auch ist der Besuch ein vollkommen freiwilliger, irgend
welcher Zwang wird in keiner Weise ausgeübt. Für die
älteren Mädchen sind Strick- und Nähschulen eingerichtet,
die ebenfalls eines sehr eifrigen Besuches sich erfreuen,
Zu Hause gehen die Kinder den Müttern in ihren Freistunden
fleissig zur Hand, ohne dass dabei ihre jugendlichen
Spiele und Vergnügungen zu kurz kommen.
Der Glasarbeiter ist in der Regel von ausserordentlich
nüchterner Natur: wohl geht er am Feierabend ins
Wirtshaus, um beim Glas Bier mit den Kameraden die
Ereignisse des Tages zu besprechen, doch macht er es
ulcht so, wie viele andere Arbeiter, im Saarrevier besonders
die Bergleute, die nach erfolgter Löhnung die sauer verdienten
Groschen möglichst schnell durchzubringen sich
bemühen, während Frau und Kind zu Hause sitzen und
oft nicht wissen, wer ihnen Credit für die nötigen
Lebensmittel giebt. Das Bedürfnis des Arbeiters nach
geistiger Nahrung, dem die ortsüblichen Tageblätter nur
in geringem Massen zu entsprechen im Stande sind, wird
durch zahlreiche Vereine aller Art befriedigt. Vielfach
kommt es vor, dass die Arbeiter einer Hütte ihre eigenen
Vereine ‘bilden, hauptsächlich Gesang- und Turnvereine.
Erstere geben regelmässig ihre kleinen Feste, bei denen
Vocal- und Instrumentalmusik mit der Aufführung kleiner
Theaterstücke abwechselt und entledigen sich die gewöhnlich
unter Leitung eines Schullehrers stehenden Vereine
in einer geradezu überraschenden Weise ihrer Aufgaben.
Dabei wird nie vergessen, zu dergleichen Veranstaltungen
die Unternehmer einzuladen und von diesen auch nie ver-“säumt,
einer solchen Einladung Folge zu leisten. Kinem
interlocalen Fachverein gehört, so viel in Erfahrung zu
bringen war. kein Arbeiter des ganzen Reviers an: es ist
dieser Umstand wohl darin begründet, dass die Glasarbeiter
in der That vorläufig einer Vertretung ihrer Interessen
gar nicht bedürfen, andererseits darin, dass der bestehende
Fachverein, der in Dresden seinen Sitz hat, wie so viele