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Soviel uns bekannt ist, hat es auch große Verstimmung vieler
Arbeiter erregt gegen christliche Gewerkvereinsführer, als diese im
Ruhrrevier wie auch im Saarbezirk (am 29. und 30. Dezember) sich
gegen den Streik erklärten.
7. Beleidigend. Der Bischof von Trier hat bei allen
vernünftigen Leuten durchseine Haltungauchnicht
den Schein erweckt, als wenn die Kirche und ihre
Diener Gegner der wirtschaftlichen Besserstellung
der Arbeiter und Verbündete des Kapitals seien.
Das sind frivole Vorwürfe von Leuten, die stets allerlei
Vorwände böswillig suchen, um Stimmung zu machen gegen die
Bischöfe, speziell gegen den Bischof von Trier. Durch die Reihe von
Fragen, die der „Bergknappe“ an den Bischof zu stellen sich erlaubt
(vgl. S. 79), weckt er unbegründeten Verdacht gegen diesen und bringt
ihm bei den Lesern unverdiente Vorwürfe ein, als sei er kein Freund
der armen Arbeiter. Bei der Weihe eines Bischose wird diesem die
Frage gestellt: „Willst du ein' Vater der Armen sein?“ Darauf hat der
Bischof von Trier mit „ja“ geantwortet und hat sich auch stets als
Vater der Armen gezeigt. Seine ideale Gesinnung in dieser Hinsicht
ist weit über die Grenzen der Diözese Trier hinaus bekannt.
Schon die Nahelegung des Gedankens, der
Bischofvon Trier sei Gegnerder Besserstellungder
armen Arbeiter, ist ehrverletzend und für einen so
verehrungswürdigen Bischof tief kränkend.
Der Bischof von Trier will, daß die Arbeiter eine Organisation
haben, die ihnen in all ihren Lagen zu ihren Rechten verhilft, soweit
das nur zu erreichen ist. Er hat oft genug seinem Klerus ans Herz ge—
legt, sich der Arbeiter anzunehmen. Dieser Mahnung ist der Klerus
mit großer Opferwilligkeit nachgekommen. Wenn der Bischof von
Trier die christlichen Gewerkschaften nicht empfohlen hat, so gibt gerade
das Verhalten des „Bergknappen“ jetzt ihm völlig recht.
Die vom Papste und Bischofe empfohlene und geförderte katho—
lische Organisation ist überall, wo man sie eingeführt hat, mit großem
Fleiße für die Rechte der Arbeiter tätig gewesen. Gehören etwa aus—
sichtslose Streiks und Aufreizung der Arbeiter zu solchen auch zu den
Mitteln, die Arbeiter besserzustellen? — Ueber das, was katholische
Geistliche, insbesondere Kaplan Dasbach seligen Andenkens (vgl. S. 10),
für die Arbeiter im Saarrevier getan haben, noch ehe man an die Christ⸗
lichen dachte, könnte man ein dickes Buch schreiben.
8. Unerhört. Das Vorgehen des „Bergknappen“ und des
„Zentralblattes der christlichen Gewerkschaften“ hat bei vielen Katho—
liken Besorgnis erregt. Man spricht von dem Terrorismus der Sozial—
demokraten. Es scheint, daß man auch auf seiten der christlichen Ge—
werkschaften durch die hochfahrende Sprache und die stete Betonung
der Selbständigkeit erreichen will, daß niemand mehr wagt, zur Beur—
teilung wirtschaftlicher Fragen gegen die Weisheit von christlichen Ge—
neeei— den Mund aufzutun. Und doch gibt es auch noch
andere Leute, die Se zum Denken und berechtigté Interessen haben.
Hofft vielleicht der „Bergknappe“, daß sich nach solchem Auftreten die
Bischöfe vor ihm fürchten? Dann irrt er sich.