Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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„Zentralblatt der Christlichen Gewerkschaften Deutschlands“
(Leiter Johann Giesberts) Nr. 3 vom 3. Februar 1913:
„Der Brief wäre jedenfalls besser nicht erlassen worden. Schon beim
Streit von 1893 hat Herr Bischof Korum eine Publikation veröffenilicht, die
ihm lange Zeit von vielen Saarbergleuten sehr verübelt wurde. Die Bischöfe
der übrigen deutschen Diözesen haben noch nie in Arbeiterbewegungen einge—
griffen; sie haben sich bei solchen Auseinandersetzungen ebenso drausgehalten,
wie sie bei Milchpreiserhöhungen, —A — — Fleischteuerungen,
Brotaufschlägen usw. auf Eingriffe verzichteten. Und daß etwa den übrigen
deutschen Bischöfen wegen ihrer reservierten Haltung bei wirtschaftlichen Aus—
einandersetzungen der verschiedensten Volksschichten eine Pflichtvernachlässi—
gung vorgehalten worden wäre, ist ernsteren Kreisen nie in den Sinn gekom—
men. Auch an der Saar bestehen zurzeit andere Verhältnisse als vor
20 Jahren. Der gewecktere und fortgeschrittenere Teil der Saarbergarbeiter—
bevölkerung beansprucht heute in der Beurteilung der berufswirtschaftlichen
und volkswirtschaftlichen Vorgänge im Bergbau und der zu ihrer Regulie—
rung erforderlichen Maßnahmen die gleiche Bewegungsfreiheit und Selb—
ständigkeit, wie alle anderen Interessengruppen. Der betreffende Brief hätte
zudem auf den Gang der Saarbergarbeiterbewegung keinen Einfluß auszu—
üben vermocht: die Mitglieder des Berliner Verbandes hätten sich in der
Mehrzahl ohnehin nicht an einem Streik beteiligt, und die Mitglieder des
Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter hätten, wenn der Streik beschlossen
worden wäre, trotz dieser bischöflichen Mahnung der Gewerkvereinsparole
Folge geleistet. Der Erlaß, oder wenigstens die Veröffentlichung dieses
Briefes wäre also auf alle Fälle besser unterblieben.
Aus diesen Gesichtspunkten heraus hat denn auch der „Bergknappe“,
das Organ des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter, an dem bischöflichen
Schreiben Kritik geübt; das war sein gutes Recht. Eine Bewegung, bei der
ernsthaft mit einem Streik gerechnet werden muß, kann nicht von dutzenderlei
Stellen dirigiert werden. An der Saar wollen auch heute noch Tages—
Fitungen, Parteipolitiker, Abgeordnete, Geistliche usw. bei allen größeren
ktionen ein entscheidendes Wort mitreden. Daß damit der Organisation,
die die Bewegung führt und daher in der Hauptsache auch die Verantwortung
für sie zu übernehmen hat, die größten Schwierigkeiten erstehen und auch die
Erfolgmöglichkeiten einer Bewegung von vornherein gefährdet werden
müssen, sollte man allgemein einsehen“

„Bergknappe“ Nr. 6 vom 8. Februar 1913:
„Da wir kein Interesse an einer Verlängerung der Auseinandersetzun
und einer Verschärfung der Gegensätze haben, machen wir vorläufig uuß
der Debatte. Wir bringen weder die Aeußerungen für, noch gegen uns zum
Abdruck. Da aber in einzelnen Orten von unseren Gegnern der —3
Ju erwecken versucht wird, als müsse jeder Katholik gegen unsere An n
Front machen, so müssen wir noch betonen, daß sehr angesehene katholische
Geistliche, an deren Rechtgläubigkeit nie gezweifelt wurde, auf unserem
Standpunkte stehen und sogar der Ansicht sind, daß wir unsere Pflicht verletzt
hätten, wenn wir nicht so handelten, wie wir gehandelt haben.
Wir haben unsere sämtlichen Artikel nachträglich einem katholischen
Geistlichen zur Beurteilung vorgelegt, einem Geistlichen, dessen treue kirch—
liche Gesinnung allgemein als vorbildlich angesehen wird, der auch in vor⸗
bildlicher Weise die kirchliche Autorität hochhält und verteidigt, dessen religiöse
und soziale Kenntnisse allgemein gerühmt werden, der aber ndeen auch
in engster Fühlung mit dem Volke steht und in seinem bisherigen Wirkungs—
kreise ganz außerordentliche Erfolge für die Kirche zu verzeichnen hat. Dieser
katholische Geistliche war der Ansicht, daß vom latholischen Standpunkte aus
gegen unsere Ausführungen nichts einzuwenden sei. Ja, noch mehr, es sei
sogar Pflicht, r in solch unangenehmen und gewiß bedauerlichen Fällen
offen die Wahrheit zu sagen.“
            
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