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Streik der Bergleute jetzt Aussicht auf Erfolg habe oder aussichtslos sei.
In diesem entscheidenden Punkte könnten die Mitglieder innerhalb der beiden
Organisationen unter sich verschiedener Meinung sein. Wer der Ueberzeugung
war, daß ein Streik aussichtslos sei, war — mochte er christlicher Gewerk⸗
schaftler sein oder Anhänger der katholischen Arbeiterorganisation — im Ge—
wissen verpflichtet, die Streikstimmung zu bekämpfen, um das Elend eines
weraus verlorenen Streikles von den Bergleuten und deren Familien ab—
zuhalten.
Der katholische Arbeiterselretär Koßmann legte auf der Delegierten—
versammlung am 15. Dezember 1912 in Saarbrücken-Malstatt die Gründe
dar, warum ein Streik jetzt aussichtslos erscheine, und die Delegierten stimmten
ihm bei. Gemäß seiner Ueberzeugung bekämpfte Herr Koßmann in einer
Reihe von Versammlungen die Streikstimmung mit rein sachlichen Gründen,
er bekämpfte nicht die christliche Gewerkschaft als solche, zumal er wußte, daß
hervorragende Mitglieder der Gewerkschaft selbst einen Streik für aussichts—
los und den Bergleuten schädlich hielten.
Die „Saarpost“ und einige Gewerkschaftsagitatoren erweiterten den
Kampf über den einen strittigen Punkt hinaus zu einem allgemeinen
Gewerkschaftsstreit und übertrugen diesen Kampf weiter auch auf das
politische Gebiet, indem sie Herrn Koßmann nicht nur als Arbeitersekretär,
sondern auch in seiner Eigenschaft als Zentrums—
abgeordneten angriffen, wärend doch die Gewerkschaften politisch
neutral sein wollen und der Vorsitzende der Zentrumspartei der Rheinprovinz,
Herr Justizrat Trimborn, auf dem Zentrumsparteitag am 16. und 17. Oktober
1910 in Neunkirchen gerade im Hinweis auf unsere Verhältnisse im Saar—
gebiet offiziell erklärt hatte, daß beide Organisationen im Zen—
trum fich zusammenfinden könnten, daß das Zentrum
nicht der Boden sei, auf welchem die eeedeae
gelöst werden könnte und beide Richtungen dem Zentrum
dienen wollten. Der Gewerfkschaftsstreit solle also vom politischen Zen—
trumsgebiete fern gehalten werden. Dadurch, daß die „Saarpost“ den Herrn
Koßmann in seiner Eigenschaft als Abgeordneten in verletzender Weise
angriff, hat sie die Zentrumssache geschädigt und die ohnedies großen
Schwierigkeiten in unsern Wahlkreisen für kommende Wahlen noch vergrößert.
Dagegen mußten wir Verwahrung einlegen. Wie der Parteivorstand unseres
Wahlkreises schon früher, im Jahre 1909, si genötigt sah, an den Landes—
ausschuß der preußischen Zentrumspartei die Beschwerde zu richten:
„Entgegen der offiziell proklamierten „politischen Neutralität“ der
christlichen Gewerkschaften werden im Saarrevier durch die Bezirksleitung
der christlichen Gewerkschaften Politik und Gewerkschaft verquickt, wobei
die Gewerkschaft über die Partei gestellt wird“ —
so erachtete es jetzt der Parteivorstand für seine Pflicht, „an die Zen—
trumsfraktion des Deutschen Reichsstags und des Preußischen Abgeordneten—
hauses Protest zu richten gegen die Angriffe der „Saarpost“ und des Ab—
geordneten Imbusch gegen den Reichstagsabgeordneten unseres Wahlkreises,
B. Koßmann, welche dessen Stellung und die Lage der Partei aufs ärgste
gefährden müssen.“
Der unterzeichnete Vorstand protestierte „auf das allerschärfste gegen
eine derartige, die Partei schädigende Herabsetzung des von uns hochgeschätzten
Abgeordneten, dessen Stellungnahme zu dem Streik unsere vollste Billigung
findet. Wir bitten die Zentrumsfraktion des Reichssstages und des ——
Abgeordnetenhauses dringend, einer Wiederkehr derartiger Vorkommnisse vor—
zubeugen und dem Abgeordneten Koßmann für die ausgesprochene Kränkung
GBenugtuung zu verschaffen“.
Die Angriffe auf den Abgeordneten Koßmann sind um so mehr zu
beklagen, als Herr Koßmann die bei der Wahl auf ihn gesetzten Erwartungen
in sehr hohem Grade erfüllt hat. Als tüchtiger Redner hat er
mit großer Sachkenntnis und in geschickter Weise die Inteéressen unseres Be—
zirkes und besonders die der Arbeiter wahrgenommen, und so in kurzer Zeit