Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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mals: Wo soll das hinaus?! Selbstverständlich wird kein rechtlich
Denkender annehmen, daß gläubige katholische Arbeiter ein so unqualifizier—
bares Auftreten des „Bergknappen“ billigen könnten. Was speziell die katho—
lischen Bergleute des Saarreviers betrifft, so haben sie oft genug gezeigt,
daß sie ihrem Oberhirten, dessen unausgesetzte treue Fürsorge fuͤr ihr zeitiges
und ewiges Wohl sie vielfach an sich erfahren haben, eine so innige Ver—
ehrung und Liebe entgegenbringen, daß es auch dem „Bergknappen“ nicht
gelingen wird, sie darin wankend zu wachen Was der' „Bergknappe“ an
unwahren Ausstreuungen und Verdächtigungen gegen die „Ger—
mania“ sich leistet, gibt uns keinerlei Anlaß zu einer Erwiderung; dazu ist
es wirklich zu lächerlich und kindisch.“

——

Nachdem wir bis dahin meist Urteile der Presse zu den Artikeln
des „Bergknappen“ angeführt haben, wollen wir sie nun selbst einer
Prüfung unterziehen und die Irrungen derselben beleuchten.
Das Vorgehen des „Bergknappen“ gegen den Bischof von
Trier ist

1. Lächerlich. Der Bischof hat sein Schreiben nicht gerichtet an
den Gewerkverein christlicher Bergarbeiter an der Saar, hat auch in
keiner Weise in die Verhandlungen desselben sich eingemischt oder ihm
Weisungen für seine Entschließungen gegeben. Wäre das geschehen,
so könnte man einigermaßen die Angriffe des „Bergknappen“ auf den
Bischof sich erkllären. So aber sind sie rein lächerlich.
2. Anmaßend. a) Er spricht dem Bischof das Recht ab, „in wirt—
schaftlichen Berufsfragen der Bergarbeiter im Gegensatz zu deren
Organisation als Bischof bestimmend einzugreifen.“ Hier maßt sich der
„Bergknappe“ ein Richteramt nicht bloß uͤber den Bischof von Trier,
sondern über alle Bischöfe an, das ihm absolut nicht zusteht. b) Der
„Bergknappe“ spricht von der Erledigung der wirtschaftlichen Berufs—
fragen der Bergarbeiter in einer Weise, als ob alle Bergarbeiter ihn
und die von ihm vertretene Organisation zu ihrem Sachwalter bestellt
hätten. Das ist Anmaßung. Die Mehrzahl der Bergarbeiter des
Saarreviers will von ihm und seiner Organisation nichts wissen. An—
maßung ist es auch, wenn der „Bergknappe“ sagt: „Der Streik ist auch
jetzt nicht vertagt, weil der Bischof von Trier es wünschte, sondern
weil die Gewerkschaftsführer als vernünftige und gewissenhafte
Renschen das für notwendig und nützlich hielten.“ Konnten denn nicht
auch Arbeiter streiken wollen, die nicht christlich organisiert waren?
Wozu kamen die Delegierten zur Revierkonferenz? Um abzustimmen
oder bloß zu hören von den Führern, ob gestreikt wird oder nicht?
3. Selbstüberhebend. Soll von wirtschaftlichen Berufsfragen
niemand etwas verstehen außer den Führern der christlichen Ge—
werkschaften und einigen Zeitungsredakteuren?
4. Unwahr. Der „Bergknappe“ unterstellt in Nr. 4, daß der
Bischof von Trier im Gegensatz zu den an der Spitze des Gewerkvereins
stehenden Fachleuten bestimmend einzugreifen versucht habe. Das
ist nicht wahr. Erstens war am 29. Dezember kein Gegen—
satz zwischen dem Bestreben des Bischofs und den
Bemühungen der Gewerkvereinsführer., Beide
1) Auch die Köln. Volkszeitung hat in Nr. 24 und 75 (1913) festzu⸗
stellen sich bemüht, daß die Tendenz des bischöflichen Briefes mit dem
Bestreben der Gewerkschaftsführer am 29. und 80. Dezember übereinstimmte.
            
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