Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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Das fehlte noch, daß katholische Geistliche vom
„Bergknappen“ herangezogen werden zum Kampfe
gegen einen überaus verdienstvollen und durch
Gelehrsamkeit bedeutend hervorragenden katho—
lischen Bischof,der nachden WeisungendesHeiligen
Vaterssein Verhalten einrichtet.) Im Kampfegegen

1) Hier sei die Klage eines Laien angeführt aus Nr. 7 des Oesterr.
kath. Sonntagsblattes. Der Mann faßt es nicht, wie die Worte des
Papstes auch von katholischen Priestern zum Gegenstande von Erörterungen
gemacht wurden, die einem katholischen Laien einfach unverständlich sind:
„Ich mußte hören, daß gesagt wurde, die Entscheidung des Heiligen
Vaters seisehr bedauerlich, sie werde der katholischen Sache schaden,
der Heilige Vater sei schlecht informiert, sei das Opfer schlimmer
Ratgeber. Die Huldigungsadresse des Berliner Verbandes enthalte offen—
kundige Unwahrheiten, die der Papst offenbar im guten Glauben angenommen
habe. Den „christlichen Gewerkschaften“ sei also schweres Unrecht zugefügt
worden.
Ich muß sagen, wenn diese Kritiker recht haben, wenn der Papst in
einer so wichtigen Frage bei einer Entscheidung derart weit irren kann,
dann muß ich mir die größte Mühe geben, in meinem Glauben an die Leitung
der Kirche und der Kirchenregierung durch den Heiligen Geist nicht wankend
zu werden. Denn es handelt sich hier nicht nur um diese eine Entscheidung.
Eine ganze Reihe von Kundgebungen und Regierungsakten des gegenwärtig
regierenden Papstes wurde von Katholiken, selbst von Priestern, ganz in
derselben Weise kritisiert und als Ergebnisse falscher Information durch
schlechte Ratgeber hingestellt. Hätten die Kritiker recht, in welch arge Ge—
wissensbedrängnis wird dann der katholische Laie gebracht, der an die gött—
liche Leitung der Kirche glaubt?
Die einfachen Laien hören immer sagen, daß der Papst sich irrt, in
den wichtigsten Dingen irrt, daß er belogen und betrogen wird, daß er das
blinde Werkzeug in der Hand schlechter Ratgeber ist, daß er nicht einmal
das weiß, was jeder Zeitungsschreiber im kleinen Finger hat, und dabei ge—
sie glauben, daß ein derart mißleiteter und die einfachsten Dinge falsch
beurteilender Papst gesetzt ist, die Kirche Gottes zu regieren, daß man ihm
also Gehorsam schulde, obgleich sie sehen, daß Priester und Laien sich über
diesen Gehorsam hinwegsetzen. Wenn heute der Papst spricht, so ist es für
einen großen Teil jener Katholiken, deren Mitteilungen er korrigiert, geradeso,
als wenn er nicht gesprochen hätte, ja man muß noch froh sein, wenn es so
ist; wenn man nämlich seine Worte einfach ignoriert und nicht —
dagegen ärgerniserregend polemisiert, wie gegen den ersten
besten Zeitungsschreiber. Wenn Katholiken in der besten Ueberzeugung, Gott
und der Wahrheit zu dienen, an einer Partei, an einer Zeitung, an einer
politischen oder wissenschaftlichen Theorie Kritik üben, weil sie überzeugt sind,
daß damit falsche Wege beschritten werden, so schreit man über die „Friedens—
störer“. Wer aber gegen den Papst sich auflehnt, wer ihm den Gehorsam
berweigert, wer seinen Entscheidungen immer die eigene, abweichende
Meinung gegenüberhält mit der Begründung: Der Papst ist schlecht beraten,
schlecht informiert — ist der kein Einigkeitsstörer? Kann es eine katholische
Einigkeit geben, wenn niemand da ist, der entscheidet in strittigen Fällen
oder wenn diese Entscheidungen von dem dadurch betroffenen Teil nicht an⸗
erkannt werden?
Uns Alten ist in unserer Jugend stets gesagt worden: Habt ihr
Zweifel, ob jemand echt katholisch denkt und fühlt, so seht nur zu, wie er
sich zum Papste stellt; hört er auf den Papst, hängt er an ihm mit
kindlicher Liebe, nimmt er seine Worte und Weisungen gläubig entgegen
und befolgt er sie ßhorsam— dann seid sicher: das ist ein wahrer Katholik.
Wollte man heute aber diese Regel anwenden, müßte man da nicht erschrecken?
Da müßte man am Ende sogar Ordensleuten, die stets als Säulen der
            
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