Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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die kirchliche Autorität ist die Mitwirkung von Geistlichen willkommen;
sonst aber will man denselben in wirtschaftlichen Fragen den Einfluß
auf die Arbeiter nicht einräumen. Vgl. Matth. 15, 14.
Hier sei denn auch wiedergegeben, was die „Köln. Volksztg.“
Nr. 75 p. 25. Januar 1913 zu den Artikeln des „Bergknappen“ in sehr
zarter Weise schreibt:
„Wenn der „Bergknappe“ glaubte, an der Stellung des Bischofs von
Trier in der Angelegenheit der ehereh an der Saar Kritik
üben zu sollen, so durfte er es jedenfalls schon mit Rücksicht auf die katholischen
Mitglieder des Bergarbeiterverbandes nur mit strengster Wahrung der Form
und mit aller gebotenen Zurückhaltung tun. Es ist sehr bedauerlich, daß
dies nicht in allen Wendungen des Artikels bezw. der Artikel geschehen ist.“
Während Zentrumsblätter, denen die Autorität der katholischen
Kirche und die Interessen des wahren zeitlichen und ewigen Wohles
der katholischen Arbeiter höher stehen als bedenkliche wirtschaftliche
Richtungen, die unerhörte, anmaßende Kritik des „Bergknappen“ und
des „Zentralblattes der christlichen Gewerkschaften“ gegenüber dem
Bischof von Trier in schärfster Weise auch sach lich mißbilligen und
verurteilen, haben andere das Vorgehen des „Bergknappen“ nur ver—
urteilt oder bedauert teils als eine Entgleisung eines Fachorgans,
die man mit Rücksicht auf die katholischen Mitglieder und die kirchliche
Würde („Augsb. Postztg.“ oben) hätte vermeiden können, teils als eine
Entgleisungin der Form (, Köln. Volksztg.“ oben) bzw. dem
Ton („Duisb. Volksztg.“ oben).)
Von einer Entgleisung im Ton will der „Bergknappe“ aber
nichts wissen. Er schreibt in Nr. 5 vom 1. Februar 109183:
„Einige der genannten Blätter entrüsten sich über unseren Ton, meinen
aber die von uns vertretenen Anschauungen. Unser Ton ist nur klar und
deutlich. Wenn wir „ja“ sagen wollen, sagen wir „Ja“; wollen wir „nein“
sagen, dann sagen wir unzweideutig „Nein“: Wenn wir einem unsere Ansicht
sagen wollen, so sagen wir sie unverblümt und wickeln sie nicht so ein, daß
sie nachher kaum mehr herausgefunden werden kann. Konventionelle Phrasen

Kirche galten, die rechte katholische Treue absprechen. Das kann und darf
aber niemand, folglich, so sollte man glauben, kann diese Regel heute nicht
mehr gelten oder sie ist nie richtig gewesen. Aber in welche Zweifel, in
welche Verwirrung wird man gestürzt, wenn man sieht, wie Männer, die man
als Vorbilder katholischen Denkens und Lebens verehrt, mit den Worten und
Kundgebungen des Papstes umspringen, wenn sie in ihren partei—
politischen Kram nicht hineinpassen!“
„Ich schreibe diese Zeilen mit der Bitte um Veröffentlichung, weil ich
hoffe und erwarte, daß sich aus den Reihen jener Katholiken, die jetzt wieder
die Entscheidung des Papstes in Sachen der Gewerkschaften als eine höchst
unglückliche bezeichnen, doch einer findet, der mir diese Zweifel und
Unbegreiflichkeiten aufklären wird: Wie man nämlich ein guter Katholik
sein, an die göttliche Leitung der Kirche glauben, dem Papfte in Sachen der
Kirchenregierung schuldigen Gehorsam leisten und sich doch in der oben
erwähnten Weife gegen mißliebige Entscheidungen des Papstes, die doch
unzweifelhaft Akte der Kirchenregierung sind und als solche demütige Unter—
werfung der Gläubigen fordern, mit der immer wiederkehrenden Berufung
auf den schlecht informierten Papst auflehnen kann?
Züwemsollen wir gehen, wenn die Stimme der Wahrheit in
der Kirche nur bei außergewöhnlichen Anlässen, bei feierlichen Lehrentscheidun—
gen zu bernehmen sein soll und in allen Wirren der Zeit niemand, da
wäre, der mit Autorität entscheidet, der im Namen Christi spricht?“
1) Die „Duisburger Volkszeitung“ gibt auch sachlich dem „Berg⸗
knappen“ unrecht.
            
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