Full text: Die Burbacherhütte 1856 - 1906

Grund mit der wirtschaftspolitischen Ueberlieferung des jungen Reiches zu brechen. Es, bedurfte 
des Eintretens einer neuen Notwendigkeit, welche nach derselben Richtung hinwies, um ihn für die 
Bahnen des Schutzzolles zu gewinnen. Eine solche trat auf in dem Bedürfnis, die Finanzen des 
Reiches von den Finanzen der Einzelstaaten möglichst unabhängig zu machen. Dazu bedurfte 
das Reich der Entwicklung eigener Steuerquellen. Für diese lag in der Reichsverfassung die 
Richtung vorgezeichnet. Wie das Reich jedem unbescholtenen erwachsenen Mann das gleiche 
Stimmrecht gab, so konnte es auch verlangen, dass jeder erwachsene Mann das gleiche Mass zur 
Befriedigung der Bedürfnisse des Reiches beitrage. Ein Eingangszoll aber wirkte ungefähr wie eine 
Kopfsteuer. Er traf zum mindesten die Bevölkerung ohne genaue Rücksicht auf die Grösse des Ein- 
<ommens des einzelnen. In der Entwicklung der Eingangszölle des Reiches zu einem dauernden 
‚esten Rückgrat für die Reichsfinanzen lag für Bismarck der Grund, welcher ihn zugunsten des 
Schutzzolles und gegen den Freihandel umstimmte. Lauter und immer lauter waren die Klagen der 
deutschen Industrie über die verkehrte Wirtschaftspolitik des Reiches geworden. An erster Stelle 
waren es die Eisenindustrie und an zweiter Stelle die Textilindustrie, die den öffentlichen Kampf 
gegen den Freihandel aufnahmen. Es bildeten sich grosse industrielle Verbände zu dem Zwecke, 
den Schutzzollgedanken zu verfechten. So der Verein deutscher Eisen- und Stahlindustrieller und 
der Verein süddeutscher Baumwollindustrieller. Sie erhielten eine Obervereinigung in dem 1876 
gegründeten Zentralverbande deutscher Industrieller. Da die Oeffentlichkeit und insbesondere der 
Reichstag der Tatsache, dass die deutsche Industrie am Ende ihres Bestehens angekommen war, 
ı10ch immer ungläubig gegenüber standen, so drang der Zentralverband in den Reichskanzler, er 
nöge nach dem Muster einer französischen Zollenquete ebenfalls eine Reichsenquete über die Lage 
der Eisenindustrie und der Textilindustrie vornehmen lassen. 1878 willigte Bismarck ein und 
derief. zwei Enquetekommissionen zur Untersuchung der Lage der beiden Industrien. Der sechs- 
zliederigen Enquetekommission für die Eisenindustrie gehörte von der Saar der Geheime Kommer- 
zienrat Karl Ferdinand Stumm an, Das Ergebnis der Enquete war, dass tatsächlich die Ueberflutung 
des deutschen Marktes mit Eisen aus Ländern, welche wesentlich niedrigere Herstellungskosten dafür 
natten als Deutschland, an erster Stelle die schlimme Lage der deutschen Eisenindustrie verschuldete, 
Als dieser Erkenntnis einmal Bahn gebrochen war, liess sich auch der Reichstag bekehren. Am 
24. Juli 1879 führte er die Eisenzölle wieder ein, wenn auch nur in den mässigen Beträgen, welche 
unbedingt erforderlich waren. Roheisen erhielt wieder einen Schutzzoll von 1 M., wie es ihn bis 
1870 gehabt hatte, und Schweiss- und Flusseisen einen solchen von 2,50 M. auf 100 kg. 
Für die Geschichte der Luxemburger Bergwerks- und Saarbrücker Eisenhüttenaktiengesell- 
schaft wurde diese Eisenenquete dadurch zu einer bemerkenswerten Quelle, dass ein Mitglied des 
Hauses Metz & Co., Emil Metz, am 13. November 1878 vor der Enquetekommission ver- 
10mmen wurde. Seine Angaben sind auf Seite 199-—230 der „Protokolle über die Vernehmungen 
der Sachverständigen durch die Eisen-Enquete-Kommission‘“ enthalten. Danach stellten sich die 
Preise der Erze an der Hütte zu 3,67 Frcs, Der Zuschlag kostete 1,95 Fres., der belgische Koks 
kam 21,25 Fres. und der westfälische Koks 21,82 Frcs. Saarkoks brauchte man bereits 1878 gar 
nicht mehr, weil er zu wenig tragfähig für die neuen grossen Hochöfen war. Das Ausbringen der 
Erze schwankte zwischen 31 und 33 v.H. Die Selbstkosten betrugen für Puddelroheisen 44,69 Fres, 
Man machte jedoch auch Giessereiroheisen, das auf52,50 Frcs. kam. Die Verschaffungskosten der Roh- 
stoffe beliefen sich auf 37 v. H. des Wertes derselben. Auf die Tonne Roheisen entfielen 4,50 Fres. 
Verschaffungskosten für Erze und Zuschläge und 11,72 Fres. für Koks. Für die Tonne weisses Eisen 
brauchte man 1130 kg und für die Tonne graues Eisen 1350 kg Koks. Auf die Tonne Erz wurde 
eine Abgabe von 50 Centimes an die Luxemburger Regierung gezahlt. Seit 1873 waren 30 bis
	        
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