt, ließen sich in der ersten
Hälfte des 13. Jahrhunderts ein oder einige Einsiedler nieder, die nach der
Regel des hl. Wilhelm lebten. Ihre Andacht verrichteten sie vor einem aus
Holz geschnitzten Marienbilde, das sie in der Höhlung einer alten Eiche
aufgestellt hatten. Vorbeiziehendes Kriegsvolk benützt das Bild als Zielscheibe
und schießt mit Pfeilen darauf, die in dem Holze stecken bleiben.
Gräfin Elisabeth, welche von diesem Frevel hört, sucht das Bild vor weiterer
Verunehrung zu schützen, indem sie es in einer eigens dafür erbauten Kapelle
unterbringen läßt, neben der für die Einsiedler ein Kloster erbaut wird.