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9. Verhetzend. Daß das Volk durch solches Vorgehen irregeführt
n gegen seine Bischöfe aufgehetzt wird, bedarf keines weiteren Be—
weises.
10. Ehrfurchtslos.) „Das ist nicht die Sprache, die Kirchenfürsten
gegenüber am Platze ist.“ (Augsb. Postztg.)
Die Artikel des „Bergknappen“ und des „Zentralblattes der
christlichen Gewerkschaften“ zeigen unklare Auffassungen, Rücksichtslosig—
keit und Selbstüberhebung. Wir können uns das nur erklären durch
die Annahme, daß diese Artikel von Leuten geschrie—
ben sind, die wohl wirtschaftliche Fragen in ein—
seitiger Weise studiert, aber keine gründlichen
philofophischen und theologischen Studien gemacht
aben.
Esist abertiefbedauerlich, daß solche Leute sich
anmaßen, über einen Kirchenfürsten zu Gericht zu
sitzen, dessen Geistesschärfe, Gelehrsamkeit und
ktiefgläubige Auffassung mit Recht bewundert wer—
den und der in vollem Einklang gehandelt hat mit
den Weisungen des Heiligen Vaters.
) Es kann nicht wundernehmen, daß der „Bergknappe“ eine solche
Sprache führt, wenn man sich an das erinnert, was der Generalsekretär
der christlichen Gewerkschaften Stegerwald über denselben Bischof von Trier
geschrieben hat. In dem bekannten (durch Kopie vervielfältigten, an einige
absolut zuverlässige Personen geschickten und später in den „Süddeutschen
Monatsheften“ veröffentlichten) Briefe vom 17. Oktober 1908 berichtet
Stegerwald dem damals in Rom weilenden Verleger der „Köln. Volksztg.“
Fr. X. Bachem über eine mit „Herrn Bischof Korum“ gehabte Besprechung
u. a. wie folgt:
„Im übrigen ist uns im Verlaufe der Aussprache erst richtig klar
geworden, welch gewaltiger Gegensatz zwischen den schlaueren
opportunistischen Kreisen — um das angeseindete Wort Modernismus
nicht zu gebrauchen — und der doktrinären, weltfremden Rich—
tung im deutschen Katholizismus besteht. Herr Korum ist
in einer unbeschreiblichen Weise erbost, daß die von ihm vertretene Richtung
in Deutschland als Schwärmerei behandelt wird. ...... Hätten wir
indes Herrn Bischof Korum so gut gekannt wie heute, hätten wir uns über—
legt, ob wir hingehen sollten. Denn mit geistlichen Herren, die mit solchem
Fanatismus die Welt in ein von unserer Anschauung ab—
grundtief verschiedenes System hineinzwängen zu können
glauben, ist eine ehrliche Verständigung . ..... unmöglich. ...... Den
Katholiken Deutschlands um den Volksverein, die „Köln. Volkszeitung“ usw.
wird also einstweilen kaum etwas anderes übrig bleiben, als Fanatiker
eben möglichst links liegen zu lassen“ (Die Sperrungen sind vom
Verfasser der Broschüre,))
Diese Sprache (Fanatismus, Schwärmerei, Fanatiker) in bezug auf
einen hervorragenden Kirchenfürsten, der gewissenhaft den Weisungen des
Papstes folgt, kann auch durch den Umstand in keiner Weise entschuldigt
werden, daß der Brief nicht für die Oeffentlichkeit gewesen sein soll. Herr
Stegerwald hat bis heute kein Wort des Bedauerns für diese Beleidigungen
des Bischofs von Trier gefunden. Und dieser Mann durfte auf dem Gewerk—
schaftskongreß in Essen das Hauptwort führen!