Full text : Die Tafelglasindustrie im Saarthale

Kunst in Venedig bis ins 14. Jahrhundert von der byzantinischen
 abhängig. Dann aber entwickelte sie. sich rasch
selbständig, ein reger Betriebseifer und ein ausserordentliches
 Geschick im Erfinden und Componieren neuerer
Glassorten, neuer Formen sind ein besonderes Kennzeichen
der venetianischen Glasmacher. Ein ausgedehnter Export,
der sogar bis China sich erstreckte, war die Folge dieses
hoch entwickelten Gewerbefleisses.
In Östreich hatte man in dem Glase schon zur Zeit
der sächsischen Kaiserinnen bedeutende Handelsartikel gefunden.
 In Wien machte man vielfach im i4. und 15. Jahrhundert
 Versuche die venetianische Kunst nach Östreich
zu verpflanzen, indem man die venetianischen Meister, die
trotz der strengen Gesetze von Venedig flüchteten, unter
den denkbar günstigsten Bedingungen zur Niederlassung
verhilft. In Frankreich bestanden bereits im 13. Jahrhundert
Glasöfen, die jedoch gewöhnlich nur gemeines Glas zu
Flaschen herstellten; hier sind es hauptsächlich die edien
Geschlechter, die die Errichtung der Fabriken übernehmen
und deren Nachkommen übten noch bis ins 16. Jahrhundert
die Fabrikation aus, geschützt und pefördert durch zahlreiche
 Privilegien.
In der Rennissancezeit erwuchs der venetianischen
Kunst in der deutschen und französischen eine bedeutende
Concurrenz. In Deuschland sind von Fichtelgebirge, Baiern
der Spessart, besonders Böhmen, das in der Gefässbildnerei
bedeutendes Jleistete'). Überhaupt ist Böhmen nicht nur
durch seine vorzüglichen Leistungen, durch die es heute
ebenso wie in früheren Jahrhunderten besonders Venedig
eine scharfe Concurrenz machte, sehr beachtenswert,
sondern besenders auch durch seine ausgezeichnete Zunftorganisation,
 ferner durch die Art und Weise, wie der
geschickte Handelsgeist der Böhmen es verstanden hat, seine
Waaren nach aller Herrn Länder zu exportieren. Besonders
Ende des I7. und Anfang des 18. Jahrhundert hatten die

1) A. Bräf, Studien übernordböhmische Arbeiterverhültnisse. Prag.
            
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